Meldung vom 25. Januar 2018

Herne will Deutschen Kita-Preis

Herne will den Deutschen Kita-Preis gewinnen. In der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung“ gehört das Netzwerk der Herner Familienzentren zu zehn Finalisten. Jetzt reisten zwei Bewerter für den Deutschen Kita-Preis an und nahmen das Bündnis unter die Lupe.

Das Herner Netzwerk rund um den Fachbereich Kinder-Jugend-Familie bot alles auf, um die „Tester“ zu überzeugen. Angereist waren Katarina Fuchs und Stefan Clotz von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Sie führten mehrere Stunden Interviews und Workshops mit den Akteuren des Netzwerkes, seien sie nun von der Stadt, den Kirchen oder anderen Trägern. Zusätzlich kommt Freitag noch ein Filmteam, das einen Clip über das Netzwerk drehen will. Der Bericht der Bewerter und der Clip dienen der zehnköpfigen Jury in Berlin als Grundlage für ihr Urteil. Der Fachbereich Kinder-Jugend-Familie hat schon mal einen Bus für das Finale in Berlin am 3. Mai gebucht. Dort warten: auf den Erstplatzierten 25.000 Euro und jeweils 10.000 Euro auf vier Zweitplatzierte.

„Herne gehört zu den Gewinnern“

„Sie gehören zu den zehn Gewinnern“, sagt Bewerter Stefan Clotz, „denn 161 Netzwerke haben sich beworben, und Sie sind jetzt noch dabei.“ Dabei betont er: „Ich bin nicht die Jury, ich schreibe nur den Bericht.“ Im Mittelpunkt seiner Analyse stehen das Miteinander, die Kommunikation und die Ziele. Ihn interessieren Fragen solcher Art: Wie professionell geht es in den Netzwerken zu?

„Unsere Familienzentren haben eine besondere Qualität“

„Ich war von Anfang an überzeugt, das das Herner Netzwerk sich bewerben soll“, bekennt Stadträtin Gudrun Thierhoff, „weil ich der Meinung bin, dass es in seiner Struktur und in seiner Form eine besondere Qualität hat, die den Kriterien auch entsprechen kann. Und weil wir unter den zehn Nominierten sind, fühlen wir uns ein bisschen als Gewinner. Im Grunde ist es eine Bestätigung einer zehnjährigen Arbeit.“ Das Aufwachsen der Kinder in Herne sei von den klassischen Risikofaktoren gekennzeichnet wie Migrationshintergrund, Ein-Eltern-Familien, hoher Anteil von einkommensarmen Familien: „Daher brauchen wir einen fokussierten Blick auf Familien und Kinder – und das garantieren Familienzentren mit ihrem Ansatz.“

Gemeinsame Grundhaltung

Dr. Annette Frenzke-Kulbach, Leiterin des Fachbereichs Kinder-Jugend-Familie erläuterte das Konzept eines Familienzentrums: „Es zeichnet sich darin aus, dass Orte geschaffen werden, wo für Eltern und Kinder unterschiedliche Angebote vorgehalten werden: „Herne zeichnet sich durch hohe Belastungsfaktoren aus. Deshalb müssen sie Angebote dort vorgehalten werden, wo die Kinder und Eltern sind.“ Wichtig ist auch die Beteiligung: „Es wird eine Verantwortungsgemeinschaft gebildet zwischen Pädagogen und Eltern. Wir haben gemeinsame Ziele, die gemeinsam geplant und trägerspezifisch ausgebaut werden. Sie basieren auf einer gemeinsamen Grundhaltung, so dass die Ressourcen gut gebündelt werden und das Miteinander garantiert wird.“

„Unsere Familienzentren funktionieren“

Ulrich Klonki, Vorsitzender des Ausschusses für Kinder-Jugend-Familie stellt dem Bündnis ein positives Zeugnis aus: „Die Familienzentren in Herne funktionieren.“ Das wisse er aus eigener Erfahrung: „Ich bin selbst ehrenamtlich in einem Familienzentrum aktiv, um eine Erdung zur Basis zu bekommen – und mich nicht nur mit Berichten aus den Ausschüssen begnügen zu müssen. Wir sind klein genug.“

„Wir sind keine Basteltanten“

Stefan Clotz zitierte zum Schluss eine der Mitarbeiterinnen des Familienzentrums, deren Aussage verdeutliche, was sich in den vergangenen Jahren getan habe. Sie habe gesagt: „Wir sind keine Basteltanten mehr, wir arbeiten sehr professionell.“ Insgesamt gab er sich sehr optimistisch über den Zustand der Familienzentren in Deutschland: „Wer an Deutschland zweifelt, sollte mit mir reisen. Die Bündnisse sind gut, das Engagement ist hinreißend.“ Zu spät, um mit ihm zu reisen, muss man sagen. Herne war seine letzte Station.