Zeche Mont-Cenis

Zeche Mont-Cenis

Die Zeche Mont-Cenis hat über 100 Jahre lang die Geschicke des Stadtteils Herne-Sodingen und die Schicksale der Menschen geprägt. Hier die Chronik einer wechselvollen Geschichte:

1855 Der Kaufmann Wilhelm Endemann zu Bochum bekommt das Feld „Dominica" verliehen.

1856 kommen das Feld „Veronica", 1858 die Felder „Theresia I" und Mathilde I" sowie die Felder „Louis" und „ Jérome" hinzu.

1861 Sodingen erhält den Anschluß an den Bahnhof Herne.

1870 Wahrscheinlich als Kriegsgefangener lernt Franz August Vivier aus Lyon den Ruhrbergbau erstmalig kennen.

1871 Am 15. November 1871 erfolgt der erste Spatenstich zur Niederbringung des ersten Schachtes.

1872 Die fünf Grubenfelder Theresia 1, Eugenia, Mathilde 1, Louis und Jerome werden zusammengeschlossen. Das Grubenfeld wird an den Bergbauingenieur Josef Monin aus Marseille und an den Rentier Franz August Viviers aus Lyon verkauft. Im Gedenken an eine technische Meisterleistung dieser Zeit, die Inbetriebnahme eines 13 Kilometer langen Tunnels durch den Berg namens „Mont Cenis" in den französischen Alpen, wird am 27. Juli 1872 die „Gewerkschaft der Steinkohlenzeche Mont Cenis Sodingen in Westfalen" gegründet.

1873 Auf Schacht 1 ist Kohle in Sicht: das Steinkohlengebirge wird bei einer Tiefe (Teufe) von 190 Metern erreicht.

1875 Im Jahr 1875 beginnt die erste Förderung auf Mont-Cenis. Der Abbau der Gaskohle, auf die man statt der erwarteten Fettkohle trifft, erfolgt durch Sprengungen und durch die harte Arbeit mit der Hacke. Statt der geplanten 400.000 Taler hat die Entwicklung bereits 750.000 Taler gekostet.

1878 Der erste Ventilator wird an den Wetterturm des Schachtes 1 angeschlossen.

1879 Wilhelm Endemann verpachtet auch das letzte seiner Grubenfelder „Veronica" an die Gewerkschaft Mont-Cenis.

1883 Verschiedene Feldesteile werden untereinander ausgetauscht. Durch Zahlung von 750 000 Mark kauft sich die Gesellschaft Mont Cenis von den Verpflichtungen an den Vorbesitzer Wilhelm Endemann frei.

1884 Für Schacht 1 wird ein Wetterschacht abgeteuft, der Frischluft nach unter Tage führt.

1886: Abteufen eines Wetterschachts

1888 Durch einen großen Grubenbrand werden wertvolle aus- und vorgerichtete Betriebspunkte in der Nordmulde des Grubenfeldes vernichtet. Neben tektonischen Störungen, fehlenden Wohnungen für die Stammbelegschaft, ist dieser Grubenbrand ein Grund für die immer wieder prekäre wirtschaftliche Lage des Unternehmens.

1890 Mit dem Aufschwung der Wirtschaft schreitet auch die Entwicklung auf Mont-Cenis jetzt zügig voran.

1893 Die Tagesanlagen auf Mont-Cenis werden erweitert . Es wird eine Kohlenwäsche errichtet. Die Gründung des Rheinisch- Westfälischen Kohlensyndikats sichert die Absatzmärkte.

1895 Ermutigt durch die besseren Aussichten beschließt die Gewerkenversammlung, eine zweite Schachtanlage zu errichten, die ihren eigenen Wetterschacht, bestückt mit Ventilatoren, bekommt.

1897 Die Förderung auf Schacht 2 wird aufgenommen. Es beginnt eine Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs.

1900 Der Anstieg der Kohleförderung erfordert eine stärkere Fördermaschine. Es wird eine 800 PS starke Fördermaschine mit Köpeförderung aufgestellt. Im selben Jahr kommt es zur Fertigstellung des Wetterschachtes, inklusive des Ventilatorenanschlusses, am Schacht 2. Mit der Jahrhundertwende beginnt die Mechanierung und die Technisierung des gesamten Kohleabbau. Zur Jahrhundertwende arbeiten 2.389 Mann auf Mont Cenis und fördern 715.175 Tonnen Kohle. In 522 Wohnungen siedeln 4.037 Einwohner - fast achtmal so viele Menschen wie noch 25 Jahre zuvor.

1902 Die erste untertägige Wasserhaltung mit Pressluftantrieb wird in Betrieb genommen.

1903 Die Gewerkschaft Mont-Cenis übernimmt die Zeche Ver. Bommbänker Tiefbau mit dem Ziel, diese bis zur völligen Ausbeutung in Betrieb zu halten, damit im Anschluß daran deren Anteile am Kohlesyndikat auf Mont-Cenis übergehen.

1905 Die Zeche ist weiter auf Expansionskurs: Es beginnt die Abteufung von Schacht 3, der mit Schacht 1 zusammen als Doppelschachtanlage eingerichtet wird. Gleichzeitig wird die Batterie 1 der Kokerei Mont-Cenis wird in Betrieb genommen. Dadurch wird die Gewinnung von Nebenprodukten möglich. Die Anschaffung einer Benzol- Lokomotive vereinfacht die Streckenförderung. Zusätzlich wird mit dem Bau einer Kraftzentrale auf Mont-Cenis begonnen.

1906 Wegen eines Wasserrohrbruchs wird die Zeche Ver. Bommerbänker –Tiefbau" stillgelegt. Damit beträgt die Beteiligung beim Kohlensyndikat insgesamt 895.000 Tonnen Kohlen, die von der Gewerkschaft Mont-Cenis zu garantierten Preisen geliefert werden müssen. Die Gewerkschaft Mont-Cenis beteiligt sich an der Deutschen Mondgas- und Nebenprodukten-GmbH. Nach einem Verfahren des englischen Chemikers Mond wird nördlich der Schachtanlage 1/3 Ammoniak gewonnen.

1909 Schacht 3 nimmt den Betrieb auf. Die Gewerkschaft Mont Cenis erwirbt die erste von drei Ziegeleien, die den Schieferton verarbeiten, der auf Schacht 1 als Abraum anfällt. Die rege Bautätigkeit im Ruhrgebiet sorgt für eine kräftige Nachfrage.

1910 Die Kohleförderung steigt durch die Inbetriebnahme und höhere Produktivität: in diesem Jahr werden bereits 893.000 Tonnen durch 3.325 Beschäftigte gewonnen.

1913 Ein Grubenbrand macht auf der Anlage 1/3 die Abdämmung einer Abteilung notwendig.

1915 Durch einen Blindschachtbrand wird das Abdämmen von zwei Revieren erforderlich. Die Kohlenförderung sinkt: 2.545 Beschäftigte fördern in diesem Jahr 719.000 Tonnen Kohle.

1917 Der Röchling-Konzern erwirbt 995 von 1000 Kuxen der Gesellschaft, die aber dennoch weiterhin selbständig bleibt.

1918 Während der Kriegsjahre werden rund 540 Kriegsgefangene auf Mont-Cenis eingesetzt.

1920 Die Kohleförderung steigt wesentlich geringer als der erforderliche Personalaufwand: In diesem Jahr werden auf Mont-Cenis 819.000 Tonnen Kohle durch 4.175 Beschäftigte gefördert.

1921 Am 20. Juni 1921 fordert das schwerste Grubenunglück der Herner Bergbaugeschichte 85 Todesopfer. Die Unfallursache ist menschliches Versagen: ein Schießhauer löst durch eine verbotene Sprengung mit Dynamit in der Kohle eine Schlagwetterexplosion aus. Der Röchling-Konzern richtet einen Verbund zwischen Mont-Cenis und der Maximilianhütte in der Oberpfalz ein, die fortan mit Koks von Mont-Cenis beliefert wird.

1923 Passiver Widerstand der Bergleute: während der Ruhrbesetzung sinkt die Förderung auf 286.000 Tonnen.

1924 Der Bau einer Anschlußbahn zum Hafen „Friedrich der Große" verbindet Mont-Cenis mit dem Kanalnetz. Die Rationalisierungswelle im Steinkohlenbergbau beginnt.

1927 Ein neues Hochdruckkesselhauses und eine neue Kraftzentrale wird gebaut. In den Jahren von 1927 bis1929 wird die hohe Fördermenge von 1 Million Tonnen erreicht., das bedeutet eine Durchschnittsförderung von circa 3.400 Tonnen Kohle pro Tag. Die Maximilianhütte übernimmt alle Kuxe von der Gewerkschaft Mont-Cenis.

1929: Kohleförderung: 1.145.272 Tonnen durch 3.998 Beschäftigte.

1930 Auch der Schacht 2 wird mit Schacht 4 zu einer Doppelschachtanlage ausgebaut.

1931Eine Schlagwetterexplosion, diesmal ausgelöst durch eine herabgefallene Sicherheitslampe, fordert mindestens 17 Todesopfer.

1932 Die Weltwirtschaftskrise und Rationalisierungwelle zeigen Auswirkungen: die Belegschaft hat sich binnen zehn Jahren um knapp zwei Drittel reduziert: von 5.990 auf 1988 Mann. Die Förderung auf der Doppelschachtanlage 2/4 wird aus wirtschaftlichen Gründen vorübergehend eingestellt.

1935 Fünf Bergleute sterben als ein Grubenbrand durchbricht. Das gleiche Schicksal trifft einen Betriebsführer und einen Bergassessoren einen Tag später an einer anderen Stelle des Bergwerks.

1936 Die Harpener Bergbau AG, deren Aktienmehrheit von der Maximilianhütte gehalten wird, kauft der Große". Dieser Zusammenschluß eröffnet neue Perspektiven in der Kokerei-, Strom und Gaswirtschaft.

1939: Die Zeche kommt in den Besitz der Gewerkschaft Vereinigte Constantin der Große.

1940 Es wird eine Verbindungsbahn Constantin - Mont-Cenis gebaut - aufgrund des Krieges zunächst das einzige nennenswerte Resultat der 1939 geschlossenen Verbindung mit „Ver. Constantin der Große". Noch werden 900.000 Tonnen durch 2.385 Beschäftigte gefördert.

1945 Während der Kriegsjahre wird die Förderung zunächst bei etwa 800.000 Tonnen gehalten. Zeitweise werden bis zu 800 Kriegsgefangene und Ausländer auf Mont-Cenis eingesetzt. Gegen Ende des Krieges sinkt die Förderleistung. Im März und April 1995 kann wegen des Krieges nur an wenigen Tagen überhaupt gearbeitet werden. Insgesamt wurden 1945 nur noch rund 275.000 Tonnen Kohle gefördert.

1946 Die Alliierten fördern die Arbeit der Bergleute als Basis für den Wiederaufbau der Wirtschaft. Die Förderung läuft jetzt wieder zügig an. Es werden knapp 300.000 Tonnen Kohle gefördert.

1948 Die Batterie 4 der Kokerei wird fertiggestellt.

1949 Die Schachtanlage 2 / 4 wird mit einem gemeinsamen Wetterkanal und einem leistungsfähigen Grubenlüfter ausgestattet.

1952 Die Belegschaft der Schachtanlage 2/4 erhält CO-Filter- Selbstretter. Auf Mont-Cenis treten Stahl- und Leichtmetallstempel zunehmend an die Stelle von Holzstempeln.

1953 Mit Hobelanlagen wird begonnen, die Kohlengewinnung untertage zu mechanisieren.

1954 Eine Methan-Absauganlage verringert die Gefahr von Grubenbränden.

1955 Bis zum Jahr 1955 hat sich die Förderung wieder stabilisiert: 2.760 Beschäftigte fördern in diesem Jahr 708.000 Tonnen Kohle.

1956 Für die Beschäftigten wird ein Gesundheitshaus für vorsorgende Maßnahmen gebaut. Auch die Arbeiter auf Schacht 1/3 werden mit CO-Filter-Selbstrettern ausgestattet. Untertage werden bei der Auffahrung der 7. Sohle nach Süden Bunkerzüge eingesetzt.

1957 Erdolimporte führen zu Absatzproblemen im gesamten Steinkohlenbergbau.

1959 Die Bergleute tragen ihre Grubenlampe jetzt nicht mehr in der Hand, sondern am Helm: die „Kopflampe" wird eingeführt. Aufgrund von Absatzschwierigkeiten wird die Fünftagewoche eingeführt.

1960 Die Zeche kommt zur Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG". Auf Schacht 4 wird bis zur 8. Sohle abgeteuft. Ein Grubenbrand auf der achten Sohle zwingt jedoch zur Aufgabe aller Aktivitäten im östlichen Grubenfeld. Seilfahrten werden nur noch über Schacht 1/3 unternommen. Dort wird die 7. Sohle im westlichen Bereich stärker ausgebaut. Ab April 1960 können die Kohlen hier per Skip-Förderung gehoben werden. Trotz starker Modernisierung werden „nur" 560.000 Tonnen Kohle gefördert.

1961 Die Kokerei auf Mont-Cenis wird stillgelegt.

1963 Die Förderung auf der Schachtanlage 1/3 und die angeschlossene Wäsche werden eingestellt. Die Kohlen werden unter Tage nach Constantin der Große transportiert. Auch die Werksdirektion wird in den Förderbereich Constandin der Bochumer Krupp-Zechen integriert.

1964 300 Belegschaftsmitglieder von Constantin 4 / 5 werden übernommen, so daß die Förderleistung noch einmal ansteigt.

1965 Eine Schlagwetterexplosion auf der Zeche Mont-Cenis fordert neun Todesopfer, darunter sechs Männer der Grubenwehr. Der offene Brand in 750 Metern Tiefe erzeugt eine extreme Hitze, so daß die Vermißten aufgegeben werden müssen. Die „Hütten und Bergwerke Rheinhausen AG" wird umbenannt zur „Friedr. Krupp Bergwerke AG".

1966: Aufgabe von Schacht 2

1967 Die Zeche Constantin / Mont-Cenis und Zeche Hannibal gehen auf der 950 m-Sohle einen Förderverbund ein. Die Kohlen aus dem Feld Mont-Cenis werden nun unter Tage zum Schacht Hannover transportiert.

1968 Der Schacht Lothringen 6 wird als Wetterschacht übernommen.

1969 Die Friedr. Krupp Bergwerke AG wird in die Ruhrkohle AG eingebracht. Zwischen Schacht 1 und Blindschacht 16 b wird eine 1300 Meter tiefe Sohle erschlossen - ein Rekordwert. Mit -1220 Metern NN stellt sie damals die tiefste Hauptfördersohle im Ruhrbergbau dar. Schacht 2 wird verfüllt. Es wird damit begonnen, die gesamte Grube wird von Wagen- auf Bandförderung umzustellen.

1973 Die Bergwerksdirektion Bochum wird stillgelegt. Mont-Cenis bleibt jedoch in Betrieb und wird an die Zeche Friedrich der Große angeschlossen. Hierzu wird ein 1.200 m langer Bandberg aufgefahren.

1975 Mit 4.383 Tonnen wird die höchste durchschnittliche Förderung pro Arbeitstag erreicht. Insgesamt wird in diesem Jahr wieder über eine Million Tonnen Steinkohle (1.082 474 Tonnen) ans Tageslicht geholt.

1978 Das Steinkohlebergwerk Friedrich der Große - Mont-Cenis wird am 31 März 1978 endgültig stillgelegt.