Die Zeit von 1900 bis 1928


1900
Immer mehr Menschen zogen in die Ruhrgebietsstadt. Die Aussicht auf einen festen Arbeitsplatz und eine Wohnung lockte Arbeiter aus Hessen, Thüringen, Anhalt und vor allem aus Polen nach Herne. 30 Prozent gaben Polnisch als Muttersprache an.

Die Firma Dorn, die hauptsächlich Schrauben für den Bergbau und seine Zulieferindustrie produzierte, siedelte sich in der Stadt an.

Die "Maschinen- und Dampfkessel-Armaturenfabrik Heinrich Flottmann & Comp." errichtete ihr Werk in Herne. Die Fabrik produzierte vor allem Kompressoren, Bohrhämmer und Abbauhämmer für den Bergbau.

1902
1. April 1902: Das Amt Sodingen wurde aus dem Restamt Castrop mit den Gemeinden Börnig, Holthausen und Sodingen gebildet. Die Gemeinde Hiltrop schied aus dem Amt Baukau aus.


1904
Flottmann erfand die "Kugelsteuerung für Gesteinsbohrmaschinen". Das Gerät wurde mit rund einer Millionen verkauften Exemplaren in aller Welt der große Verkaufsschlager.

An der Kaiser-Passage in Wanne wurde seit 1904 fleißig gearbeitet. Nach Ende der Bauarbeiten überdachte an der Mozartstraße eine aufwendige Glaskonstruktion die Flaniermeile mit zwölf Wohn- und Geschäftshäusern.

1905
19. Januar 1905: Das Amtshaus und spätere Rathaus Wanne wurde feierlich eröffnet. Amtsbaumeister Otto Zahn hatte den Ziegelsteinbau entworfen. Charakteristisch: die Rundbogenfenster, die dreigliedrige Fassade und der Schweifgiebel im Stil der Neorenaissance.

18. September 1905: Die Gemeinde Crange wurde in die Gemeinde Wanne eingemeindet.

1906
1906 - 1916: Heinrich Rühmann, der Vater des berühmten Schauspielers Heinz Rühmann, hat die Bahnhofswirtschaft in Wanne gepachtet. Das Restaurant ist eine Goldgrube. Heinz Rühmann besucht das Realgymnasium der Ämter Wanne und Eickel, das heutige Gymnasium Eickel, bevor seine Familie 1916 nach München zieht. Heute erinnert der "Heinz-Rühmann-Platz" vor dem Wanne-Eickeler Hauptbahnhof an den großen Darsteller.

10. März 1906: Im französischen Departement Pas de Calais ereignete sich um 7 Uhr morgens das bis dahin schwerste Grubenunglück der Welt. Über 1.000 Bergleute kamen ums Leben. Rettungsmannschaften der Zechen Shamrock aus Herne und Rheinelbe aus Gelsenkirchen fuhren nach Frankreich, um zu helfen - eine versöhnliche Geste zwischen den "Erbfeinden" Deutschland und Frankreich. Am 30. März konnten 13 französische Bergleute gerettet werden. Die Rettungsaktion legte den Grundstein für die Städtepartnerschaft zwischen Hénin-Beaumont und Herne nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

1.Juli 1906: Die Stadt Herne wurde kreisfreie Stadt und schied aus dem Landkreis Bochum aus.

1908
Der neue Herner Stadtgarten entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugsziel neben dem Schloßpark Strünkede und dem Constantiner Busch.
1. April 1908: Das Amt Baukau wurde aufgelöst. Baukau und Horsthausen wurden in die Stadt Herne eingemeindet. Bladenhorst und Pöppinghausen bildeten das neue Amt Bladenhorst.

1910
Die Herner Post zog von der Bahnhofstraße in einen Neubau in der Kaiser-Wilhelm-Straße, der heutigen Bebelstraße. Auch in der Gemeinde Wanne richtete sich die Post neu ein: Im Mai 1915 bezog sie an der damaligen Sedanstraße, der heutigen Wanner Straße, ihr neues Gebäude, einen neoklassizistischen Bau in der Nähe des Hauptbahnhofs.
1. April 910: Die Gemeinde Holsterhausen wurde in die Gemeinde Eickel eingemeindet.

1911
Die Bauarbeiten für den Wanner Saalbau begannen 1911. Im Stadtgarten entstand ein repräsentatives Jugendstil-Gebäude für Theateraufführungen, später auch für Tagungen und kleinere Veranstaltungen.

1912
6. Dezember 1912: Einweihung des Herner Rathauses. Der Düsseldorfer Architekt Prof. Wilhelm Kreis hatte das repräsentative Gebäude im Stil der neuen Sachlichkeit entworfen - klassizistisch ohne zu protzen, funktionsgerecht und zweckmäßig. Heute haben im Rathaus der Oberbürgermeister, der Rat der Stadt und ein Teil der Verwaltung ihren Platz.

1. Dezember 1912: Am Eickeler Markt eröffnete das erste kommunale Kino im Deutschen Reich mit dem Film "Mütter verzaget nicht". Das Gemeindelichtspielhaus stand im Dienst der Volkserziehung gegen den Verfall der Moral.

24. Februar 1912: Amtmann Friedrich Weiberg beantragte die Konzession für einen Flugplatz der Gemeinden Wanne, Herne und Herten. Schon zu Pfingsten 1912 nahm die "Rheinisch-Westfälische Flug- und Sportplatzgesellschaft" die Start- und Landebahn in Betrieb - auf Hertener Gebiet nördlich der Emscher. Drei moderne Flugzeugschuppen entstanden.

1913
13. Juli 1913: Anlässlich des 25. Regierungsjubiläums von Kaiser Wilhelm II. öffnete der "Kaiser-Wilhelm-Park" auf dem Beimberg in der Gemeinde Sodingen. Nach Ende des Kaiserreichs erfolgt die Umbenennung in "Volkspark". Prunkstück des Geländes ist der Aussichts- und Wasserturm.

1914
Nach einer Bauzeit von rund neun Jahren fuhr im April 1914 das erste Schiff den Rhein-Herne-Kanal entlang. Für die fortschreitende Industrialisierung der Stadt spielte die Wasserstraße eine wichtige Rolle - für Herne vorwiegend als Transportweg für Kohle.

1916
Der Erste Weltkrieg veränderte auch das Leben in Wanne, Eickel und Herne. Die Bevölkerung litt unter dem strengen Winter von 1916 auf 1917, dem sogenannten "Steckrübenwinter". Die Versorgungslage im Ruhrgebiet war katastrophal.

1918
8. November 1918: Deutsche Matrosen meuterten am 29. Oktober 1918 in Wilhelmshaven. In der Nacht vom 8. auf den 9. November 1918 brachten einige Matrosen auf der Durchreise nach Recklinghausen die Revolution auch in das Amt Wanne. Einige Dutzend Soldaten rebellierten und zogen zur Polizeistation. Dort erzwangen sie die Freilassung von militärischen Gefangenen.
In den Ämtern Wanne, Eickel, Sodingen und Herne übernahmen die Räte die Macht. In Herne wurde am 9. November - nach Bergarbeiterstreiks und einer Kundgebung auf dem Markt - die rote Fahne der Revolution auf dem Rathaus gehißt. An diesem Tag dankte auch Kaiser Wilhelm II. ab. Die Monarchie war beendet.

1919
18. Februar 1919: Die Kumpel der Zeche Mont Cenis riefen zum Streik auf. Bis zum April erschütterten Arbeitsniederlegungen das gesamte Ruhrgebiet. Über 185.000 Kumpel, mehr als die Hälfte aller Bergleute im Revier, legten die Arbeit nieder. Nach blutigen Zusammenstößen zwischen Streikenden und Einheiten des Freicorps wurde Ende März 1919 der Belagerungszustand über das Ruhrgebiet verhängt. Die Regierung entsendete Truppen, um die Ruhe wiederherzustellen.

1920
Das "Sol- und Thermalbad Wilhelmsquelle" in Wanne, das heutige Solbad, wurde 1920 Eigentum des Amtes Wanne. Das 42 Grad Celsius warme Salzwasser galt als besonders wirksam bei rheumatischen Erkrankungen.

1921
20. Juni 1921: Bei einer Schlagwetter-Katastrophe auf der Zeche Mont Cenis in Sodingen kamen über 100 Knappen ums Leben.

1923
Die französische Regierung wollte sich durch die Besetzung des Ruhrgebiets die deutschen Reparationszahlungen für den 1. Weltkrieg sichern. In Wanne, Eickel, Sodingen und Herne zeigten sich die ersten Soldaten am 15. Januar. Nach mehr als zwei Jahren, im Juli 1925, zogen die Truppen wieder ab.

1926
1. April 1926: Die Ämter Wanne und Eickel wurden aufgelöst und bildeten die neue kreisfreie Stadt Wanne-Eickel. Die Stadtverordneten wählten auf ihrer Sitzung vom 17. September 1926 Wilhelm Kiwit zum ersten Bürgermeister Wanne-Eickels. Noch im gleichen Jahr durfte er sich "Oberbürgermeister" nennen.

Dezember 1926: Der Bahnhof der neuen Stadt wurde zum Hauptbahnhof Wanne-Eickel aufgewertet.

1927
Die Stadt Herne kaufte den Stadtwald Gysenberg, der schon damals ein beliebtes Ausflugsziel war.

22. März1927: Jean Vogel wurde wegen seiner besonderen Verdienste für Herne zum "Stadtältesten" ernannt. Der im März 1875 geborene Jean Vogel wurde nach der Stadtwerdung 1897 in das Stadtparlament gewählt. Bis 1906 vertrat er die Interessen des Amtes Herne im Bochumer Kreistag. Im November 1929 wurde er zum unbesoldeten Stadtrat ernannt. Dieses Amt übte er bis zur nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 aus. Fünf Jahre später, im November 1938, starb Jean Vogel.

1928
1. April 1928: Das Amt Sodingen mit seinen Gemeinden Sodingen, Börnig und Holthausen wurde von Herne eingemeindet: Herne verdoppelte sein Stadtgebiet. Die Einwohnerzahl erhöhte sich um ein Drittel.

3. Juni 1928: Das Sommerbad an der Bergstraße öffnete seine Tore. Rund 6.000 Besucher bevölkerten die Tribüne und staunten über den zehn Meter hohen Sprungturm.

20. Juni 1928: Der Bau der Straßenbahn von Recklinghausen über Herne nach Bochum war abgeschlossen.