Die Zeit von 1930 bis 1945


1930
1. April 1930: Einer Entlassungswelle folgte die nächste. Die Zeche Friedrich der Große I/II beendete am 1. April 1930 vorübergehend ihre Förderung. Damit standen 510 Kumpel ohne Lohn und Brot auf der Straße.

16. Juni 1930: Weitere Entlassungen standen an: 200 auf Shamrock, 200 auf Friedrich der Große und 50 auf Constantin IV/V. Genau einen Monat später wurde 142 Bergleuten der Zeche Julia und 30 von Mont Cenis gekündigt. Am 15. September mussten weitere 90 Bergleute von Julia gehen. Die Zeche Friedrich der Große trennte sich im Oktober und November nochmals von 760 Arbeitern. Die Firma Schüchtermann & Kremer Baum feuerte am 1. November 270 Mann. Im November 1930 wurde der Schacht Constantin X stillgelegt. Das bedeutete erneut 650 Entlassungen.

1932
Schwere Unruhen erschütterten die Stadt. Es kam zu zahlreichen Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und Linksparteien.

1933
30. Januar 1933: Adolf Hitler wurde Reichskanzler. Traditionell ist die Bergarbeiterstadt Herne keine Hochburg der Nationalsozialisten. Im Februar 1933 wurden die bestehenden Stadtparlamente aufgelöst und Neuwahlen angesetzt. Doch wieder erhielten die Nationalsozialisten nicht die Mehrheit. Nun wurden die Kommunisten kurzerhand ihrer Ämter enthoben, die SPD-Stadtverordneten erschienen aus Protest gar nicht erst zu den Sitzungen. Der NSDAP-Oberbürgermeister, Albert Meister, war der "einzige und alleinige Führer der Gemeinde".

Die Nationalsozialisten verfolgten auch in Herne ihre politischen Gegner. Die Polizei inhaftierte ohne Gerichtsbeschluss führende Politiker der SPD und KPD - "Schutzhaft" nannten das die Verantwortlichen - unter ihnen: der kommunistische Stadtverordnete Viktor Reuter, der 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen zu Tode kam; der evangelische Pfarrer Ludwig Steil, der 1945 im KZ Dachau an Typhus starb; der Sozialdemokrat Karl Hölkeskamp, der zu drei Monaten Gefängnis verurteilt und nach 1945 wieder aktiver Kommunalpolitiker wird.

19. Juni 1933: Die Nazis verbrannten auf dem Herner Rathausplatz eine ganze Möbelwagenladung mit Büchern von Schriftstellern wie Kurt Tucholsky und Thomas Mann.

1938
9. November 1938: In der Nacht wurden in Herne wie in ganz Deutschland die Synagogen und jüdische Geschäfte in Brand gesetzt. Die Nazis zerschlugen Fensterscheiben, zertrümmerten Einrichtungen.

1940
2. und 3. Juni 1940: Englische Bomberpiloten flogen den ersten Angriff auf Herne. Durch neun Sprengbomben entstand aber nur geringer Sachschaden. Beim nächsten Bombenangriff vom 17. auf den 18. Juni starben zwei Menschen. Erklärtes Ziel der Piloten waren Industrieanlagen.

1945
31. März1945: Die deutsche Wehrmacht sprengte die Brücken über Kanal und Emscher. Herne wurde unmittelbares Kampfgebiet.

9. April 1945: Die deutsche Armee, Polizei und Partei räumten die Stadt. Einen Tag später besetzten amerikanische Truppen Herne kampflos. Die schreckliche Bilanz nach Kriegsende: Insgesamt 92 Bombenangriffe auf Wanne-Eickel und 1.074 Tote; 64 Angriffe auf Herne und 419 Tote.

In der Nachkriegszeit wurde Herne "die goldene Stadt" genannt. Die Innenstadt war von Zerstörungen durch Bombenangriffe weitgehend verschont geblieben. Die Menschen aus allen umliegenden Städten kamen, um hier einzukaufen, zu flanieren und sich zu amüsieren.