Die Zeit von 1970 bis 1989


1970
4. Juni1970: Der Revierpark Gysenberg wurde eröffnet. 7.000 Besucher unterzogen den ersten der fünf Freizeitparks im Revier einer Belastungsprobe. 18,4 Millionen Mark hatte die Anlage gekostet.

13. Juli 1970: Der Herner Eisportverein, kurz HEV, wurde ins Leben gerufen. Die Eishockeymannschaft des HEV wurde bald zum Aushängeschild des Vereins.

3. August 1970: Die ersten Autos fuhren über den Westring, einer Umgehungsstraße, die die Bürger schneller ins Zentrum bringen sollte.

1972
13. Mai 1972: Eine Herner Musikerlegende trat in der Gysenberghalle auf: der Big-Band-Leader Kurt Edelhagen, in Börnig geboren, in Herne aufgewachsen. Die große Karriere des Jazz-Musikers begann mit seiner Big-Band vom Südwestfunk Baden-Baden. Den Höhepunkt erreichte sie mit Kurt Edelhagens "All Stars" vom Westdeutschen Rundfunk.

1973
17. Oktober 1973: Herne und Wanne-Eickel besiegelten per Gebietsänderungsvertrag die Städte-Ehe zum 1. Januar 1975. Insgesamt 32 verschiedene Modelle waren diskutiert und wieder verworfen worden.

1975
1. Januar 1975: Herne und Wanne-Eickel schlossen sich zu einer Stadt zusammen: Bei der dritten Lesung des Neugliederungsgesetzes am 8. Mai 1974 läuteten die Hochzeitsglocken. Nicht alle Wanne-Eickeler waren mit der Ehe einverstanden.

1976
Die Bahnhofstraße wurde ab September Fußgängerzone. Bereits im Mittelalter war sie Teil einer Handelsstraße von Köln nach Münster. Seit 1847 war die Straße Bindeglied zwischen Dorfkern und Bahnhof. Auch die erste Straßenbahn von Herne nach Bochum führte später über die Bahnhofstraße.

Von 1973 bis 1976 wurde die Hauptstraße zwischen Kolpingstraße und Glückaufplatz auf einer Länge von 900 Metern zur Fußgängerzone ausgebaut. Sie war in der Vergangenheit die Nabelschnur für die angrenzenden Gemeinden.

2. OKtober 1976: Die Sportbünde aus Wanne-Eickel und Herne schlossen sich zusammen und gründeten den Stadtsportbund Herne (SSB). Zum Vorsitzenden des SSB wurde Lothar Sommer gewählt, der bis zum Frühjahr 1996 im Amt blieb.

Im September 1976 wurde das Kulturzentrum eröffnet. 32 Millionen Mark hatte der durch schwarz gefärbtes Aluminium, Sichtbeton und rote Eingangstüren geprägte Bau gekostet. Der Gebäudekomplex beherbergt einen großen Saal mit rund 1.000 Plätzen, die Stadtbücherei, die Volkshochschule und ihren kleinen Saal, ein Restaurant, eine Diskothek und eine Tiefgarage. Herne hatte endlich ein Haus für Messen, Konzerte, Theatergastspiele, Ausstellungen oder Parteitage.

Anfang Dezember 1976 fanden im Kulturzentrum zum ersten Mal die Tage alter Musik in Herne statt. Das erste große Konzert zur ,Ausstellung seltener Musikinstrumente' im Kulturzentrum stand im Zeichen des virtuosen Organisten Burghard Schloemann und seiner mit 12 Registern bestückten Barockorgel. Dass die Zuschauer das Auftaktkonzert eines musikalischen Dauererfolges hörten, konnten sie natürlich noch nicht wissen.

1977
11. Juli 1977: Der Startschuss für die "Fröhliche Ferienstadt" fiel. Allein am ersten Tag tummelten sich rund 900 Kinder im Gysenberg. Zahlreiche Aktionen, Spiele und Sport machten ihnen den Urlaub daheim interessant.

1978
Rudi Cerne wurde zum ersten Mal Deutscher Meister im Eiskunstlaufen. Der Grundstein für eine große Karriere war gelegt. Bis zu seinem vierten Platz bei den Olympischen Spielen in Sarajevo bestimmte der Wanne-Eickeler Ausnahmesportler die Weltspitze mit.

Mit der Schließung von Friedrich der Große 1978 war das Kapitel Bergbau für Herne so gut wie abgeschlossen. Die Zechen sind endgültig aus dem Stadtgebiet verschwunden.

1980
15. September 1980: Welturaufführung in der Lichtburg: "Theo gegen den Rest der Welt" flimmerte zum ersten Mal über eine Leinwand. In der Hauptrolle: Rocksänger Marius Müller-Westernhagen. Er spielte den Fernfahrer Theo Gromberg aus Herne. Der Herner Matthias Seelig hatte das Drehbuch mit viel Lokalkolorit geschrieben.

1983
Mit dem ersten Preis für Gesang beim NRW-Landeswettbewerb "Jugend jazzt" legte Silvia Droste im Alter von 23 Jahren den Grundstein für ihre musikalische Karriere. Die gebürtige Hernerin spielte in den nächsten Jahren mit den renommiertesten Big Bands und Rundfunkorchestern, moderierte die Fernsehsendung "ZDF-Jazzclub", spielte CDs ein und sang bei internationalen Festivals.

"Immer wieder aufsteh'n...", sangen die "kreisfreien Rocker" von "Herne 3". 1983 landeten sie mit ihrer ersten Single gleich einen Hit. Über Nacht wurden die fünf Musiker weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt.

1984
4. August 1984: Claudia Losch gewann bei den Olympischen Spielen in Los Angeles Gold. Die Sportlerin stieß die 4 Kilogramm schwere Kugel genau einen Zentimeter weiter als die Rumänin Mihaela Loghin. Auch sonst hatte die Wanne-Eickelerin alles erreicht, was eine Sportlerin erreichen konnte: Von 1982 an wurde sie zehnmal ununterbrochen Deutsche Meisterin.

Der Rat wählte Willi Pohlmann im Oktober 1984 zum ersten Mal in dieses Amt und schenkte ihm 1989 erneut das Vertrauen. Der Ex-Feuerwehrchef war von 1970 bis 1990 auch Landtagsabgeordneter, 1975 wählte ihn die SPD-Landtagsfraktion zum innenpolitischen Sprecher. Als Oberbürgermeister baute Willi Pohlmann die internationalen Beziehungen der Stadt Herne aus: Er brachte drei neue Städtepartnerschaften auf den Weg, während seiner Amtszeit legte die Kommune viel Gewicht auf den Strukturwandel nach der Bergbauperiode: Bergarbeitersiedlungen wurden renoviert und restauriert und neue Industrie- und Gewerbegebiete auf Zechenbrachen erschlossen. Auf Pohlmanns Initiative gründete sich 1992 das Herner Kinder- und Jugendparlament, das anderen Städten später als Vorbild zur Nachahmung diente.

1986
Im Oktober hielten Kunst, Theater, Musik und Sport Einzug in die Flottmann-Hallen, einer ehemaligen Bohrhämmerfabrik.

1987
15. Juli 1987: Der neue Oberstadtdirektor Hernes hieß Dr. Roland Kirchhof. Er übernahm das Amt von Dr. Karl Raddatz. Der in Breslau geborene Jurist war der letzte Oberstadtdirektor Hernes. Nach seiner Amtsperiode wurde im Juli 1995 die Doppelspitze aus Oberbürgermeister und Oberstadtdirektor abgeschafft.

1988
Die Emscher-Region feierte den Startschuss für die IBA, die Internationale Bauausstellung Emscher Park. Die Werkstatt für die Zukunft alter Industriegebiete unterstützte in Herne einige Dutzend Projekte - die Modernisierung der Zechensiedlung Teutoburgia, den Erhalt von Industrieanlagen als Denkmäler, die Renaturierung von Kohlenhalden und die Begrünung ehemaliger Industriegebiete.

1989
2. September 1989: Herne hatte endlich eine U-Bahn. Tausende kamen zum Geburtstag und pendelten zum Null-Tarif mit der U 35 zwischen Bochum Hauptbahnhof und der Haltestelle Schloss Strünkede. Um 10.22 Uhr stellte Loki Schmidt, Frau von Ex-Kanzler Helmut Schmidt, den Steuerknüppel auf "volle Fahrt". Rund 800 Millionen Mark hatten Bund, Land, Bochum und Herne investiert.