Die Zeit von 1990 bis heute


1990
Im August wird die 555. Cranger Kirmes eröffnet. Die Schnapszahl ist zwar historisch nicht verbrieft, das tat der guten Laune aber keinen Abbruch.

Anfang September 1990 ging das Lokalradio "Herne 90acht" auf Sendung. Ein sympathisches Programm mit viel Musik, Hörfunk-Unterhaltung mit bunten Reportagen, lockerer Moderation und Grußsendungen.

31. Oktober 1990: Nur wenige Wochen nach der Wiedervereinigung unterschrieben die Vertreter Hernes und Eislebens den Vertrag zu einer Städtepartnerschaft. Herne hatte sich schon lange vor der politischen Wende in der ehemaligen DDR um partnerschaftliche Beziehungen zur Lutherstadt bemüht.

1991
Anfang Mai weihte Verkehrsminister Kniola an der Sodinger Straße die erste von zunächst 34 Tempo-30-Zonen ein. Herne gehörte zu den ersten Städten in Nordrhein-Westfalen, die sich zu einer umfassenden Verkehrsberuhigung entschlossen hatten. Alle Grundschulen und Kindergärten der Stadt grenzen an Tempo-30-Straßen.

Herne hatte neue Freunde in Polen, Russland und im Nicaraguasee. Am 8. Oktober 1991 unterzeichneten der Vorsitzende des Stadtrats von Konin, Kerzy Jarzynski, und Oberbürgermeister Willi Pohlmann einen Freundschaftsvertrag. Die 81.000 Einwohner zählende Stadt Konin unterhielt bereits seit langem freundschaftliche Beziehungen zu Hernes französischer Partnerstadt Hénin-Beaumont. Bereits am 19. Februar 1990 hatten die russische Stadt Belgorod und Herne ihre Partnerschaft besiegelt. Das war die erste Partnerschaft Hernes mit einer Kommune in Osteuropa. Belgorod liegt am Oberlauf des Donez, rund 695 Kilometer von Moskau entfernt. Seit dem 24. Mai 1988 ist auch die Insel Ometepe Partnerstadt Hernes. Der 1986 gegründete Verein "Hermanidad - Städtepartnerschaft Ometepe-Herne" hatte schon vor 1986 gute Kontakte zur Insel im Nicaraguasee geknüpft.

1992
Im Mai 1992 besuchte eine Gruppe ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger ihre frühere Heimatstadt Herne. Die rund 30 Gäste waren nach mehr als einem halben Jahrhundert zum ersten Mal wieder in ihrer Geburtsstadt. Die Wunden, die durch deutsches Unrecht entstanden sind, sitzen tief. Dennoch wurde das Wiedersehen ein Erfolg. Deshalb fand im September 1994 ein zweiter Besuch statt.

1. Oktober 1992: Die Unternehmensgruppe Heitkamp feierte ihren 100. Geburtstag. Heitkamp, eines der größten Familienunternehmen in Deutschland, hatte 1991 einen Gesamtumsatz von 1,7 Milliarden Mark gemacht und rund 9.000 Mitarbeiter beschäftigt. Heute noch ist der Firmensitz genau dort zu finden, wo Engelbert Scharpwinkel, genannt Heitkamp, sein Unternehmen 1892 mit vier Mitarbeitern gegründet hat. Die Unternehmensbereiche Bau, Bergbau, Umwelttechnik und Handel haben bei dem Wanne-Eickeler Unternehmen eine lange Tradition.

Blaupunkt schloss Ende 1992 endgültig sein Werk in Herne. Der Grund: Produktionsverlagerungen in Billiglohnländer.

4. November 1992: Herner Schüler hatten zum ersten Mal die Gelegenheit, Politik und Verwaltung offiziell die Meinung zu sagen. In der ersten Sitzung des Kinder- und Jugendparlaments bekamen die Großen dann auch einiges zu hören. Getrennte Müllsammlungen wünschten sich die Kinder und mehr "Berliner Kissen" gegen Raser. Sie wiesen auf Zigarettenkippen und Scherben in Sandkästen hin, auf defekte Ampeln und das Problem Ausländerfeindlichkeit. Initiator Willi Pohlmann hörte aufmerksam zu und versprach, sich für die Belange der Kinder stark zu machen.

1995
Wolfgang Becker wurde nach Abschaffung der Doppelspitze erster hauptamtlicher Oberbürgermeister Hernes. Bereits am 3. November 1994 hatte er das Oberbürgermeisteramt von Willi Pohlmann übernommen. Der gebürtige Wanne-Eickeler Wolfgang Becker hat Germanistik und evangelische Theologie studiert. 1964 wurde er Lehrer und später Leiter der Realschule Crange. Seit 1984 ist Wolfgang Becker Ratsmitglied. 1988 wechselte der Wanne-Eickeler als Schulleiter zur Realschule Strünkede. Ein Jahr später wurde er SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat.

1997
7. Februar 1997: Mit der Eröffnung einer Gaststätte war der Umbau des Sud- und Treberhauses der ehemaligen Hülsmann-Brauerei abgeschlossen. Nach zweieinhalb Jahren tat sich wieder etwas am Eickeler Markt. Die Stadt Herne zog in das denkmalgeschützte Gebäude ein. Ein großer Bürgersaal für rund 190 Personen, der soziale Dienst des Jugendamts, eine Zweigbücherei und Mitarbeiter des Bürger- und Einwohneramts fanden in der einstigen Brauerei ein neues Domizil. Bereits 1990 hatte die Stadt Herne das Hülsmann-Brauhaus einschließlich der zwei mächtigen Kupferkessel für zwei Millionen Mark erworben. Der Umbau hat weitere 8,85 Millionen Mark gekostet. Den Löwenanteil übernahm mit 6,28 Millionen Mark die Internationale Bauausstellung Emscher Park (IBA).

1997 heißt es "100 Jahre Stadt Herne". Zum 1. April 1897 hat die königliche, preußische Regierung dem Amt Herne die Stadtrechte verliehen. Grund genug für die Herner, das Jahr festlich zu begehen. Das ganze Jahr steht im Zeichen des Jubiläums, das die vielen Facetten und Gesichter der Stadt widerspiegelt, ihre Traditionen, ihr reiches kulturelles und künstlerisches Potential, ihr reges sportliches Leben, Brauchtumspflege und Avantgarde.

Ende 1997 betrat die Stadt Herne das Internet.

2000
31. August 2000: Bis zum 3. September findet auf dem Cranger Kirmesplatz der 9. Deutsche Bergmanns-, Hütten- und Knappentag statt. Die Bergleute pflegen ihr Brauchtum mit dem Großen Zapfenstreich, einer Bergparade und einer Ausstellung unter dem Motto "Wurzeln, Wandel, Innovationen".

2002
29. November 2002: Nach zweijähriger Aus- und Umbauzeit feierte die Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 mit einem ansprechenden Kulturprogramm strahlende Eröffnung des neuen Begegnungszentrums an der Alleestraße 50. Helmut Bettenhausen hatte bereits 1964 als erster Herner Künstler sein Atelier in der Zeche eingerichtet. Die "neue" Künstlerzeche bietet nun elf Künstlern Platz für ihr Schaffen - und zudem viel Fläche für Ausstellungen. Das 1,3 Millionen Euro teure Projekt stemmte die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Förderverein der Zeche und dem Land NRW.

2003
28. März 2003: Der Landesverband Westfalen-Lippe eröffnete das Westfälische Museum für Archäologie im urbanen Zentrum der Stadt zwischen Kreuzkirche und Kulturzentrum. Mit dem Neubau aus dunklem Ziegelstein und verglasten Sheddächern aus lauter kleinen Giebeln, die ein wenig an das Gebiss eines Sauriers erinnern, erhielt die Stadt ein Prunkstück - und das modernste Museum seiner Art. Das Land NRW und der LWL investierten 28,1 Millionen Euro.

2004
28. Januar 2004: Da ging er auf, der Vorhang zum ersten, echten und bislang einzigen Volkstheater des Ruhrgebiets: der Mondpalast von Wanne-Eickel. Das Premierenstück "Ronaldo & Julia" - geschrieben von Sigi Domke - eroberte sofort alle Herzen, nicht nur die der Wanne-Eickeler. Hinter der Jugendstilfassade des einstigen Städtischen Saalbaus erwartet die Besucher von Nah und Fern seitdem Ruhrkomik in Reinkultur, Volkstheater mit Niveau.

10. Oktober 2004: Horst Schiereck wurde in der Oberbürgermeister-Stichwahl mit 63,2 Prozent zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Herne gewählt. Der 56-jährige Vater von zwei Kindern löste Wolfgang Becker ab und war zuvor als Lehrer und Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion tätig.

27. Oktober 2004: Herne hat endlich wieder ein Kino! Mit der "Filmwelt Herne" gewann die Stadt ein wichtiges Stück Lebensqualität zurück. Zur Kinopremiere mit rotem Teppich (über den übrigens auch Joachim Kròl schritt), Champagner und Currywurst standen zwei Filme zur Auswahl: Ottos "Sieben Zwerge" und der Richard-Gere-Streifen "Darf ich bitten?". Aber gerne...

Ende 2004: Die Umgestaltung des Boulevard Bahnhofstraße kann mit dem Umbau des Zentralen Busbahnhofs am Konrad-Adenauer-Platz endgültig als abgeschlossen bezeichnet werden.

2005
Im Juli erlebt Röhlinghausen eine große Evakuierung. 11.000 Menschen müssen eines Morgens ihre Wohnungen verlassen, weil eine 1.400 Kilogramm schwere Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft wird.

Das BÜRGERlokal Wanne öffnet im Oktober als Anlaufstelle für die Hernerinnen und Herner seine Pforten.

Jubiläum für die Tage Ater Musik: Zum 30. Mal findet das angesehene Festival im November statt.

2007
16. Dezember 2007: Die jüdische Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen hat eine neue Synagoge. Das Gotteshaus steht an der Castroper Straße in Bochum. In der Pogromnacht 1938 waren die Synagogen in Herne und Wanne-Eickel zerstört worden.

2008
15. Januar 2008: Schock zum Jahresbeginn. Der finnische Mobiltelefonhersteller Nokia gibt bekannt, sein Werk in Bochum zu schließen. Die Fabrik liegt an der Stadtgrenze zu Herne. Alle Proteste helfen nichts. Mitte 2008 schließt die Produktionsstätte mit 2.300 Beschäftigten. Viele Menschen aus Herne verlieren ihre Arbeit.

10. August 2008: Die Cranger Kirmes meldet einen Besucherrekord. 4,7 Millionen Besucher sind zum 573. Rummel auf den Festplatz am Rhein-Herne-Kanal gekommen.

6. und 7. Oktober 2008: Herne hat hohen Besuch. Bundespräsident Horst Köhler weilt in der Stadt. Er besucht unter anderem die Akademie Mont-Cenis und sucht das Gespräch mit den Menschen.

26. Oktober 2008: Das letzte Teilstück des Radwegs auf der Erzbahntrasse, die im Westen der Stadt verläuft, wird freigegeben. Damit besteht eine direkte Verbindung für Radler vom Rhein-Herne-Kanal zur Jahrhunderthalle in Bochum.

2009
27. Februar 2009: Das letzte klassische Kaufhaus in Herne schließt. Bei Hertie am Robert-Brauner-Platz gehen die Lichter aus.

30. August 2009: Bei der Kommunalwahl wird Oberbürgermeister Horst Schiereck im Amt bestätigt.

2010
Herne ist mit 52 anderen Städten des Ruhrgebiets ein Jahr lang Teil der Kulturhauptstadt Europas, der RUHR.2010.

29. Januar 2010: Auf dem Willi-Pohlmann-Platz im Herzen der Stadt wird das Mahnmal für die Opfer der Shoah aus Herne und Wanne-Eickel eingeweiht.

27. März 2010: AufRuhr!1225 heißt es im LWL-Museum für Archäologie. Die Ausstellung entführt ins Mittelalter und unterstreicht die Bedeutung des Ruhrgebiets lange bevor Kohle und Stahl kamen.

6. August 2010: Gemeinsam mit Oberbürgermeister Horst Schiereck eröffnet NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft die 575. Auflage der Cranger Kirmes.

2011
Am 21. Januar übergibt NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens den Schlüssel für die fertig gestellte forensische Klinik an der Wilhelmstraße. Jahrelang hatte es Streit darüber gegeben, ob der Standort für eine Therapieeinrichtung für gefährliche Straftäter genutzt werden solle. Die Stadt hatte sich dagegen ausgesprochen.

In der Nacht zum 10. November zerstört ein Großbrand das beliebte städtische Familien- und Freizeitbad "Wananas". Personen kommen zum Glück nicht zu schaden, vom Bad bleiben jedoch nur Trümmer übrig.