Die Zeit von 774 bis 1899


Um 774
In einer Schrift auf Baumrinde aus dem Jahre 774 ist von einer Burg Eclo (Eichenwald) die Rede, zu jener Zeit soll dort, wo heute Eickel liegt, der mächtige Tabo geherrscht und auch über die Gegend des heutigen Gelsenkirchen verfügt haben.

Um 880/884
Der Name "haranni" ( von "har" bzw. "hare" = "Anhöhensiedlung" ) tauchte zum ersten Mal in seiner Frühform im Heberegister ( Urbar A ) der Benedektinerabtei Werden an der Ruhr auf. 30 Jahre später fand der Name "Holthuson" ( Holthausen ) darin seine erste Erwähnung.

1085
Eine Urkunde berichtet über den Ankauf des Oberhofes Eickel ( "Eycklo": "eck" = Eiche, "loh" = Wald; somit war Eickel eine Siedlung im Eichenwald )

1142
Die Ritter von Strünkede ließen sich im Gebiet der späteren Stadt Herne nieder. Das Adelsgeschlecht bestimmte über Jahrhunderte das Leben in der Region. Das heutige Schloss Strünkede stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

1150
Im Urbar E der Abtei Werden an der Ruhr wurde ein "Wicbertus in Eclo" ( Eickel ) genannt.

Um 1150
Das altdeutsche "haranni" wurde zum mittelhochdeutschen "hernen"; Sodingen hieß im Urbar E noch "Sothinkge".

1217
Erwähnung eines Rötger zu Giesenberge

1220
In der kleinen, älteren Vogteirolle des Stiftes Essen aus der Zeit vor 1220 stand erstmals der Name Bickern: Byckeren, Bickeren kommt wahrscheinlich von Bach, "bek" oder "bik", der karolingischen Bezeichnung für Bachläufe. Das ursprüngliche Bickern lag dort, wo drei Flüsse nahe beieinander flossen: der Dorneburger-, der Hüller- und der Baumbach.
Holsterhausen hieß "Holtzeterhusen", Röhlinghausen "Rodelinchusen, Rodilinchusen", Wanne "Wande" ( vermutlich ), und alle waren den Oberhöfen "Ekelo" (Eickel) und "Hurle" (Hordel) abgabepflichtig. "Horsthusen" ( Horsthausen ) war Hof des Oberhofes Suderwich.

1263
Gerlach von Strünkede, Ritter zu Herne, unterstellte sich dem Grafen von Kleve

1266
Beurkundungen über Bertold von Börsinghausen sowie Heinrich und Walter von Börnig ( "Bornewic" ); andere Dokumente bewahren Namen wie Adam von Sodingen, Bernhard von Düngelen zur Schadeburg, Rykard von Alstede.

1272
Fertigstellung der Schlosskapelle Strünkede.

1368
Herne gehörte zur Grafschaft Mark, kommt nun zum Herzogtum Cleve-Mark.

1369
Erste belegbare Erwähnung der "Emscherbrücher Dickköppe"

1378
Ein "Gut zu Boko(u)we" ( das heutige Baukau ) war Mannlehen eines Junkers Diderich van Limborch.

10. August 1441
Derick van Eykel, Droste des Amtes Bochum, wurde am Laurentiustag durch Herzog Adolph von Cleve und Graf von der Mark mit Haus "geheiten ten Krangh" belehnt. ( Crange = Reihendorf im "Krang, Krangh" ( = Kring = Ring ))

1486
Im Schatzbuch der Grafschaft Mark wurden in "Boickauwe" ( Baukau ) Gerwyn, Henrick und Derick to Boickau erwähnt.

1614
Das Herzogtum kam an Brandenburg (Preußen).

1634
Der schwedische Oberst Wendt plünderte Herne.

1664
Fertigstellung des Wasserschlosses Strünkede

1806 - 1815
Herne unterstand dem napoleonischen Herzogtum Berg.

1815
Herne fiel nach dem Wiener Kongress an Preußen zurück, Eingliederung in den Regierungsbezirk Arnsberg der neu geschaffenen Provinz Westfalen als Bürgermeisterei im Kreis Bochum.

1844
Amt Herne mit elf Gemeinden: Herne, Baukau, Horsthausen, Pöppinghausen, Bladenhorst, Hiltrop, Bickern, Crange, Eickel, Holsterhausen und Röhlinghausen

1847
Im Zuge des Ausbaus der Köln-Mindener-Eisenbahnstrecke erhielt Herne einen Bahnhof (Bahnhof Herne/Bochum).

1857
Auf dem Hof des Bauern Sengenhoff begannen die Abteufarbeiten für den ersten Schacht der Zeche Shamrock. Die Entwicklung Hernes zur Bergbaustadt wurde eingeläutet.

1860
Die Zeche Shamrock begann als erste mit der Kohleförderung. Nach Shamrock entstand mit "Königsgrube" die zweite Zeche. Ein gutes Dutzend weitere folgten.

1869
Die Firma Halstrick begann mit dem Bau von Koks- und Grubenwagen.

1871
Ewald Berninghaus begann mit der Produktion von Dampfkesseln.

1874
Die Anfänge des Bergbaus waren zunächst eine irisch-belgisch-französische Angelegenheit. Erst 1874 wurde die erste rein deutsche Zeche in Betrieb genommen: Sie wurde nach dem Preußenkönig Friedrich der Große benannt. Sie war ein Musterbeispiel für die rasante Entwicklung im Bergbau.

1875
1.8.1875: Aus dem bisherigen Amt Herne wurden das Amt Herne (mit Herne, Baukau, Horsthausen, Pöppinghausen, Bladenhorst und Hiltrop) und das Amt Wanne (mit Bickern, Crange, Eickel, Holsterhausen und Röhlinghausen), die beide zum Kreis Bochum gehörten.

1885
1.7.1885: Das Amt Herne verblieb im Kreis Bochum, das Amt Wanne kam in den neugebildeten Kreis Gelsenkirchen.

1888
Die Maschinenfabrik Beien ließ sich in Herne nieder.

1891
1.11.1891: Das Amt Wanne wurde in Amt Eickel (mit den Gemeinden Holsterhausen und Eickel) und Amt Wanne (mit den Gemeinden Bickern, Crange und Röhlinghausen) geteilt.

1897
1.4.1897: Die "königliche Regierung" zu Arnsberg verlieh Herne das Stadtrecht. Die Aufwertung trug dem schnellen Wachstum der Gemeinde Rechnung. Herne wuchs von einem 1000-Seelen-Dorf im Jahr 1847 zu einer Stadt mit 20.000 Einwohnern im Jahr 1890 an. Hermann Schaefer wurde am 1. April 1897 der erste Bürgermeister der neuen Stadt.

Das Amt Herne wurde in Stadt Herne und Amt Baukau (mit den Gemeinden Baukau, Horsthausen, Pöppinghausen, Bladenhorst und Hiltrop) geteilt.

1899
23.6.1899: 69 jugendliche Schlepper, Bremser und Pferdejungen traten auf der Zeche Von der Heydt in den Ausstand. Sie protestierten gegen die Erhöhung ihrer Knappschaftsbeiträge. Der Streik breitete sich auf die anderen Zechen aus. Das Militär brauchte über eine Woche, um die Unruhen der überwiegend polnischen Arbeiter zu beenden. Fazit: Zwei Menschen starben, zwölf wurden verletzt, 190 standen auf der Straße. Die Ausschreitungen gehen als "Herner Krawalle" in die Stadtgeschichte ein.