CO2-Bilanz der Stadt Herne

Die vom Programm ecoRegion für die Stadt Herne bilanzierten Gesamtmengen an CO2 differenziert nach den Energieträgern für die Jahre 1990 bis 2010. Die maßgeblichen Daten für das Jahr 2010 (beste Datengrundlage) sind in Tabelle 2 aufgeführt.

Zusammenfassung

Die Stadt Herne hat mit dem vom Land Nordrhein-Westfalen zur Verfügung gestellten Programm ecoRegion eine CO2-Bilanz erstellt. Die Bilanz beruht auf Einwohner- und Beschäftigtenzahlen sowie Daten zum Energieverbrauch und Verkehrsaufkommen in Herne. Für das Jahr 2010 ergibt sich für Herne eine Gesamtemission von 1,05 Millionen Tonnen CO2. Dies entspricht 6,4 Tonnen pro Einwohner.
Die maßgeblichen CO2-Emissionen lassen sich nach den Energieträgern anteilsmäßig in drei Bereiche gruppieren: Aus der Wärmeerzeugung stammen 37,3 Prozent der Emissionen, auf den Sektor Verkehr gehen 33,2 Prozent zurück, der Stromverbrauch trägt mit 29,4 Prozent bei.
Der Anteil der kommunalen Verwaltung liegt bei nur insgesamt 2,8 Prozent der Gesamtemissionen. Die Hauptverursacher sind die Sektoren Wirtschaft, Verkehr und private Haushalte, auf die näherungsweise jeweils ein Drittel der Emissionen entfällt.

Warum eine CO2-Bilanz?

Die Klimaforschung hat für die Schwankungen des globalen Klimas in den letzten 500 Millionen Jahren der Erdgeschichte eine deutliche Abhängigkeit der globalen Temperatur vom CO2-Gehalt in der Lufthülle der Erde nachgewiesen. Diese Abhängigkeit wird mit dem sogenannten Treibhauseffekt erklärt. Demnach sind Gase wie CO2, aber auch Methan oder Lachgas, weitaus effektiver darin, eine Wärmeabstrahlung der Erde in den Weltraum zu verhindern als die vorherrschenden Bestandteile der Atmosphäre: Stickstoff und Sauerstoff. Bereits geringe Veränderungen des Anteils der klimaaktiven Gase an der Atmosphäre können beträchtliche Auswirkungen auf die globale Temperatur und das Klima haben.

Seit Beginn der Industrialisierung werden bei der Verbrennung fossiler Energieträger erhebliche Mengen an Kohlendioxid freigesetzt, das sich in der Lufthülle der Erde anreichert. Man geht davon aus, dass diese Emissionen in einer, erdgeschichtlich betrachtet, sehr kurzen Zeitspanne zu einer globalen Erwärmung führen werden, die eine starke Veränderung der Lebensbedingungen auf der Erde auslösen wird. Eine Anpassung an die veränderten Bedingungen wird einen erheblichen Aufwand bedeuten, wohingegen eine Vermeidung der Erwärmung durch gezielte Reduktion der Emissionen als das kleinere Übel betrachtet werden kann.

Um die Emissionen der Treibhausgase effektiv verringern zu können, müssen zunächst Ansatzpunkte gefunden werden, an denen Maßnahmen umgesetzt werden können. Anhand einer CO2-Bilanz können diese Ansatzpunkte gefunden und, durch Fortschreibung der Bilanz in den folgenden Jahren, der Erfolg ergriffener Maßnahmen überprüft werden.

Ausgangslage

Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen hat den Kommunen Hilfestellung bei der CO2-Bilanzierung angeboten. Es hat eine Landeslizenz für das CO2-Bilanzierungsprogramm ECO-Region erworben und den Gemeinden kostenfrei zur Verfügung gestellt. Durch die Verwendung eines einheitlichen Programms werden die Bilanzen der Kommunen untereinander vergleichbar. Die Stadt Herne, Fachbereich Umwelt, hat mit Hilfe dieses Instrumentes die jetzt vorliegende CO2-Bilanz erstellt.

Das Programm bilanziert die Energieverbräuche privater Haushalte, der Wirtschaft, des Verkehrs und der öffentlichen Verwaltung in Herne. Die Bilanzierung erfolgt wahlweise nach dem Verursacher- oder Territorialprinzip. Das Ergebnis kann als Energie oder in emmitierten CO2-Äqivalenten jeweils für die gesamte Kommune oder pro Einwohner dargestellt werden. Differenziertere Auswertungen, zum Beispiel nach Energieträgern oder Verbrauchern, sind möglich.

In der vorliegenden Programmversion wird allerdings nur der Einfluß des Kohlendioxids bilanziert, andere klimaaktive Gase werden nicht berücksichtigt. Die Bilanzierung erfolgt für die Gesamtstadt. Eine Einzelbilanzierung von Großunternehmen (abgesehen von der kommunalen Verwaltung) ist nicht möglich. Simulationen verschiedener Szenarien sind nicht möglich. Diese Eigenschaften sind in anderen, kostenpflichtigen Versionen von ecoRegion enthalten.

Datenerhebung

Das Programm ecoRegion erstellt zunächst auf Basis der Einwohner- und Beschäftigtenzahlen eine sogenannte Startbilanz. ecoRegion deckt momentan den Zeitraum von 1990 bis 2010 ab, für den diese Daten auch verfügbar sind. Nach Eingabe errechnet das Programm theoretische Energieverbräuche auf Basis von Bundesdurchschnittswerten und generiert daraus die Startbilanz. Diese kann den realistischen CO2-Ausstoß der Stadt Herne jedoch nicht abbilden. Sie stellt eine erste, grobe Näherung dar. Später jedoch kann ein Vergleich mit der Startbilanz offenbaren, in welchen Bereichen Abweichungen von einer "Durchschnittskommune" vorliegen. Anhand des Vergleichs können Stärken und Schwächen identifiziert werden.

Die Startbilanz wurde durch Eingabe vorliegender, lokaler Daten einer Endbilanz angenähert, die den wahren Herner Gegebenheiten näher kommt. Die bislang für die Stadt Herne erhobenen Daten sind in Tabelle 1 aufgeführt. Wie ersichtlich ist, sind lokale Daten aus der Vergangenheit, sofern überhaupt, meist nur für einen Zeitraum von wenigen Jahren verfügbar. Die Aussagekraft der Bilanzen zu den lokalen Herner Verhältnissen nimmt deshalb mit der zeitlichen Entfernung vom Bezugsjahr 2010 ab.

Tabelle 1: Für die CO2-Bilanz bislang erhobene lokale Daten für Herne
Inhalt Zeitraum Quelle
Einwohnerzahlen 1990 bis 2010 Landesdatenbank NRW
Beschäftigtenzahlen 1990 bis 2010 Energieagentur NRW
Gas 2008 bis 2010 Stadtwerke Herne AG
Elektrizität 2006 bis 2010 Stadtwerke Herne AG
Fernwärme 2005 bis 2010 EON
Heizöl, Steinkohle, Holz 2010 Schornsteinfeger
Energieverbrauch kommunale Verwaltung 2004 bis 2010 GMH
zugelassene Fahrzeuge 1991 bis 2010 Kraftfahrt-Bundesamt
kommulale Flotte 2006 bis 2010 entsorgung herne
Straßenbeleuchtung 2005 bis 2010 Fachbereich Tiefbau und Verkehr

Damit dass Programm differenzierte Aussagen machen kann, zum Beispiel, wie sich Energievebräuche in verschiedenen Bereichen der Wirtschaft entwickeln, müßten die lokalen Daten auch in dieser Differenzierung vorliegen. Das ist leider meist nicht der Fall. In diesen Fällen muß auf plausible Näherungen oder die vom Programm angebotene Füllung der "Lücken" mit Bundesdurchschnittswerten zurückgegriffen werden. Die Aussagekraft der CO2-Bilanz muß deshalb immer vor diesem Hintergrund hinterfragt werden.

Bei der Fortschreibung der Bilanz in den nächsten Jahren wird sich die Qualität der Datenlage voraussichtlich verbessern. Die grundlegenden Quellen für die Daten sind nun bekannt. In Zukunft werden diese die Daten möglicherweise besser strukturiert liefern können. Weitere Datenquellen müssen noch erschlossen werden (hier insbesondere bezüglich Fahrleistungen). Lücken in den Daten aus vergangenen sollten geschlossen werden, so dass verlässlichere Aussagen über die zeitliche Entwicklung der Emissionen möglich werden. Darüber hinaus hat das Land NRW inzwischen die Energieagentur NRW zur Unterstützung der Kommunen damit beauftragt, eine zentrale Bereitstellung der notwendigen Daten zu gewährleisten.

Auswertung

Die Berechnung der CO2-Emissionen erfolgt hier nach dem Verursacherprinzip. Dabei werden alle CO2-Emissionen mitbilanziert, die durch Handeln der Herner Akteure verursacht wurden, auch wenn die Emissionen nicht auf Herner Stadtgebiet stattfinden. Komplemetär dazu wäre eine Anwendung des Territorialprinzips, das nur lokale CO2-Emissionen berücksichtigt. Anschaulich wird der Unterschied zum Beispiel bei den verbrauchten Strommengen, die aus fossilen Energieträgern erzeugt werden: Bei Anwendung des Verursacherprinzips werden die Emissionen voll mitbilanziert, bei Anwendung des Territorialprinzips nur, wenn sich das erzeugende Kraftwerk auf Herner Stadtgebiet befände.

Bei den lokalen Daten zu Energiemengen, die zur Wärmeerzeugung eingesetzt wurden (wie Erdgas, Fernwärme, Heizöl), wurde eine Witterungskorrektur durchgeführt.

  • Die vom Programm ecoRegion für die Stadt Herne bilanzierten Gesamtmengen an CO2 differenziert nach den Energieträgern für die Jahre 1990 bis 2010. Die maßgeblichen Daten für das Jahr 2010 (beste Datengrundlage) sind in Tabelle 2 aufgeführt.
    CO2-Bilanz der Stadt Herne: Gesamtmenge

Die Grafik zeigt die vom Programm ecoRegion für die Stadt Herne bilanzierten Gesamtmengen an CO2 differenziert nach den Energieträgern für die Jahre 1990 bis 2010. Dies ist die momentan vorliegende Endbilanz. Es sind Sprünge im zeitlichen Verlauf bei den einzelnen Energieträgern erkennbar, zum Beispiel für Strom (gelb) von 2005 nach 2006 oder für Heizöl (schwarz, unten) von 2009 nach 2010. Die Sprünge kennzeichnen den Zeitpunkt, ab die Bundesdurchschnittswerte durch lokale Daten ersetzt werden konnten. Da momentan die lokale Datendichte für das Jahr 2010 deutlich besser ist als für die vorhergehenden Jahre, werden im folgendem nur die Ergebnisse für dieses Jahr vorgestellt.

Für 2010 weist die Grafik eine Gesamtemission von 1,05 Millionen Tonnen CO2 für die Stadt Herne aus.

Um eine Vergleichbarkeit zwischen den Ergebnissen verschiedener Kommunen herstellen zu können, ist eine Angabe der CO2-Emission pro Einwohner und Jahr üblich. Diese lag im Jahre 2010 bei 6,4 Tonnen pro Einwohner. Dieser Wert unterschreitet deutlich den Bundesdurchschnittswert von circa 11 Tonnen CO2. In Internet finden sich andere Vegleichswerte von Kommunen aus Deutschland, die sich zwischen 6,1 (Berlin 2008) und 12,4 (Worms 2008) bewegen. In den USA und Australien liegen die Durchschnittswerte bei ungefähr 20, in Entwicklungsländern in der Regel unter 2 (jeweils Tonnen pro Einwohner und Jahr).

  • Die Startbilanz im Vergleich mit der vorläufigen Endbilanz
    Vergleich Startbilanz - Endbilanz in Tonnen CO2 pro Einwohner und Jahr

Eine Erklärung für den "klimafreundlichen" Wert der Herner Emissionen bietet der Vergleich von Start- und Endbilanz an. Auf der rechten Seite ist die Endbilanz in der Darstellung Tonnen pro Einwohner und Jahr dargestellt. Auf der linken Seite ist ihr die Startbilanz gegenüber gestellt, die bei den Verbräuchen auf Bundesdurchschnittswerten beruht. Vergleicht man hier das Jahr 2010 in beiden Darstellungen, so fällt auf, dass in Herne weniger Strom, Heizöl und Kohle im Vergleich zum Bundesdurchschnitt verbraucht wird. Dafür ist der Anteil an Erdgas und Fernwärme am Energieverbrauch deutlich erhöht. Der Trend ist für Strom auch über die letzten fünf Jahre sichbar, für Erdgas über die letzten drei Jahre. Wie oben beschrieben ist das der Zeitraum, für den für den Energieträger lokale Daten vorliegen.

Tabelle 2: Bilanzierte Energieverbräuche und CO2-Emmissionen im Jahr 2010 für Herne
Energieträger Energieverbrauch in GWh CO2-Emission in Tonnen pro Einwohner
Erdgas 1529,425 1,807
Strom 1495,266 1,883
Benzin 732,272 1,067
Diesel 521,433 0,769
Fernwärme 297,137 0,337
Kerosin 193,414 0,285
Heizöl EL 148,946 0,241
Biogase 11,05 0,001
Abfall 10,191 0,012
Sonnenkollektoren 9,58 0,001
Umweltwärme 2,924 0,004
Holz 2,311 0,000
Flüssiggas 1,339 0,002
Steinkohle 0,799 0,001
Pflanzenöl 0,129 0,000
Summe 4956,214 6,411

Tabelle 2 zeigt die bilanzierten Gesamt-Energieverbräuche für das Jahr 2010 aufgeschlüsselt nach Energieträger und die daraus resultierenden CO2-Emissionen pro Einwohner. Die CO2-Emissionen sind in fer folgenden Grafik für die ersten sieben (maßgeblichen) Energieträger anteilsmäßig dargestellt.

  • Die vom Programm ecoRegion für die Stadt Herne bilanzierten Gesamtmengen an CO2 differenziert nach den Energieträgern für die Jahre 1990 bis 2010. Die maßgeblichen Daten für das Jahr 2010 (beste Datengrundlage) sind in Tabelle 2 aufgeführt.
    CO2-Emissionsquellen

Sie lassen sich in drei Bereiche gruppieren: Aus der Wärmeerzeugung stammen demnach 37,3 Prozent der Emissionen (Summe aus Erdgas, Fernwärme und Heizöl), auf den Sektor Verkehr gehen 33,2 Prozent (Summe aus Benzin, Diesel und Kerosin) zurück, der Stromverbrauch trägt mit 29,4 Prozent bei. Alle anderen Energieträger, die in der Grafik nicht dargestellt sind, tragen in der Summe nur mit den fehlenden 0,1 Prozent zur CO2-Emission bei.

Tabelle 3: CO2-Emmissionen nach Herkunftsbereichen in Tonnen im Jahr 2010 für Herne
Herkunftsbereich CO2-Emission in Tonnen
Wirtschaft 380278,69
Verkehr 361263,36
Haushalte 284895,76
Kommunale Gebäude 27989,34
Kommunale Flotte 1783,79
Summe 1056210,94

Eine weitere Dreiteilung findet man bei der Auswertung der CO2-Emissionen nach ihren Herkunftsbereichen. Tabelle 3 zeigt die Beträge der Sektoren Wirtschaft, Verkehr und private Haushalte. Zusätzlich sind die Beiträge der kommunalen Gebäude und des Fahrzeugparks ausgewiesen.

  • Die Emissionen aufgeschlüsselt nach Verursachern in einem Kreisdiagramm: Der Sektor Wirtschaft trägt zu 36 Prozent bei, der Verkehr zu 34,2 Prozent und die Haushalte zu 27 Prozent. Auf kommunale Gebäude entfallen 3,6 Prozent, auf die kommunale Flotte 0,2 Prozent.
    CO2-Emission 2010 nach Verursachern in Prozent

Die Grafik zeigt anhand der prozentualen Verteilung, dass der kommunale Anteil bei nur insgesamt 2,8 Prozent liegt, während auf die anderen Sektoren in erster Näherung jeweils ein Drittel der Gesamtemissionen entfällt.