Jüdische Gräber

Der besondere Wert jüdischer Friedhöfe unter religiösen, kulturellen und heimatgeschichtlichen Aspekten

Der Friedhof einer jüdischen Gemeinde unterscheidet sich in vielen Punkten von kommunalen oder kirchlichen Friedhöfen. Aus heutiger Sicht sind jüdische Friedhöfe Denkmale einer vernichteten religiösen und politischen Kultur in Herne, die es zu erhalten gilt.
Die Gesamtzahl der jüdischen Friedhöfe nimmt ständig ab, auch wenn in letzter Zeit einige alte Begräbnisplätze wieder entdeckt worden sind. Durch die nationalsozialistischen Zerstörungen ist die Zahl der vollständig erhaltenen Friedhofsanlagen sehr vermindert worden. Die Tatsache, dass in Herne die alten jüdischen Friedhöfe erhalten geblieben sind, ermöglicht Laien wie Wissenschaftlern interessante Rückschlüsse auf die Geschichte der Synagogengemeinde Herne.

Nach biblischer Tradition gehört dem Toten sein Grab bis zur Endzeit. Das Grab ist das Haus des Toten bis zum Jüngsten Gericht. Das heißt, jüdische Gräber sind nicht für einen bestimmten Zeitraum von 20 oder 30 Jahren angelegt. Aus diesem Grunde können jüdische Friedhöfe nicht aufgelassen oder zu Parkanlagen umgewandelt werden. Die jüdischen Friedhöfe in Herne sind lebende Institutionen, da sie bis heute ihre ursprüngliche Funktion behalten haben.

Die Ehrung des wehrlosen Toten ist in der jüdischen Glaubenswelt ein ethnisches Gebot. Jede Beschädigung der Friedhofsanlage, des Grabes oder des Steines ist eine Störung der Totenruhe. Dies gilt ebenso für Umbettungen von Gräbern, die nur in Ausnahmefällen unter rabbinischer Aufsicht und unter Beachtung der halachischen Vorschriften geschehen dürfen.

Anlage und Ausgestaltung der jüdischen Friedhöfe in Herne spiegeln stets auch das allgemeine Verhältnis von Juden und Nichtjuden exemplarisch wider. Bei einem Rundgang wird man unterschiedliche Grabsteinformen und Inschriften finden. Zuerst fällt sicher auf, dass einige Steine in deutsch, andere in hebräisch und dritte zweisprachig beschriftet sind. Bis zu einem gewissen Grad können hieraus Rückschlüsse auf religiöse und politische Entwicklungen gezogen werden, die auf die Assimilierung der jüdischen Bevölkerung gewirkt haben. Deshalb ist es auch bedeutsam, dass nicht nur einzelne Steine aufbewahrt werden, die aus kunsthistorischer Sicht wichtig erscheinen, sondern dass die Gesamtheit der Friedhofsanlage dem Betrachter erhalten bleibt. Dies gilt für Herne um so mehr, als hier keine unveränderte Friedhofsanlage kommunaler oder kirchlicher Art aus dem vorigen Jahrhundert mehr anzutreffen ist.

Die jüdischen Friedhöfe sind somit nicht nur aus judaistischen Fragestellungen interessant. Auch für die allgemeine Kulturgeschichte unserer Heimat geben diese Anlagen wichtige Aufschlüsse, denn in den Zeiten, in denen jüdische Mitbürger ihres Glaubens wegen nicht benachteiligt waren, sahen diese keine Veranlassung, sich mehr als aus religiösen Gründen notwendig von den anderen Konfessionen abzusetzen. So sind einige Steine, einzeln betrachtet, nicht als jüdische auszumachen.

Christine Thieringer-Bonk
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