In der Ausstellung in den Baracken des Lagers trifft man auf die Spuren der Opfer…
Darius: Ja, das war schockierend. Die Berge von abgeschnittenen Menschenhaaren, die gesammelt wurden, um sie der Industrie zur Verfügung zu stellen. Die Massen an Kinderschuhen oder Brillen. Gleichzeitig begreift man selbst, wie unser Denken funktioniert. Man braucht diese Gegenstände, um eine Vorstellung davon zu bekommen, dass in Auschwitz über eine Million Menschen ermordet wurden.
Lisette: Ich stand vor mehreren Wänden mit Fotos, die in den Koffern der im
KZ-Ermordeten gefunden wurden: Postkarten, Hochzeits- und Kinderfotos, Schnappschüsse bei der Arbeit oder in der Freizeit. Genauso fotografieren wir uns heute auch. Aber diese Menschen wurden alle gewaltsam ausgelöscht. Man kennt nicht einmal mehr ihre Namen. Das hat mich sehr berührt.
Wie habt Ihr Euch an diesem Ort gefühlt?
Darius: Irgendwie war es unwirklich. Es war ein schöner Tag, wir spazierten über das riesige Gelände. Wir sind nicht mit Knüppeln durch das Lager getrieben wurden, ständig Angst und Verzweifelung im Nacken. Aber doch war es genau dieser Ort. Einige Besucher posierten vor dem Eingangstor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“ und ließen sich fotografieren. Das ist doch völlig absurd, oder?
Lisette: Während der fünfstündigen Führung durch das Lager konnte ich manchmal nicht mehr stehen. Dann dachte ich plötzlich: ‚Hier auf dem Appellplatz mussten die ausgehungerten Gefangenen bei Regen und Kälte stundenlang stehen. Wie hättest Du das ausgehalten, wenn Du jetzt schon jammerst.’ An so einem Ort werden die eigenen Bedürfnisse doch sehr relativ.