Fächer kennen wir heute gleichermaßen als Luftwedel wie als unverzichtbares
Accessoire eleganter Damenkleidung. In Europa wurden sie ursprünglich bei kirchlichen Zeremonien verwendet. Der älteste aus diesem Kontext bekannte Fächer aus Italien mit einem Blatt in Form eines Rades stammt aus dem 6. Jahrhundert. In späterer Zeit kamen Radfächer und mit ihnen Fahnen- und Federfächer in begüterten Kreisen auch in profanen Gebrauch.
Den sich während des 16. und 17. Jahrhunderts intensivierenden Kontakten zu Japan und China verdankt Europa seine beliebtesten Fächerformen: die Faltfächer und die
Briséfächer.
Der Faltfächer geht auf japanische Vorbilder zurück. Er besteht aus einem Blatt und den Stäben, den sogenannten Zungen. Das Blatt wurde bemalt, dann geschnitten und gefaltet. Nachdem es mit einem zweiten Blatt zusammengeklebt worden war, wurden beide Blätter in regelmäßigen Abständen wieder getrennt und dort die Zungen zwischen die Blätter geschoben. Die unteren Enden der Zungen legte man übereinander, fixierte sie mit einem Dorn und fügte bei der abschließenden „Visite“ einen Bügel mit Quaste hinzu. Verwahrt wurde ein Fächer in einer stabilen Schachtel.
Der nach chinesischem Vorbild hergestellte
Briséfächer hingegen besteht ausschließlich aus Stäben. Ein solcher
Briséfächer ist auf dem oben gezeigten Foto zu sehen. Das Muster der Holzstäbe ist gesägt und vermittelt den Eindruck eines reichen Spitzenblattes. Die Deckstäbe hingegen sind unverziert gearbeitet. Die übereinander gelegten schmalen Enden der Stäbe sind mit Hilfe eines Metalldorns fixiert. Das obere Ende der Stäbe wird mit einem Seidenband gehalten. Dieses Band ist nicht durchgehend durch die Stäbe geflochten. Vielmehr verbindet es jeweils zwei Stäbe und wird dann abgeschnitten. Dieser Montagetechnik („
ruban brisé“ – „geknicktes / zerbrochenes Band“) verdankt der
Briséfächer seinen Namen.
Fächer werden in erster Linie als
Accessoire der Mode des 16. bis beginnenden 20. Jahrhunderts gesehen. Sie waren jedoch auch ein beliebtes Geschenk eines Verehrers an die Dame seines Herzens. Nicht zuletzt bedienten sich die Frauen ihrer Fächer als diskretes Kommunikationsmittel, gab es doch zahllose Arten, einen Fächer zu halten, um auf diese Weise einem Liebhaber geheime Botschaften zu übermitteln.
Mit der sachlichen Mode der 1920er Jahre verlor der Fächer seinen Platz als beliebtes, unverzichtbares
Accessoire. Heute spielt er in der Mode keine Rolle mehr, ist jedoch bei Modeaufnahmen noch immer gern benutztes nostalgisches Requisit als Symbol von Weiblichkeit und Eleganz.
Briséfächer
2. Hälfte 19. Jahrhundert.
Holz, Seidenband, Metall. Länge 23
cm.
© Stadt Herne, Emschertal-Museum,
Dr. Gabriele Wand-Seyer