Auschwitz. Dieser mir vorher vollkommen unbekannte Ort in Polen hat mein Leben vollkommen verändert.
Wie lange waren wir unterwegs von Klausenburg nach Auschwitz? Ich habe mir den Kopf zerbrochen, es könnten vier Tage und Nächte gewesen sein. Wir wurden in Viehwaggons transportiert, oben mit einer kleinen Öffnung. Wir kamen irgendwo am Spätnachmittag an, und der Zug blieb stehen, bis es Nacht wurde. Dann wurden die Türen aufgerissen: „Los, los, raus!“ – „Die Sachen drin lassen! Morgen kriegt ihr sie wieder!“ Da sprangen wir eben raus und sofort hieß es: „Männer links! Frauen rechts! Los, los!“. Dies war das erste Mal, dass ich dieses „Los, los!“ hörte, und dann ein ganzes Jahr lang immer wieder. Es ging so schnell, dass wir Frauen uns vom Vater gar nicht verabschieden konnten. Wir standen zusammen, und es kamen seltsame Gestalten mit gestreiften Schlafanzügen auf uns zu, die etwas auf Jiddisch sagten. Ich verstand es nicht, aber andere verstanden es: „Nehmt eure Kopftücher runter und kneift eure Gesichter!“, Macht euch größer und stärker!“ Später habe ich erfahren, dass sie den jungen Frauen mit Kindern sagten: „Gib dein Kind deiner Mutter! Gib dein Kind deiner Schwiegermutter!!“ Man war in einem echten Schock, unfähig etwas zu denken. Nach einer kurzen Weile hieß es: „In Fünferreihen vor.“ Meine Reihe war so: Ich war links, anschließend kamen meine Mutter und meine Schwester, die eine Schönheit mit blonden Haaren war, und dann zwei unbekannte Frauen. Wir gingen nach vorn und blieben stehen. Da war eine Laterne, da stand jemand in Uniform, nahm mich am Arm und stupste mich nach links, die anderen vier rüber zur anderen Seite.
Es war dunkle Nacht und ich habe geweint vor Angst. Plötzlich hörte ich meinen Namen rufen. Ich drehte mich um und sah meine Schwester. „Wie kommst Du her?“ Sie erklärte mir, sie habe das Gefühl gehabt, dass ich Angst hätte. So hat sie sich hinter dem Rücken meiner Mutter nach mir umgedreht und ging dabei rechts weiter vor, so dass das das Licht auf ihr Gesicht fiel. Ein
SS-Offizier sah ihr Gesicht. Da sie jung, schön und blond war, ging er ihr sogar die paar Schritte nach, fasste sie am Arm und zerrte sie nach links. Später erzählte mir meine Schwester, dass die Mutter gefragt habe: „Wohin denn? Das sind doch meine Töchter!“ Der
SS-Mann sagte: „Morgen siehst du sie wieder.“ Und das war das Letzte, was wir von unserer Mutter vernahmen. Wir haben sie nicht umarmt, wir haben sie allein diesen letzten Weg gehen lassen.