Das Interview ist im Mai 2008 entstanden.
Herne ist. . .?
"Ein Ort, den ich persönlich nie verlassen habe", sagt Oberbürgermeister Horst Schiereck.
Geboren wurde er streng genommen zwar in Bochum, doch zogen die Eltern bereits sechs Wochen nach seiner Geburt nach Herne-Eickel.
Die Treue zur Emscherstadt entspringt einem Wohlgefühl: "Herne ist ein Ort, an dem ich immer gerne gelebt habe", sagt Schiereck, "und immer noch gerne lebe. Es ist Großstadt, und dennoch nicht zu groß."
Herne ist – eben einfach genau richtig!
Früher war alles anders. Auch besser?
Die Sommer waren immer warm und trocken, die Winter immer schneereich. Ja, natürlich kennt auch Horst Schiereck diese idealisierten Erinnerungen.
Manchmal sah die Realität aber doch anders aus – und nicht besser: "In meiner Jugend gab es kein Freibad in der Nähe, wir sind zum Schwimmen nach Gelsenkirchen gefahren."
Das Wanner Freibad, das heutige Wananas, eröffnete 1968. Da war Horst Schiereck bereits 20.
Die Partei als Resultat der 68er
Früher war man politisierter als heute. Steht für Horst Schiereck fest. "Die 68er, da hat man doch alles hinterfragt." Sein Eintritt in die SPD im Alter von 22 Jahren (also 1970) war demnach kein spontaner Entschluss, sondern logisches Resultat eines längst vorhandenen politischen Interesses.
Im Alter von 31 Jahren wurde er Bezirksvorsteher, im Alter von 46 Jahren Fraktionsvorsitzender und im Alter von 56 Jahren Oberbürgermeister.
Geburtstag: Ich bin dann mal wech!
2008 – da nullt Horst Schiereck mit einer Sechs davor. Die große Geburtstagsfeier liegt ihm nicht unbedingt. "Ich werde nicht hier sein", sagt er frei heraus und spricht von Exil. Ein Exil auf der maltesischen Insel Gozo wohlgemerkt. Dort wird sich Schiereck in Badehose und T-Shirt stürzen – und in den Linksverkehr.
Gozo ist übrigens ein Tipp seiner Frau. Sie verbrachte während ihrer Studentenzeit einige Urlaube vor Malta.
Wer studiert, was ihm Spaß macht. . .
. . .der darf sich nicht beschweren, findet der OB.
Ihm war an der Universität nach Deutsch, Sozialwissenschaften und Geschichte zumute – in den ersten beiden Fächern machte er Examen. "Das war sture Paukerei, da ging es nur ums Scheine-Machen", erinnert sich Schiereck.
Zwischen Abitur und Studium jobbte er drei Monate bei der GEA – in der sogenannten "Aufzieherei", in der für den Bau von Konvektoren Metallplättchen auf Rohre gezogen wurden.
In guter Erinnerung ist ihm auch ein Ferienjob im Tiefbau geblieben: Er musste die Fundamente für eine Fernheizungs-Trasse gießen.
Lehrer ist. . .?
"Einer der am meisten unterschätzten Berufe", antwortet Horst Schiereck.
Als Lehrer müsse man auf den Punkt genau – sozusagen mit dem Schulgong – topfit sein. "Es hat aber auch einen besonderen Charme und Reiz, zu unterrichten", gibt der ehemalige Lehrer zu. "Mir hat der Beruf immer Spaß gemacht. Ich fand es toll, mit jungen Leuten zusammen zu sein."
Nach seinem Examen fing Schiereck am Pestalozzi-Gymnasium an. Nach zehn Jahren wechselte er zur Gesamtschule Mont-Cenis. Dort war er – unter anderem auch als Leiter der Oberstufe – 15 Jahre lang tätig, bevor er am 10. Oktober 2004 von den Hernerinnen und Hernern zum neuen Oberbürgermeister ihrer Stadt gewählt wurde.
Und in der Freizeit ab in den Garten?
Nein, ein Gartenfreak ist Horst Schiereck nicht. Das private Foto, das ihn mit Spaten am Beet zeigt, wird es nie geben.
Horst Schiereck mit einer Zeitung in der Hand – das kommt der Sache schon näher. Ein gemütlicher Wochenendtag ohne Termine (so selten er auch vorkommt) besteht aus: möglichst lange schlafen, viel lesen, und die Mutter besuchen.
Den Garten hat Schiereck sozusagen schon abgefrühstückt: In jungen Jahren durfte er immer den Riesenrasen am Haus seiner Eltern mähen. Nicht elektrisch, versteht sich.
Über Träume
Obwohl Horst Schiereck nur im Urlaub zu Romanen greift, hat er diese Idee im Kopf, irgendwann einmal selbst einen Krimi, ein Drehbuch, eine Story oder eben einen Roman zu schreiben und zu verkaufen. "Ich werde das wahrscheinlich nie realisieren, wer würde meine Sachen auch schon lesen wollen", sagt der OB lachend.
In der Tat realistischer sind zwei weitere "Projekte", die er gerne in Zukunft angehen würde: 1. Italienisch lernen, und 2. erneut studieren bzw. analytisch arbeiten. "Die Geschichte der Städte-Ehe zwischen Wanne-Eickel und Herne zum Beispiel ist nie in allen Details aufgeschrieben worden", erklärt er.
Mit Verlaub: Das wird eine Arbeit, die bestimmt viele Menschen interessiert, zumindest in Herne und in Wanne-Eickel.
Das Gespräch führte Silke Bender. Fotos von Thomas Schmidt.