Von Ulrich Katter
Wer die Wahl hat - Zum erstem Mal dabei und gleich Wahlvorsteher
In einem Jahr mit drei Wahlen ist der Bedarf an Wahlhelfern besonders hoch. In jedem der 126 Wahllokale in Herne muss ein achtköpfiger Wahlvorstand bereitstehen und die Wahl vor Ort durchführen. Im Prinzip kann jeder als Wahlhelfer verpflichtet werden, das "Stammpersonal" wird in der Regel aus der Stadtverwaltung berufen. So bekam ich knapp drei Wochen vor der Wahl meine Berufung zum Wahlvorsteher. In unseren Wahlvorstand waren übrigens vier städtische Mitarbeiter (außer mir zum Glück alle schon mit Wahlerfahrung) und vier "normale" Bürger berufen worden.
Im Rückblick ist es ja ganz nett, einmal der Chef im Wahllokal gewesen zu sein. Aber stressig ist dabei die Veantwortung. Die wichtigsten Unterlagen (wie Urnensiegel oder das Wählerverzeichnis) bekommt man bereits am Tag vor der Wahl ausgehändigt. Ohne die ginge am Sonntag morgen erst einmal gar nichts. Da macht man sich schon den einen oder anderen Gedanken.
Massig Unterstützung bekommt man natürlich auch: Das Team Wahlen vom Fachbereich Stadtentwicklung - die "Nervenzentrale" bei allen Wahlen in Herne - stellt wirklich sehr gut gemachtes Informationsmaterial bereit. Wenn dann noch Fragen bleiben, kann man sich auch direkt an das Team wenden. Und am Wahltag gibt es eine Hotline, falls doch noch ein Problem auftritt. Danke dafür!
Wie still die Welt doch an einem frühen Sonntagmorgen ist. Kurz vor 7:30 Uhr hat sich unsere Mannschaft vor dem Wahllokal versammelt. Die halbe Stunde bis acht Uhr ist dann sehr geschäftig: Unser Standort ist das Jugendzentrum Zeppelin an der Hauptstraße, das wir kurzerhand zum Wahllokal umfunktionieren. Draußen bringen wir Schilder an, damit die Bürger auch den Weg zum Wahllokal des Stimmbezirks 2094 finden. Drinnen werden Tische zurechtgestellt, die Urne geprüft (wirklich leer?), versiegelt und aufgestellt. Aushänge werden angebracht, Stimmzettel zurecht gelegt und die Aufgaben verteilt. Der erste Bürger erscheint dann auch pünktlich um 8 Uhr zur Stimmabgabe.
Ach ja, die Aufgaben: Im Wahlvorstand gibt es einen Wahlvorsteher und seinen Stellvertreter, einen Schriftführer und dessen Stellvertreter sowie vier Beisitzer. Während der Wahl müssen immer mindestens drei Personen anwesend sein, davon jeweils ein Vorsteher und ein Schriftführer. Auf diese Weise kann man zwei Vier-Personen-Schichten bilden und braucht nicht den ganzen Tag im Wahllokal anwesend zu sein. Kurz vor 18 Uhr treffen sich dann alle wieder vor Ort. Zur Auszählung.
Der Tag vergeht: Jeder Bürger, der zur Stimmabgabe eintrifft, erhält gegen seine Wahlberechtigungskarte einen Stimmzettel ausgehändigt, darf zum Ankreuzen in die Wahlkabine und dann zur Urne. Neben der habe ich am Morgen gesessen und aufgepasst, dass jeder wirklich nur seinen Stimmzettel einwarf. Ab Mittag saß da meine Stellvertreterin.
Die Wahlberechtigungskarten sammelt eine Beisitzerin ein und zählt sie von Zeit zu Zeit durch. So kann die Wahlbeteiligung schon während der Wahl ermittelt werden. Außerdem hakt der Schriftführer jeden Bürger, der gewählt hat, im Wählerverzeichnis ab. Bei der Auszählung wird dann geprüft, ob die Zahl der Stimmzettel in der Urne mit der Zahl von Wahlberechtigungskarten und mit der Zahl von Haken im Wählerverzeichnis übereinstimmt.
Ablösung: Kurz vor 13 Uhr war meine Morgenschicht zu Ende. Vom Tag bleibt einem dann doch nicht viel. Früh aufstehen tue ich am Sonntag normalerweise eher nicht und die knapp fünf Stunden neben der Urne waren auch nicht ganz ohne. Herumsitzen kann mitunter auch erschöpfen. Dann ruht man sich am freien Nachmittag doch lieber noch etwas aus.
Um 17:30 Uhr bin ich dann auch wieder zurück im Wahllokal. Die anderen Wahlvorstandsmitglieder aus der Morgenschicht treffen jetzt auch ein. Allmählich steigt jetzt die Spannung. Um 17:53 Uhr gibt die letzte Wählerin ihre Stimme ab. Dann läutet um 18 Uhr die nahe Kirchenglocke das Ende der Stimmabgabe ein. Jetzt dürfen wir die Siegel der Wahlurne brechen und die Auszählung beginnt.
Die Stimmzettel (297 an der Zahl) werden entfaltet, geprüft (wirklich nur ein Kreuz darauf vorhanden?) und in Stapeln nach Parteien aufgeschichtet. Jeder Stapel wird zweimal durchgezählt. Der Schriftführer überträgt die Ergebnisse in das Wahlprotokoll und überprüft die Zahlen. Jetzt ist es 18:30 Uhr, der Wahlvorsteher (ich) übermittelt per Telefon die Ergebnisse an das Rathaus (sogenannte Schnellmeldung). Die Stimmzettel werden inzwischen in Umschläge verpackt, versiegelt und mit allem anderen Zubehör zusammen für den Transport ins Rathaus bereit gemacht. Danke an alle - ihr seid ein gutes Team!
Wir verlassen das Wahllokal. Der Regen prasselt hernieder. Für meine Mitstreiter endet hier die Wahl. Ich muss noch die Unterlagen ins Rathaus transportieren. Habe kein Auto, also Taxi oder Fahrdienst vom Rathaus anfordern. Besser noch, zwei meiner Beisitzerinnen fahren mich zum Rathaus (diese Kolumne sei ihnen gewidmet!). Durch den Regen nach Herne. Vollgepackt durch die Rathauspforte. Werde gleich zum richtigen Zimmer durchgewinkt. Der Flur voll mit Kollegen. Alle mit Koffern und Kisten. Das Wir-sind-eine-große-Wahlfamilie-Gefühl breitet sich aus. Noch fünf, zehn Minuten in der Schlange stehen. Die letzte Durchsicht, die letzte Unterschrift und ich bin den ganzen Summs los, Bus kommt in 15 Minuten, noch Zeit für Tach Sandra (
ZIR-Mitglied), Tach Christoph (auch
ZIR), Hallo Zigarette (Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit, nicht nachmachen) und Axel (natürlich
ZIR) raucht auch gerade, der Regen hört auf der Bus kommt und Feierabend.