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Matthias Reuter und Sebastian Pufpaff beerben Tegtmeier

Die Teilnehmer des Finales von Tegtmeiers Erben 2011 und Moderator Helmut Sanftenschneider
Die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs für Bühnenoriginale „Tegtmeiers Erben“ stehen fest. Sebastian Pufpaff (Publikumspreis) und Matthias Reuter (Jurypreis) sind am Samstag, 19. November 2011, im Herner Kulturzentrum ausgezeichnet worden.
Oberbürgermeister Horst Schiereck und Publikumssieger Sebastian Pufpaff

Sebastian Pufpaff sammelte bei den Auftritten in Bochum, Dortmund, Oberhausen und beim Finale in Herne die meisten Zuschauerstimmen. Fast die Hälfte der Gäste der vier Veranstaltungen votierten für den „George Clooney des Kabaretts“ , so der O-Ton von Moderator Helmut Sanftenschneider, der im Lauf des Abends übrigens belegte, dass das Steigerlied andalusischer Herkunft ist. Der temporeiche Vortrag des Bonners über Schlagstock-Seminare für Polizisten, die ganz alltäglichen Probleme wegen seines Nachnamens und die Frage, ob der libysche Ex-Diktator Gaddafi nicht in Wirklichkeit doch Costa Cordalis sei, brachten ihm den Sieg.

Jurypreis-Gewinner Matthias Reuter
Die Jury war am stärksten beeindruckt vom Oberhausener Matthias Reuter und setzte ihm die Tegtmeier-Kappe auf: „Er ist kein Riese in Person, doch auf der Bühne wächst er über sich hinaus. Er besitzt eine Präsenz, die sich erst auf den zweiten Blick entfaltet. Dabei besticht er mit musikalischer Virtuosität. Mit souveräner Gelassenheit greift er Themen von der Straße auf und steht damit in bester Tradition eines Jürgen von Manger“, begründeten die Preisrichter die Wahl. In Hagen Rether-Manier begleitet sich Reuter selbst am Klavier und sinniert über die Frage „Wat willse machen, wenn der Nachwuchs fehlt“ und beschreibt treffend die Islamisten-Panik einer Zugpassagierin.
Anka Zink auf der Bühne des Kulturzentrums
Zwar nicht mit Preisen, aber mit viel Applaus bedacht wurden auch die übrigen Finalisten. Anka Zink, einzige Frau in der Endrunde, nahm die moderne Kommunikationstechnik ins Visier. Besonders von ihr beeindruckt war der KUZ-Techniker, der ihr knackendes Mikrofon auf der Bühne richtete und dafür ein charmantes „Wenn’s noch mal knackt, bisse dran!“ mit auf den Weg hinter die Kulissen bekam.
Gunzi Heil bei seinem Auftritt bei Tegtmeiers Erben
Gunzi Heil, dessen Sprachfärbung nicht von ungefähr an Oliver Kahn erinnert, beide kommen aus Karlsruhe, glänzte mit einer gereimten Kurz-Adaption des Märchens „Frau Holle“ am Klavier. Das jüngere Publikum bediente David Werker mit seinen Ausführungen über die Tücken der Adoleszenz und Weisheiten wie „Schmutziges Geschirr schimmelt nicht, wenn man es einfriert“. René Steinberg holte mit seiner stimmlichen Variabilität sowohl den schnaufenden Rainer Calmund ins KUZ wie den cholerischen „Sarko des Funès“, die aus dem WDR-Hörfunk bekannte Parodie auf Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy.
Jochen Malmsheimer und Urban Priol
Die 7,5 Kilogramm schwere Bronzekappe für den Ehren-Tegtmeier durfte Urban Priol nach Hause wuchten – „der Frisur gewordene Aufschrei des Intellekts“, wie ihn Jochen Malmsheimer in seiner Würdigung, die ihm ein „inneres Puddingkochen“ sei, nannte. Schließlich haue Priol alle in die Pfanne, die dort auch hingehörten. Der Mann mit dem beeindruckend wirren Haar bedankte sich mit einer energiegeladenen Rede, wie man sie von ihm aus der ZDF-Kabarettsendung „Neues aus der Anstalt“ kennt. Vor allem die aktuelle Berliner Regierung bekam von dem Unterfranken ihr Fett weg: „Die Koalition schreibt mir meine Programme.“ Dem Abend angemessen outete sich der frischgebackene Ehrenpreisträger als Jürgen von Manger-Fan. Bereits als Schüler habe er sich die Tegtmeier-Schallplatten zu Gemüte geführt, wenn auch seine Versuche, den Deutschlehrer von Tegtmeiers Wilhem Tell-Adaption zu überzeugen auf wenig pädagogische Gegenliebe stießen.
Fritz Eckenga und Jochen Busse
Mit kratziger Stimme, der Erkältungszeit angepasst, würdigte der Dortmunder Fritz Eckenga Jochen Busse, der den Ehren-Tegtmeier für sein Lebenswerk erhielt, „für sein bisheriges“ wie Laudator Eckenga anmerkte. „Der passt in keine Schublade, sondern wohnt in einem komfortablen begehbaren Kleiderschrank“, so Eckenga über den Kollegen, dessen freundliche Professionalität ihn beim ersten Zusammentreffen zu Zeiten des „Rocktheater Nachtschicht“ imponierte. Mit eben jener freundlichen Professionalität meisterte der Geehrte dann auch die Dankesrede und stimmte ein Lob auf den Hochdruckreiniger als kleinsten gemeinsamen Nenner in schweren Zeiten an. Konsequenterweise schlug Busse die Firma Kärcher für den Friedensnobelpreis vor. Schließlich so Busse’sche Logik, könnten Männer keine Kriege führen, solange sie noch Einfahrten mit Hochdruck von Moos zu befreien hätten.
Helmut Sanftenschneider und ein Blick in den Saal des Kulturzentrums
In diesem Jahr hatten übrigens mehr Zuschauer als bei den Vorgängerwettbewerben Gelegenheit bei Tegtmeiers Erben, dabei zu sein. Der Wettbewerb ist von den Flottmann-Hallen ins KUZ gezogen – und in dessen Saal passen einige Gäste mehr hinein.

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