Vielfältige ökologische und ökonomische Überlegungen haben dazu geführt, den Umgang mit Niederschlag anders als in den letzten hundert Jahren zu gestalten. Zahlreiche Erkenntnisse haben gezeigt, dass die konsequente Ableitung des Niederschlagswassers, das auf versiegelten Flächen anfällt, im Allgemeinen und seine Einleitung in offene Schmutzwasservorfluter im Ballungsraum entlang der Emscher im Besonderen nicht mehr zeitgemäß ist.
Nicht zuletzt haben die Hochwasserereignisse der letzten Jahre dazu beigetragen, dass die Probleme der Oberflächenversiegelung und Regenwasserableitung in der Öffentlichkeit offensiv und mit wachsender Akzeptanz diskutiert werden.
Ein Ausfluss dieser Erkenntnis ist die Umgestaltung des Vorflutsystems der Emscher bis hin zu einer teilweisen "Renaturierung".
Ein weiterer Aspekt ist die Neuaufnahme des § 51a in das Landeswassergesetz Nordrhein-Westfalen. Danach sind bei erstmals bebauten Grundstücken die Versickerungsmöglichkeiten zu prüfen.
Diese Gesichtspunkte veranlassen eine Kommune aus ökologischer und ökonomischer Sicht, alternative Strategien zum Umgang mit Regenwasser zu verfolgen.
Die Stadt Herne hat sich deshalb im Rahmen des Modellwettbewerbs "Ökologisch ausgerichteter Umgang mit Regenwasser in Siedlungsgebieten" der Emschergenossenschaft mit insgesamt fünf Gebieten beteiligt. Die "Hibernia-Schule" wurde von der Emschergenossenschaft als ein Standort der "Route des Regenwassers" ausgewählt. Der neu erbaute zentrale Betriebshof der Stadt wurde nach wesentlichen Grundsätzen des neuen Umgangs mit Regenwasser angelegt. Außerdem wurden zahlreiche private Versickerungs-, Entsiegelungs- und Dachbegrünungsmaßnahmen sowie Regenwassernutzungsanlagen über die Landesprogramme "Initiative ökologische und nachhaltige Wasserwirtschaft in Nordrhein-Westfalen" und "Grün in die Stadt" des Programmes "Ökologische Stadt der Zukunft" verwirklicht.
Der wichtigste Baustein zur Umsetzung des "Neuen Umgangs mit Regenwasser" ist jedoch die Beratung interessierter Bürgerinnen und Bürger. Zu diesem Zwecke wurde dieser Ratgeber erstellt, der die speziellen Begebenheiten berücksichtigt, und wird - so hoffe ich - nicht nur zahlreichen Interessierten zur Verfügung gestellt, sondern auch möglichst häufig zur tatsächlichen Umsetzung von Maßnahmen des Regenwassermanagementes führen.