Wichtige Hinweise .
Seitenübergreifende Links .
Suchfunktion .
Rechte Spalte / Module .

Veranstaltungen

Mo Di Mi Do Fr Sa So
30 . 1 . 2 . 3 . 4 . 5 . 6 .
7 . 8 . 9 . 10 . 11 . 12 . 13 .
14 . 15 . 16 . 17 . 18 . 19 . 20 .
21 . 22 . 23 . 24 . 25 . 26 . 27 .
28 . 29 . 30 . 31 . 1 . 2 . 3 .
Event Suchfunktion .
Dokumenteninhalt .

Schriftzug des Stadtmagazins inherne

Fritz Pleitgen im Gespräch mit inherne - Teil Zwei

Kulturkanal ist ein ganz wichtiges Objekt

inherne: Welches ist das Herner Kulturhauptstadtprojekt, das Sie am meisten schätzen und warum?

Pleitgen: Der Kulturkanal ist für uns ein ganz wichtiges Projekt, auch exemplarisch. Wir wollen diese Kooperation zu einer Selbstverständlichkeit machen. Der Kulturkanal ist ein Prototyp dafür. Sie wissen, dass es da auch Schwierigkeiten gibt, finanziell. Aber wir haben immer gesagt, an dem Projekt müssen wir festhalten. Im letzten Mai sah das noch überall ziemlich eng aus, und wir wussten nicht, was wir uns leisten können. Aber eins war klar: Der Kulturkanal muss kommen. Und das wird auch ein ganz wichtiges Projekt, auf das ich mich sehr freue. Es geht einen Tag vor meinem Geburtstag los.

inherne: Und wie bewerten Sie die anderen Herner Projekte?

Pleitgen: Pottporus ist für uns ein Vorzeigeensemble, das wir immer erwähnen, wenn sich Außenstehende interessieren. Ich sage ihnen immer: Pottporus, die bringen Euch auf Touren. Eine starke Gruppe.
In meinen Reden spielt AufRuhr immer eine Rolle, weil der Fürstbischof aus Köln dort sein Leben aushauchen musste. Damit treten wir in die europäische Geschichte ein. Kidnapping wurde zu einem gängigen Mittel, um die Kasse aufzubessern.
Außerdem die Cranger Kirmes. So gesehen ist Herne nicht nur geografisch im Zentrum, sondern auch im Programm.

inherne: Am Anfang der Planungen gab es sogar Vorschläge, einen Campingplatz am Rhein-Herne-Kanal zu errichten, weil viele Touristen erwartet wurden. Davon ist heute nicht mehr die Rede, weder vom Campingplatz, noch von den Touristen. Hat Herne trotzdem Vorteile von der Kulturhauptstadt?

Pleitgen: Ich glaube, wir leiden im Ruhrgebiet unter einer völlig falschen Wahrnehmung. Wenn die Wahrnehmung der Realität angepasst wird, dann hat auch Herne etwas davon. Davon bin ich überzeugt. Das Ruhrgebiet ist ein hoch attraktiver Standort. Und Herne hat sicher eine Menge zu bieten, so dass gesagt wird: Dahin wollen wir gehen.
Wir haben zwei Ansätze: Der eine ist, dass wir das Ruhrgebiet insgesamt positionieren wollen. Das zweite ist, dass wir jeder Stadt die Chance geben, sich in ihrer Local-Heroe-Woche entsprechend ihrer Fähigkeiten und Ideen darzustellen. Ich bin ganz sicher, dass Herne seine Chance wahrnehmen wird. Auf diese Stadt wird sich eine erhöhte Medienwirksamkeit richten. Insgesamt wird Herne, wie alle anderen Städte, von der Kulturhauptstadt profitieren. Wie es dann am Ende läuft, hängt auch davon ab, wie die Impulse, die dort gesetzt werden, aufgenommen und in die Zukunft transportiert werden.
Die Kulturhauptstadt darf nicht am 31.12.2010 enden. Herne ist ein wunderbarer Platz auch für die Kreativwirtschaft, die Industrie der Zukunft. Also bin ich davon überzeugt, dass die Herner das auch entsprechend wahrnehmen werden.
Ein Bildstreifen mit zwei Ansichten von Fritz Pleitgen: Auf beiden Bildern ist er auf das Gespräch konzentriert. Im Bild links ist unscharf der Rücken eines Gesprächspartners zu erkennen.

Wie werden wir von außen gesehen?

inherne: Trotz des Lobes gab es auch Kritik am Kulturhauptstadt-Programm. Zum Beispiel, dass zu viel Events untergebracht wurden. Vielleicht wäre weniger mehr gewesen?

Pleitgen: Dies hätte dem Geist der Kulturhauptstadt vollkommen widersprochen, wenn wir nicht alle mitgenommen hätten. Das bedeutet natürlich eine Vielzahl an Projekten. Wenn wir nur 20 Highlights gehabt hätten: Ja, wo wären die Städte denn geblieben? Dann hätten die das auch gleich lassen können. Wir mussten breitgefächert antreten.
So ist aber auch das Ruhrgebiet. Wir wollen das gesamte Ruhrgebiet präsentieren, mit seiner gesamten kulturellen, religiösen und ethnischen Vielfalt. Sich auf wenige Dinge zu beschränken – dann hätte nicht die ganze Region anzutreten brauchen.

inherne: Genörgelt wurde auch, dass zu wenig einheimische Künstler beteiligt sind, dass man lieber auswärtige Künstler engagiert.

Pleitgen: Die auswärtigen Künstler sind ja immer gepaart mit einheimischen. Wir sind keine regionale Angelegenheit. Wir sind eine internationale Sache. Das Ruhrgebiet ist der Ausdruck des vereinten Europas. Wir haben darauf verzichtet, internationale Stars zu verpflichten. Da treten wir mit unseren eigenen Kräften an. Wenn wir beispielsweise bei der Ausstellung „Ruhrblicke“ internationale Künstler einladen, dann mit der Absicht: Wie sehen die uns? Es geht uns ja um unser Image. Wie werden wir von außen gesehen? Sonst setzen wir ganz entschieden auf die heimischen Kräfte.

inherne: Die Kritiker-Liste ist noch länger. Man mokiert sich über das Hick-Hack bei der Organisation der Love-Parade. Das Ruhrgebiet sei weit davon entfernt, eine Metropole zu sein …

Pleitgen: Sie können an allem Kritik üben. Die Love-Parade ist absolut nötig. Wir wollen ja zeigen, dass das Ruhrgebiet auch jungen Leuten auch was zu bieten hat. Wir können uns nicht hinsetzen, und ein schönes internes Bürgerfest feiern, wir müssen ganz entschieden daran arbeiten, dass wir von dem veralteten Image wegkommen. Und das haben wir mit der Eröffnung, an der auch fast alle rumgemeckert haben, bewiesen. Da sind die Bilder geliefert worden, die wir versprochen haben. Wenn wir das in der Philharmonie gefeiert hätten, dann hätte uns keiner wahrgenommen.
Wir haben ja nicht unendliche Mittel. Wenn wir die Erwartungen erfüllen wollten, die an uns gerichtet wurden, hätten wir einen Etat von einer Milliarde haben müssen. Wir haben aber nur 60 Millionen für vier Jahre. Da muss man eine ganz klare Strategie haben. Und die haben wir: Inhalte und starke Bilder. Und Spitzenkunst und außergewöhnliche Kulturereignisse. Über allem steht „Wandel durch Kultur“ – darunter steht eine ruhrgebiet-identische Kulturhauptstadt. Wir wollen kein Silicon Valley sein, das überall sein könnte. Wir wollen die Kulturhauptstadt Ruhrgebiet sein. Ich glaube, da sind wir auf dem richtigen Weg. Ich gebe aber zu, dass wir nicht die Wünsche aller erfüllen können.

inherne: Dann zitiere ich noch einen letzten Vorwurf. Kreativwirtschaft bedeutet bei den Kulturhauptstadt-Machern, dass nur kommerzialisierte Kunst zum Zuge käme.

Pleitgen: Bei uns werden doch Veränderungen geschaffen. Wenn ich allein an die Emscherkunst denke. Oder an das Dortmunder U - da entsteht nun das 1. Europäische Institut für Kreativwirtschaft. Ein Gebäude, mit dem man früher nichts mehr anzufangen wusste, wird jetzt ein Markenzeichen. Andere Beispiele: Der Herkules auf der Zeche Nordstern oder die Mercatorinsel in Duisburg. Es werden unglaubliche Veränderungen geschaffen. Im Jahre 2020 werden wir, wenn wir zurückblicken, sagen können: Im Jahr 2010 sind entscheidende Schritte nach vorne getan worden.
Wobei unsere Überlegung ist, dass unser Ruhrgebiet zu einer Metropole Ruhr vorankommt. Wir sagen nicht, wir sind London oder Paris. Wir sind eine Metropole neuen Typs, in der die 53 Städte, das heißt die jeweiligen Identitäten, weiter existieren. Was sie tun sollen, ist, dass man zusammen arbeitet in wichtigen Fragen. Dass man uns insgesamt als eine Kulturmetropole betrachtet. Das wäre schon eine Menge. Denn anders können wir international nicht mithalten.

Lesen Sie im dritten Teil, wovon für Fritz Pleitgen der Erfolg der RUHR.2010 abhängt
Zurück zu Teil Eins des Interviews

Fußzeile .
TagCloud .