Wichtige Hinweise .
Seitenübergreifende Links .
Suchfunktion .
Rechte Spalte / Module .

Veranstaltungen

Mo Di Mi Do Fr Sa So
30 . 1 . 2 . 3 . 4 . 5 . 6 .
7 . 8 . 9 . 10 . 11 . 12 . 13 .
14 . 15 . 16 . 17 . 18 . 19 . 20 .
21 . 22 . 23 . 24 . 25 . 26 . 27 .
28 . 29 . 30 . 31 . 1 . 2 . 3 .
Event Suchfunktion .
Dokumenteninhalt .
Koffertruhe

Koffertruhe


Die Koffertruhe entstand im Jahr 1743 vermutlich in der Werkstatt eines örtlichen Dorfschreiners. Sie ist aus Eichenholz gefertigt und großzügig mit Eisenbeschlägen versehen. Im Gegensatz zur Konstruktion einer weiteren, fast zeitgleichen Truhe aus dem Besitz des Emschertal-Museums, die mit Zinken, Nut und eingesetzter Feder und Holznägeln gefertigt ist, zeigt diese Truhe eine fast archaische Bauweise. Die Bretter sind mit Holznägeln und Dübeln auf Stoß gefügt, und die auf den ersten Blick zierenden Eisenbänder offenbaren hier ihre eigentliche Funktion: An den Ecken und Kanten sollten sie die Holzverbindungen stabilisieren und auf den Flächen das Verwerfen und Reißen des Holzes verhindern.

Truhen besitzen heute kaum noch ihre ursprüngliche Form. Das Holz dunkelte nach und die Beschläge rosteten. Die schwankenden klimatischen Verhältnisse in den Bauernhäusern sorgten für Risse und Verwerfungen im Holz. Die starke Feuchtigkeit der Fußböden wirkte sich nachteilig auf jene Teile der Truhe aus, die unmittelbaren Bodenkontakt hatten. Das Holz faulte, und die unter dem Sockel befindlichen Kufen mussten gewöhnlich gekürzt oder ersetzt werden.

Im Gegensatz zu ihrem heute etwas düster wirkenden Erscheinungsbild muss man sich die Koffertruhe zur Zeit ihrer Herstellung deutlich attraktiver vorstellen: Das Holz war weitaus heller, die Eisenbeschläge glänzten, und die mit rotgefärbtem Leder unterlegten Durchbrüche der Beschläge setzten einen lebhaften farbigen Akzent.

Der Anlass für die Anfertigung einer Truhe war gewöhnlich eine bevorstehende Heirat. Dies war auch bei der vorgestellten Truhe der Fall. Der Schlossbeschlag ist mit den Initialen CFE / ACTE einer (noch nicht identifizierten) Eignerin sowie dem Jahr der Heirat ANNO 1743 versehen. Die zahlreichen herzförmigen Durchbrüche auf den Beschlägen hüllen die Truhe in Liebessymbole ein. Zwei rechts und links des Schlossbeschlages montierte Drachenfiguren sollen den steten Wohlstand der Besitzerin sichern.

Truhen dieser Art bargen die Aussteuer einer bäuerlichen Braut. Hier bewahrte sie ihren Vorrat an Leinengarn oder Leinentuch, ihre Haushaltstextilien oder Kleidung auf. Aber auch Schätze anderer Art wurden hier deponiert. Im Inneren der Truhe befindet sich eine fest montierte sogenannte Beilade mit Deckel und ein weiteres Fach mit einer separaten Lade – ein kleiner Tresor, der Geld und Schmuck fremdem Zugriff entziehen sollte. Um diese Schätze zusätzlich zu sichern, ist die Truhe nicht nur mit einem Mittelschloss, sondern an den beiden Überwurfriegeln auch mit zwei Vorhängeschlössern gesichert.

Truhen wurden in der bäuerlichen Familie über mehrere Generationen genutzt. Hatten sie im Laufe der Zeit ihren repräsentativen Charakter verloren und waren unansehnlich geworden, dann fanden sie ihren letzten Verwendungszweck oftmals auf der Tenne, wo sie als Aufbewahrungskasten für Viehfutter oder Arbeitsgeräte benutzt wurden. Waren sie auch für diesen Zweck nicht mehr geeignet, wurden sie kurzerhand verfeuert. Der glückliche Umstand, dass die vorgestellte Truhe 1952 aus dem Besitz einer Herner Familie für das Emschertal-Museum erworben werden konnte, hat sie möglicherweise vor diesem Schicksal bewahrt.

Koffertruhe
Westfalen, datiert 1743.
Eiche, Eisen, Leder.
Breite 1,13 m, Höhe 0,69 m, Tiefe 0,57 m.


© Stadt Herne, Emschertal-Museum, Dr. Gabriele Wand-Seyer
 
Fußzeile .
TagCloud .