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Die Herner Feuerwehr wird weiblich
Die Feuerwehr Herne belegt im
NRW-Vergleich eine Spitzenposition, und zwar in punkto Frauenanteil. Vier Prozent der Herner Einsatzkräfte sind weiblich, das heißt sechs der 160 Herner Feuerwehrmänner sind Frauen.
Text: Silke Bender
Fotos: Kirsten Weber, Thomas Schmidt
Brandmeisterin Ina Kalkowski, 30 Jahre alt, Hertenerin durch und durch, hat als Industriekauffrau die Ödnis eines Bürojobs erfahren. „Das war nichts für mich“, sagt sie rückblickend und ist froh, dass sie über eine Umschulung zur Rettungsassistentin schließlich im April 2007 ihre Ausbildung bei der Herner Feuerwehr beginnen konnte. Für Familie und Freunde ist der Beruf der jungen Frau noch etwas Besonderes, für sie selbst sind blaue Uniform, Schichtdienst und überwiegend männliche Kollegen längst Routine. Die Abwechslung zwischen Rettungsdienst und Brandschutzaufgaben gefällt Kalkowski, die als RvD, Rettungsassistentin vom Dienst, auch für die tägliche Desinfektion der Rettungswache zuständig ist.
Kollegin Sarah Schulz hat „ihren Brandmeister“ gerade erst gemacht: Zusammen mit elf Männern bestand sie im März ihre Prüfung. Genau wie Ina Kalkowski hat auch Sarah Schulz vor dem Wechsel zur Feuerwehr als Rettungsassistentin gearbeitet. „Mein praktisches Ausbildungsjahr habe ich damals bei der Feuerwehr in Bochum absolviert“, berichtet die 24-Jährige, die damit wohl die Weichen stellte. Sie hat sich für einen Beruf entschieden, der sie häufig mit unschönen Bildern konfrontiert. „Privat möchte ich auch keine Leiche im Feld finden, da wäre ich wahrscheinlich total geschockt“, erklärt die gebürtige Recklinghäuserin. „Aber wenn ich zum Beispiel an eine Unfallstelle komme, atme ich kurz durch und dann geht es.“ Diese Technik kommt übrigens an anderer Stelle ebenfalls zum Einsatz: auf ihrer Dauerbaustelle, einem 2009 gekauften Haus in Wanne-Eickel.
Brandreferendarin Katharina Timm, 28 Jahre alt, geboren in Frankfurt am Main, ist Quereinsteigerin und war zuletzt im idyllischen Freiburg im Bereich der Krebsgrundlagenforschung tätig. Die Diplom-Biologin hat am 1. April 2010 zwar ihren Dienst in Herne aufgenommen, ist während ihres zweijährigen Referendariats aber kaum auf der Wache an der Sodinger Straße anzutreffen. Nach der Einführungswoche am Institut der Feuerwehr (IdF) in Münster lernt sie derzeit bei der Feuerwehr Aachen. „Erst im Herbst 2011 werde ich einen dreimonatigen Abschnitt in Herne absolvieren“, erklärt Timm, die inzwischen in Herne wohnt und sich hier bereits zuhause fühlt. „Ich bin wirklich begeistert, sowohl von meiner Arbeit, als auch vom Revier“, sagt die passionierte Sportlerin. Menschenrettung war übrigens schon immer ihr Ding: Mit 16 jobbte sie als Rettungsschwimmerin beim
DLRG und im Schulsanitätsdienst war sie über Jahre ebenso engagiert wie im Katastrophenschutz des
DRK.
Als erste Feuerwehrfrau in Herne hat Brandmeisterin Ilka Kusper sozusagen den Weg für ihre Nachfolgerinnen bereitet – und vor allem den ganzen Medienrummel abbekommen. „Da war schon was los am Anfang“, erinnert sich die 27-Jährige. Während ihre Arbeitskollegen es schon normal mit der Frau an Wache 1 fanden, musste eben jene Frau noch immer der Presse Auskunft geben. Seit Juni 2009 ist die Pionierin allerdings an ganz anderer Stelle im Dauereinsatz: zuhause in Haltern, an der Seite von Baby Greta, elf Monate alt. Deren Welt enthält übrigens viele Feuerwehranteile: Der Papa ist auch bei der Truppe beschäftigt. Über Fußstapfen, in die Klein Greta mal tappen könnte, spekulieren die Kuspers nie.
Ilka Kusper war eigentlich Krankenschwester. „Ich dachte, das ist ein toller Beruf, bis zu dem Tag, an dem die Ausbildung begann“, sagt sie. „Da habe ich gemerkt, dass man eine bessere Pflegekraft ist und für die Patienten keine Zeit bleibt.“ Also bewarb sie sich bei jeglichen Feuerwehren – und begann ihren Einsatz in Herne im Oktober 2004.
Susanna Lüsebrink, 27 Jahre alt, in der Nähe der Biggetalsperre aufgewachsen, hat ihre Ausbildung bei der Feuerwehr gemeinsam mit Ina Kalkowski gemacht – zwei Frauen in einem Lehrgang: auch ein Novum. „Man ist aber schon gefordert als Frau“, sagt die kleine und zierliche Person, „denn natürlich kann ich körperlich nicht das leisten, was ein 90-Kilo-Mann schafft.“ Dank Krafttraining steht sie aber ihren Mann und hat bis heute keinen einzigen uniformierten Tag bereut. „Manchmal vergesse ich, dass ich die einzige Frau bin.“ Die Bochumerin kommt aus der Pflege, hat zuvor in einer neurologischen Reha-Klinik in Hagen gearbeitet. Da lief eigentlich alles prima. Als aber eine Bekannte von ihr bei der Dortmunder Feuerwehr anfing, wurde sie neugierig, schaute es sich vor Ort an – und bewarb sich im Ruhrgebiet. Ihre Eltern unterstützten den Jobwechsel, ihre beiden Brüder finden die Feuerwehrfrau in der Familie super.
Sylvia Kläne, 31 Jahre alt, ist die zweite weibliche Quereinsteigerin unter den Feuerwehrleuten. Studiert hat sie Bauingenieurwesen, gearbeitet hat sie in der Bauobjektüberwachung mit Schwerpunkt Vorbeugender Brandschutz. Nach 18 Monaten feuerwehrtechnischer Ausbildung am Institut der Feuerwehr, fing sie dann Mitte 2008 sozusagen auf Empfehlung des Landes in Herne an: Zur Einführung des Digitalfunks hatte das
NRW-Innenministerium den Kommunen geraten, Personal einzustellen bzw. zu spezialisieren. Kläne bewarb sich auf die in der Abteilung Technik ausgeschriebene Stelle und bekam sie. „Das ist eine richtig schöne Projektarbeit“, schwärmt die Brandoberinspektorin, die den Wandel von analog zu digital nicht nur in der Fahrzeugtechnik verfolgen, sondern auch betriebliche Strukturen sowie Ausbildungsinhalte anpassen muss. Als Zugführerin leitet sie zudem drei, vier Mal im Monat den 24-Stunden-Dienst einer Wachabteilung. Seit sechs Monaten wohnt Kläne in Herne. Die Stadt und der Job gefallen ihr. „Wir sind zum Glück keine Riesen-Feuerwehr, sondern ein recht familiärer Haufen“, sagt die gebürtige Marlerin. „Als ich meinen Abschnitt in Köln gemacht habe, war ich eine reine Nummer.“ Kölns Berufsfeuerwehr besteht aus über 1.100 Mitarbeitern – und einer Frau...