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Postkarte


Als am 1. Oktober 1869 mit der „Correspondenz-Karte“ eine Vorform der Postkarte eingeführt wurde, begegneten ihr Misstrauen und Abwehr. Die Ablehnung kam indes nicht aus der Öffentlichkeit, sondern von der Post selbst. Immerhin sah man durch eine offen versandte, für jeden lesbare Mitteilung das Postgeheimnis in Frage gestellt.

Es ist verständlich, dass die Idee von Heinrich von Stephan lange Zeit chancenlos blieb, für die er seit 1865 unter dem Motto „kurz – knapp – kostengünstig“ unermüdlich geworben hatte: nämlich breiten Kreisen der Bevölkerung die Möglichkeit zu eröffnen, kurze Mitteilungen zu einem kleinen Einheitspreis zu versenden. Ungeachtet der höchstamtlichen Bedenken entwickelte sich die Postkarte im Jahr ihrer Einführung 1869 mit drei Millionen versandten Karten sogleich zu einem Verkaufsschlager.

Die Gestaltung der „Correspondenz-Karte“ unterlag strengen Regeln: Die eine Seite war anfangs ausschließlich für den Eintrag der Adresse, die andere für den Mitteilungstext gedacht. 1885 allerdings erkämpfte sich ein kleiner Kreis von Unternehmern die Erlaubnis zur Herstellung erster Bildpostkarten. Erlaubt waren zunächst nur wenige Motive. Erst 1905 setzte sich die bis heute übliche Bildpostkarte mit der Motiv-Vorderseite und der Rückseite für Text und Adresse durch. Die Motive der Bildpostkarten boten ein breites Spektrum: Stadtansichten ebenso wie vorgefertigte Glückwunschkarten, Kunstpostkarten, fotografische Dokumentationen historischer Ereignisse und Scherzpostkarten oder Erotika.

Da Bild- und Fotopostkarten Massenprodukte waren, bedurfte es spezieller Herstellungstechniken, die möglichst hohe Auflagen gewährleisteten. Das bis zur Erfindung des Offsetdrucks im Jahr 1920 gängigste Verfahren war der Lichtdruck. Mit dieser 1879 erstmals eingesetzten Reproduktionstechnik gelangen bis zu 2.000 Abzüge von einer einzigen Platte.

Die hier vorgestellte Fotopostkarte ist ein solcher Lichtdruck. Die Karte stammt aus der Zeit um 1920, ist also ein spätes Beispiel für diese Technik. Das Motiv zeigt eine Partie aus dem Herner Gysenberg, einem Waldgebiet, das die Stadt Herne 1926 von den Grafen von Westerholt-Gysenberg erwarb und das heute als beliebtes Naherholungsgebiet rege besucht wird.

Als zentrales Bildmotiv erkennt man einen Teich, der sich zwar als Schwanenparadies gibt, in seiner ursprünglichen Funktion als Stauteich jedoch die Wasserversorgung der am linken Bildrand zu erkennenden Kornmühle des Hauses Gysenberg sicherte.

Urkundlich wird diese Mühle erstmals 1721 genannt und ein jährlicher Ertrag von 4 Reichstalern und 50 Stübern für sie notiert. 1903 wurde das Mühlengebäude zu einem Fachwerkbau umgebaut, 1908 der Wasserantrieb auf Maschinenbetrieb umgestellt. Wenige Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges gab der letzte Müller den Mühlenbetrieb auf, und eine Gastronomie zog in das Gebäude ein.

1990 beschloss man, das deutlich baufällige Gebäude zu sanieren und die technischen Anlagen zu restaurieren. Während der Arbeiten fiel das Gebäude infolge Brandstiftung den Flammen zum Opfer. Einzig das Mahlwerk blieb unversehrt erhalten. Die Anlage wurde danach so wiederhergestellt, dass heute die technischen Aufbauten – in dieser Form nur noch bei vier weiteren Mühlen im Ruhrgebiet zu finden – von außen zu betrachten sind. Obgleich ein Torso, ist die Gysenberger Mühle dennoch ein beeindruckendes technisches Denkmal der Nutzung von Wasserkraft in früherer Zeit.

Fotopostkarte
"Herne i. W. Anlagen am Gysenberg"
(Mühle im Gysenberg).
Deutschland, um 1920.

Lichtdruck.
Breite 14 cm, Länge 9 cm.


© Stadt Herne, Emschertal-Museum, Dr. Gabriele Wand-Seyer
 
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