Text: Silke Bender und Horst Martens, Fotos: Thomas Schmidt
Ein Gang durch die neu konzeptionierte Ausstellung in Strünkede
An den Fassaden werden die Baugerüste noch einige Zeit stehen, aber Strünkede selbst hat seine Tore längst wieder aufgemacht. Im modern gestylten Erdgeschoss ist jetzt die Ausstellung „Schloss Strünkede – Das Haus, seine Geschichte, seine Menschen“ zu sehen.
Ein anderer Charme
Zelebriert wurde vor Kurzem das Ende des ersten Bauabschnittes. Oberbürgermeister Horst Schiereck erläuterte die Erneuerungsmaßnahme: „Fassaden-, Fenster-, Dach- und WC-Sanierungarbeiten sowie die Neugestaltung der Ausstellungsräume und die Ingenieurleistungen haben ein Gesamtvolumen von knapp 1,5 Millionen Euro.“ Eine umfassende und aufwendige Baumaßnahme, die unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten erfolgt. Die Museumsführung zeigte, wie sie sich eine moderne Präsentation der Geschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit vorstellt. „Die Menschen, die hier lebten, sollen Mittelpunkt der Ausstellung sein“, verriet Museums-Direktor Oliver Doetzer-Berweger.
Rittersaal entrümpelt
Die Besucher machen große Augen. Das Erdgeschoss präsentiert sich in einem komplett anderen Design. Der sogenannte „Rittersaal“, in dem vorher verschiedene Wohnbereiche aus dem 17. und 19. Jahrhundert präsentiert wurden, ist sogar komplett ausgeräumt worden. Die Feuerstelle oder das ausladende Schlafzimmer wurden für unbestimmte Zeit einem Depot überlassen. Der leere Saal mit dem glänzenden Parkett wirkt dreimal größer als vorher – dort sollen Wanderausstellungen organisiert werden.
„Turmzimmer“ im Mittelpunkt
Aber die Musik spielt derzeit im „Turmzimmer“. Es ist jener Raum, in dem als auffälligstes Moment die „kleine Strünkeder Gruppe“ stand: das Grabbildnis des Ritters Jobst von Strünkede und seiner Gemahlin Henrica von Hatzfeld (1603). Jobst, seine Frau und Kinder sieht man dort noch immer, aber die imposanten Figuren wurden um 180 Grad gedreht und in einer modernen Kulisse vor einer samtroten Umgebung auf ein Podest gehievt. Gegenüber in einer Nische scheint Conrad von Strünkede die Szenerie heimlich zu beobachten, versteckt hinter einer semitransparenten Leinwand. Ein Knopfdruck, der Halbschatten verschwindet und des Ritters Rüstung erstrahlt im güldenen Schimmer.
Auch hier wurde Platz geschaffen. Warum, sagt Doetzer-Berweger: „Wir zeigen nur Exponate, die auch tatsächlich mit der Geschichte des Hauses und seiner Menschen zu tun hatten.“ Und deshalb konnte einiges wegfallen.
Viele Innovationen
In herausziehbaren Laden sind Kleinigkeiten und kleinformatige historische Schätze gefasst, wie das Notgeld. An anderen Stellen muss man eine Klappe, einen Deckel hochheben, um im Innern des Kastens ein wertvolles Buch oder ein anderes interessantes Objekt zu entdecken.
Weitere Innovationen: Medieneinheiten, eine Sichtachse auf die Städtische Galerie, ein Modell des Schlosses, von den Freunden des Emschertal-Museums gesponsert. In kleinen Rechtecken hat man den Putz abgetragen, so dass man jetzt einen Blick auf die ursprüngliche Gestaltung der Wand werfen kann.
Dezente Farbstreifen
Die Orientierung fällt leicht. Dezente Farbstreifen unterteilen in Themen und Kategorien. Blau bedeutet „Macht und Menschen“. Königliches Rot markiert die Adelsfamilie. Grün umfasst das Themengebiet „Holz, Steine, Scherben“ (Wirtschaft und Bauen). Grau ist sonst alle Theorie, in Strünkede sind es die „Mythen und Menschen“, ein Kapitel, das sich auch der Rezeption widmet: Es geht darum, wie Strünkede in den verschiedenen Jahrhunderten gesehen wurde.
Klar, dass Räume, die Historisches enthalten, vor der Einwirkung von Luft und Sonne geschützt werden müssen. Statt teurer Klimatisierung sind innerhalb der Vitrinen innovative Prosorb-Cassette installiert, die dort ein optimales Kleinklima herstellen. Selbst die Bilderrahmen sind klimatisiert, die Fensterscheiben enthalten UV-Schutz.
Mehr Transparenz
Viel heller, ein anderer Charme, mehr Transparenz, eine andere Sicht der Dinge. Das Luftige tut dem menschlichen Auge gut. Die oberen Etagen mit ihren Schwerpunkten „Stadtgeschichte“, „Glas und Keramik“, „Archäologie“ und das Heimat- und Naturkunde-Museum sind derzeit noch in ihrem bekannten Zustand, aber auch hier zeichnet sich eine Modernisierung ab.
Schloss Strünkede hat nun wieder folgende Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag von 10 bis 13 und 14 bis 17 Uhr,