Oberbürgermeister Horst Schiereck freut sich bei der Pressekonferenz zu "Schwingungen" auf ein außergewöhnliches Erlebnis für Herne und alle Kulturhauptstadtbesucher
Es ist eine Premiere: Der Rhein-Herne-Kanal wird in Höhe der Cranger Schleuse zum Opernhaus. Und gegeben wird am 1. Oktober nicht etwa Wagner, Mozart oder Puccini, sondern eine Industrieoper. „Schwingungen“ heißt das Kulturhauptstadt-Projekt des Herner Künstlers Christof Schläger – eine Komposition für unsere Stadt, vorgetragen von eigens dafür entworfenen und gebauten Instrumenten und begleitet von einem Betonpumpen-Choreographie. Ein Spektakel für Ohr und Auge. Unter freiem Himmel und kostenlos.
Ein Erlebnisfeuerwerk zum Abschluss des Kulturkanals
„'Schwingungen' ist das Ausrufezeichen zum Abschluss des Kulturkanals“, fasst Hernes Oberbürgermeister Horst Schiereck das einmalige Projekt in Worte und freut sich, dass ausgerechnet unsere Stadt so ein Erlebnisfeuerwerk im Kulturhauptstadtjahr zünden kann. „Ein Museum haben die meisten Städte, eine Industrieoper mit Betonpumpen-Choreographie haben nur wir!“
Christof Schläger erklärt eines seiner Instrumente, das er aus Regenabfallrohren und Heizungsventilen zusammen gebaut hat.
Eine Oper für Schiffshörner und Heizungsventile
Stolze 116 Instrumente fährt Künstler Christof Schläger dafür auf – riesige Drucklufthörner, kleinere Druckluftpfeifen und schnittige Windpfeifen zum Beispiel. Der gelernte Schlosser hat sie selbst entworfen und zusammengebaut, unter anderem aus ehemaligen Schiffshörnern, Regenabfallrohren und Heizungsventilen. Die meisten Klangskulpturen sind tonal gestimmt. Sie sollen ja schließlich keinen Lärm machen, sondern Musik.
Und da lauert schon die nächste Herausforderung: Denn beschallt wird der Osthafen – ein Gelände über einen halben Quadratkilometer groß. Das braucht eine ganz eigene Musik. „Lange gehaltene Akkorde würden über die große Entfernung zusammenfließen, beim Zuhörer käme nur Klangbrei an.“ Also mussten schnelle, rhythmische Tonabfolgen her. Christof Schläger hat sie selbst komponiert.
Christof Schläger und seine Frau Marjon Smit in ihrem Atelier in der Maschinenhalle Teuroburgia.
Ein Spektakel für Ohr und Auge
Die ganze Partitur ist in seinem tragbaren Computer und mit dem steuert er sein Industrieorchester auf den Punkt. Das ist wichtig. Denn die riesigen Instrumente sind auf drei Klanginseln verteilt: je eine auf jeder Kanalseite und eine auf einem Eisenbahnwaggon, der von einer Diesellok der Wanne-Herner Eisenbahn über das Gelände gezogen wird. So gibt es stets wechselnde Musikeindrücke auf die Ohren.
Auch für die Augen wird die etwa einstündige Industrieoper viel bieten: neben einem Feuerwerk auch das schon erwähnte Betonpumpenballett. Christoph Schlägers Ehefrau, die niederländische Schauspielerin und Dramaturgin Marjon Smit, hat es choreographiert. Statt zartgliedriger Ballerinas hat sie es mit sieben eher elefantösen Betonpumpen und zwei nicht minder ungrazilen Baggern zu tun. "Dank Computer alles kein Problem", sagt Marjon Smit. Die riesigen Industriemonster „bewegen sich auf die Sekunde genau nach Drehbuch“. Mehr will sie vorab noch nicht verraten. Die Herner und ihre Kulturhauptstadt-Gäste sollen sich lieber selbst ein Bild machen.
Mit diesem Modell-LKW samt draufgesetzter Mini-Betonpumpe entwickelte Marjon Smit ihr Betonpumpen-Ballett.
4.000 Menschen werden am Kanal erwartet
Wer am 1. Oktober die „Schwingungen“ live erleben will, sollte rechtzeitig da sein. Bis zu 4.000 Menschen haben am Nordufer des Kanals, östlich der Schleuse Wanne-Eickel, sicher und bequem Platz. Danach wird das Gelände aus Sicherheitsgründen geschlossen. „Wer keinen Platz mehr bekommt, wird aber nicht leer ausgehen“, beruhigt Hernes Kulturhauptstadt-Beauftragte Regina Stieler-Hinz. „Hören kann man 'Schwingungen' bestimmt in ganz Wanne.“
Übrigens: "Schwingungen" lockt schon jetzt viele internationale Gäste an. Zum Kulturhauptstadtjahr veranstaltet der Regionalverband Ruhr am Wochenende 29. September/ 1. Oktober einen "Europäischen Zukunftskongress zum Emscher Landschaftspark". 500 Teilnehmer werden dafür ins Ruhrgebiet kommen, 300 haben schon jetzt angemeldet, dass sie anschließend nicht sofort nach Hause fahren, sondern auf jeden Fall mit "Schwingungen" den Herner Abschluss des Kulturkanals miterleben wollen.
Service kompakt:
Parken und Zugang sind ausschließlich über das Cranger Kirmes-Gelände möglich. Der Einlass erfolgt ab 18 Uhr über die Schleuse. Beginn der Veranstaltung um 19 Uhr, Dauer circa eine Stunde. Glasflaschen dürfen nicht auf das Gelände mit gebracht werden. Getränke und Kleinigkeiten zu Essen werden auf dem Gelände verkauft. Ohrstöpsel werden kostenlos zur Verfügung gestellt. 20 mobile Toilettenhäuschen sind auf dem Gelände erreichbar. Der Rhein-Herne-Kanal ist für den Schiffsverkehr gesperrt, er ist außerdem mit einem Absperrgitter gesichert.