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Standuhr mit Orgelwerk

Standuhr mit Orgelwerk


Orgelpfeifen, eine fünfköpfige Militärkapelle und die Figur eines Engels sind Blickfang dieser Musikuhr besonderer Art, die das Emschertal-Museum sein Eigen nennt. Schöpfer dieses kuriosen Werkes war der in Herne ansässige Bauer Heinrich Kuenkamp (1813 - 1881). In seiner karg bemessenen Freizeit widmete er sich zwei Leidenschaften: der Reparatur von Uhren und der Pflege der Orgel der inmitten des Dorfes Herne gelegenen St. Dionysius-Kirche.

Die Kenntnisse auf diesen beiden Gebieten vereinigte er beim Bau der Musikuhr. Ihre Fertigung beanspruchte insgesamt zehn Jahre. Das Mahagoni furnierte Gehäuse, bestehend aus einem Sockel, einem Mittelteil mit verglaster Tür und einem Aufsatz mit geschweiftem Giebel, gab er bei der Herner Schreinerwerkstatt Georg Veuhoff in Auftrag. Kuenkamp selbst fertigte das Orgelwerk mit 13 Registern und 100 Pfeifen an, er schuf das Uhrwerk, das Zifferblatt und die Zeiger. Er schnitzte und bemalte die Figuren der Militärkapelle und des Engels, dem er die Funktion einer Pendellinse zugewiesen hatte, er arbeitete die beiden rechts und links des Zifferblattes montierten Wählscheiben, auf denen man mit Hilfe eines Zeigers Tänze oder Choräle auswählen konnte. Bei den Chorälen hatte man die Auswahl zwischen "Ach bleib mit deiner Gnade", "Lobe den Herren", "Lass mich gehen", "Weinet nicht, Gott lebet noch" und "Gott ist getreu". Außerdem ertönten das Lied "Freiheit, die ich meine", ein Ländler und ein Walzer.

Nach dem halben oder vollen Stundenschlag ertönte dann eines dieser Musikstücke, das die Uhr nicht nur akustisch, sondern auch optisch belebte: Der Dirigent der Militärkapelle schwang seinen Taktstock, die Musiker hoben ihre Trompeten an die Lippen, und die Figur des Engels hüpfte auf und nieder.

Über diese Fertigkeiten verfügt die Uhr heutzutage nicht mehr. 1954 gelangte sie – bereits altersgeschwächt – in das Emschertal-Museum. Die Mechanik zur Bewegung der Figuren und das Musikwerk widersetzen sich bis heute hartnäckig jeglichen Restaurierungsversuchen. Nur noch die Uhr tickt und zeigt an, was die Stunde geschlagen hat.

Standuhr mit Orgelwerk
Heinrich Kuenkamp, Georg Veuhoff.
Herne, 1858-1868.
Nadelholz, Mahagoni furniert,
Messing, Eisen, Zinn, Email, Holz.
Höhe 2,20 m, Breite 0,80 m, Tiefe 0,45 m.


© Stadt Herne, Emschertal-Museum, Dr. Gabriele Wand-Seyer
 
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