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doppelwandiges Becherglas mit inliegender Goldfolie

Zwischengoldbecher


Der Zwischengolddekor ist eine Technik zur Verzierung von Glas mit Goldfolie. Dieser Dekor war bereits in vorrömischer Zeit bekannt und erfreute sich im Mittelmeerraum, besonders in Alexandria, im 2. bis 4. Jahrhundert n. Chr. besonderer Beliebtheit. Ein weiteres Mal gelangte die Technik des Zwischengolddekors zwischen 1700 und 1750 in Böhmen zur Blüte.

Zwischengoldgläser sind doppelwandig. Der gezeigte Becher besteht aus einem Kernglas mit gefalztem Rand, dem darüber gestülpten Mantelglas und aus einer Bodenplatte. Der Dekor erweckt nur auf den ersten Blick den Eindruck, das Blattgold sei auf die Wandung des Gefäßes aufgelegt worden. Tatsächlich befindet er sich aber zwischen dem Kern- und dem Mantelglas.

Für die Herstellung des Dekors wird auf das kleinere Kernglas transparenter Klebstoff aufgetragen und anschließend eine Goldfolie appliziert, aus der man mit Hilfe von Klingen und Gradiernadeln die gewünschten Motive herausarbeitet. Danach erfolgt der Anstrich des Bodens mit roter Lackfarbe und die Auflage eines Blattgoldmotives. Vor dem Einsetzen des Kernglases wird das Mantelglas mit farblosem Öl ausgespült, um Lufteinschlüsse und dadurch verursachte Lichtbrechungen zu vermeiden. Zum Abschluss wird der Boden eingesetzt und ebenso wie der gefalzte Rand abgedichtet.

Zwischengoldgläser waren zu ihrer Blütezeit im 18. Jahrhundert außerordentlich beliebte Geschenkartikel und Souvenirs. Die Vielfalt der Motive war erstaunlich: Neben figuralen Motiven, beispielsweise musizierenden Gruppen, standen solche mit religiöser oder aktueller politischer Thematik. Besonders gefragt waren jedoch Becher mit Jagdszenen, die als Trinkbecher beim Abschlussmahl einer Jagd einer ritualisierten Verwendung unterlagen. Der eingangs vorgestellte Becher ist ein charakteristisches Beispiel dieser zu seiner Zeit besonders nachgefragten Glasform und Verzierungstechnik.

Zwischengeldbecher
Böhmen, 1. Hälfte 18. Jahrhundert, Konischer Becher aus farblosem, modelgeblasenem Kristallglas. 18-teiliger, polierter Eckenschliff. Doppelwandig mit Golddekor und Lackmalerei zwischen den Wandungen. Darstellung einer Bärenjagd durch Jäger in Rokokotracht. Szenerie eingefasst durch Blattfries und Girlandenbordüre. Boden mit roter Lackmalerei. Höhe 8,7 cm, Durchmesser 7,1 cm


© Stadt Herne, Emschertal-Museum, Dr. Gabriele Wand-Seyer
 
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