Lutherstadt Eisleben - Ein Beitrag zur deutschen Einheit
Lange vor der rasanten politischen Entwicklung in der ehemaligen
DDR bemühte sich die Stadt Herne um partnerschaftliche Beziehungen zu Eisleben, wurde aber vom
SED-gesteuerten Regime immer wieder abgewiesen. Unmittelbar nach der Wende ging alles sehr schnell, denn das Bedürfnis, sich näher zu kommen, war auf beiden Seiten groß. Unterschrieben wurde der Vertrag am 31. Oktober 1990, einige Wochen nach der Wiedervereinigung.
Von bizarrer Schönheit ist die Hügellandschaft der Mansfelder Mulde, geprägt von unzähligen kleinen und großen Halden, die von der Bergbautradition dieses seit 7.000 Jahren besiedelten Landes künden. Mitten im Mansfelder Land liegt das tausendjährige Eisleben. Die heute 25.000 Einwohner zählende Stadt in Sachsen-Anhalt wurde 994 zum ersten Mal in einer Urkunde als Marktsiedlung erwähnt.
800 Jahre Bergbau
800 Jahre lang lebten die Eisleber vom Kupferschieferbergbau. Von dieser Zeit des Wohlstandes zeugen noch einige stattliche Gebäude: vier große Kirchen zum Beispiel und zahlreiche historische Profanbauten, zwei gut erhaltene Schlösser der Grafen von Mansfeld, die Rathäuser der Alt- und Neustadt sowie viele sehenswerte Bürgerhäuser. Eines Tages zogen der Bergmann Hans Luther und seine Ehefrau Margarethe nach Eisleben - ein scheinbar unbedeutendes Ereignis. Doch ihr Sohn Martin, der hier 1483 geboren wurde und 1546 starb, gab der Stadt Bedeutung und den Beinamen Lutherstadt. Heute ziehen die Luthergedenkstätten Zehntausende von Touristen aus dem In- und Ausland an.
Luther, wohin das Auge blickt
Luthers Geburtshaus brannte zwar 1689 aus, konnte aber kurz darauf originalgetreu wiederhergestellt werden. Seit 1817 ist es eine museale Gedenkstätte. Im Sterbehaus am Andreaskirchplatz erinnert an den Reformator einiges: das Bahrtuch, der Abguss der Totenmaske und ein Historienbild, das die letzten Stunden in seinem Leben schildert. Untergebracht ist in diesem historischen Gebäude auch das Heimatmuseum, zu dessen herausragenden Sehenswürdigkeiten bronzezeitlicher Goldschmuck aus einem Fürstengrab und ein Boot aus der gleichen Epoche zählen. In der Turmkapelle der Peterskirche wurde Luther am 11. November 1483 getauft. Auch die Pfarrkirche
St. Annen mit der in Europa einmaligen "Steinbilderbibel" und das sich daran anschließende 1515 gegründete Augustiner-Kloster mit seinen fünf schönen altfränkischen Mönchskammergiebeln ist eng mit dem Wirken Martin Luthers verbunden.
Stadtrundgang
Die Stadt vermittelt ein besonderes Flair, das Altes mit Neuem verbindet. Neben dem ältesten Wahrzeichen Eislebens, der Nicolai-Kirche, ist es die architektonische Schönheit des Marktes, die vielen Besuchern in Erinnerung bleibt. Hier dominiert die vieltürmige
St. Andreaskirche, in der Luther predigte. Der Blick auf das Marktensemble mit dem restaurierten Lutherdenkmal ist sicherlich Höhepunkt jeder Stadtführung.
Eisleben präsentiert sich heute als industrielle Kleinstadt, in der Lehre und Forschung und kulturelle Einrichtungen ihren Platz haben. Die Stadt ist Sitz der Landesbühne Sachsen-Anhalt. Außerdem gibt es ein Kulturhaus, das die städtische Kunstgalerie beherbergt. Zu den Hauptwirtschaftszweigen gehören die Dienstleistungsbranche und das Baugewerbe.
Neben den historischen laden auch andere Attraktionen zu einem Besuch ein. Vor den Toren Eislebens, am Süßen See, bietet ein Erholungszentrum mit internationalem Campingplatz, Bungalowsiedlungen, einem Segelhafen und gastronomischen Einrichtungen alles, was Gäste von einem Urlaubsort erwarten.
Einmal im Jahr wird in Eisleben der Wiesenmarkt gefeiert. Dann strömen die Menschen aus allen Himmelsrichtungen in die Stadt, um den historischen Festzug und das Jahrmarkttreiben zu erleben. Selbst bei ungünstigem Wetter lockt das größte Volksfest Mitteldeutschlands an einem Wochenende um die 250.000 Menschen an.
Sehenswürdigkeiten in der Umgebung
- Rosarium in Sangerhausen - größte Rosensammlung der Welt
- Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss
- Novalis-Gedenkstätte im Schloss der Familie Hardenberg im Landkreis Hettstedt
- Bergbaumuseum in Wettelrode
- Fachwerkstadt Stolberg
- Kyffhäuser mit Denkmal, Burgruine und Barbarossahöhle
- Panoramagemälde in Bad Frankenhausen
- Burg Falkenstein - spätromanische Wehranlage mit gotischer Kapelle, Bergfried mit weitem Rundblick, gut erhaltene Kernburg
- Rübeland mit Tropfsteinhöhle
- Brocken
- Schloss Mansfeld, kirchliche Tagungs- und Freizeitstätte des CVJM-Ostwerkes - spätgotische Schlosskirche, Wallgräben
- Mansfelder Bergwerksbahn zwischen Klostermannsfeld und Hettstedt, Museumsbahn im Dampfbetrieb
- Stadt Mansfeld, Luthers Elternhaus, Gaststätte "Zur guten Quelle", seit 1430 in Betrieb
- Klosterruine St. Maria in Helfta, einer der Geburtsorte der deutschen Frauenmystik