Röhlinghausen im Ausnahmezustand:
Luftmine innerhalb von 40 Minuten entschärft
Für Aufsehen sorgte die Luftmine natürlich auch unter den Medienvertretern.
Feuerwerker Horst Firzlaff zeigt für die Fotografen auf den kritischen Zünder.
Von Silke Bender (Text) und Thomas Schmidt (Fotos)
Das Handwerkzeug von Kampfmittelräumern besteht aus Zangen. Kneifzange, Rohrzange, Detonatorenzange. Mehr hat Horst Firzlaff am Samstag, 23. Juli 2005, nicht benötigt, um eine 1.800 kg schwere und mit 1.400 kg Sprengstoff gefüllte Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg zu bezwingen. In einer Rekordzeit von 40 Minuten. Ihm ging es vorher nicht schlecht, aber "jetzt geht es mir besser", meinte der 55-Jährige nach getaner Arbeit.
Man male sich einmal aus, man müsste selbst in so ein Erdloch hinabsteigen und an drei Zündern herumtüfteln, die bei falscher Handhabung die Explosion des gesamten Sprengstoffs herbeiführen... Vorher ruhig schlafen - unmöglich wäre das! Doch Horst Firzlaff, der ab der ca. 120. Bombe aufgehört hat, seine brenzligen Einsätze zu zählen, hat tatsächlich auch in der Nacht auf den 23. Juli beide Augen zugemacht. Ob es Uwe Pawlowski auch so erging, ist nicht überliefert. Der 42-Jährige absolviert beim Kampfmittelräumdienst Arnsberg seine Ausbildung zum Truppführer - und "durfte" Meister Firzlaff bei der Luftmine in Röhlinghausen - einer "HC 4000" - zur Hand gehen. Für ihn war es die Begegnung mit seiner fünften Bombe. Das Date in der Grube kommentierte Pawlowski anschließend mit den Worten: "Die Anspannung ist sehr groß gewesen - aber ich habe viel gelernt." Ausbildungsziel erreicht, würde man an dieser Stelle wohl trocken bemerken.
Das Handwerkzeug von Kampfmittelräumern besteht aus Zangen. Kneifzange, Rohrzange, Detonatorenzange. Mehr hat Horst Firzlaff am Samstag, 23. Juli 2005, nicht benötigt, um eine 1.800 kg schwere und mit 1.400 kg Sprengstoff gefüllte Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg zu bezwingen. In einer Rekordzeit von 40 Minuten. Ihm ging es vorher nicht schlecht, aber "jetzt geht es mir besser", meinte der 55-Jährige nach getaner Arbeit.
Man male sich einmal aus, man müsste selbst in so ein Erdloch hinabsteigen und an drei Zündern herumtüfteln, die bei falscher Handhabung die Explosion des gesamten Sprengstoffs herbeiführen... Vorher ruhig schlafen - unmöglich wäre das! Doch Horst Firzlaff, der ab der ca. 120. Bombe aufgehört hat, seine brenzligen Einsätze zu zählen, hat tatsächlich auch in der Nacht auf den 23. Juli beide Augen zugemacht. Ob es Uwe Pawlowski auch so erging, ist nicht überliefert. Der 42-Jährige absolviert beim Kampfmittelräumdienst Arnsberg seine Ausbildung zum Truppführer - und "durfte" Meister Firzlaff bei der Luftmine in Röhlinghausen - einer "HC 4000" - zur Hand gehen. Für ihn war es die Begegnung mit seiner fünften Bombe. Das Date in der Grube kommentierte Pawlowski anschließend mit den Worten: "Die Anspannung ist sehr groß gewesen - aber ich habe viel gelernt." Ausbildungsziel erreicht, würde man an dieser Stelle wohl trocken bemerken.
Der ASB half bei der Räumung des DRK-Altenhilfezentrums an der Bergmannstraße.
Einem Team des WDR und anderen Reportern steht Firzlaff nach der erfolgreichen Entschärfung Rede und Antwort.
Präzisionsarbeit in nur 40 Minuten
In nur 40 Minuten schafften es Firzlaff und Pawlowski, das große Ungetüm aus dem Zweiten Weltkrieg (Länge 2 Meter, Durchmesser 75 cm) unschädlich zu machen. Der Schlagbolzen am kritischen Zünder, der durch den Aufprall schon ins Innere der Bombe vorgeprescht war, konnte ohne Probleme mit der Kneifzange herausgezogen werden. Anschließend schraubte das kampfmittelerprobte Team den Zünder heraus und Firzlaff machte sich an die kniffelige Aufgabe, den Detonator zum Vorschein zu bringen. 20 Minuten pro Zünder hatte er ursprünglich gerechnet - er blieb unter der Zeit und stellte sich schneller als erwartet wieder der Presse, die ihn vor und nach der Entschärfung zumindest mit Fragen bombardierten. Was ihm von Angesicht zu Angesicht mit der noch scharfen Mine durch den Kopf gehe, wollte etwa jemand wissen. "Mir geht die Funktionsweise der Zünder durch den Kopf", antwortete der Profi, der sich durch Nichts - auch nicht durch die noch zahlreichen Wünsche von Fotografen und Kameramann kurz vor Beginn der Maßnahme - aus der Ruhe bringen ließ. "Geduld ist ganz wichtig", hatte der Feuerwerker von jeher betont. Dass er darin wahrlich meisterhaft geschult ist, bewies er am Samstag.
Lob an die Bevölkerung
Die Ruhe bewahrten allerdings viele Menschen mehr während der Großaktion. Karl-Wilhelm Schulte-Halm vom städtischen Fachbereich Öffentliche Ordnung, ebenfalls ein erprobter Mann in Sachen Bomben und Evakuierung, lobte die Bevölkerung in Röhlinghausen: "Ich möchte mich bei den Bewohnern bedanken, sie waren alle sehr vernünftig und haben ihre Häuser rechtzeitig verlassen." Nur in zwei Fällen hätte die Polizei, die übrigens mit 150 Beamten vor Ort war, die überzeugenden Argumente für das Befolgen der Anweisungen der Stadt liefern müssen. Insgesamt mussten an die 11.000 Menschen den Gefahrenbereich verlassen bzw. Kellerräume aufsuchen. 120 Mitarbeiter der Verwaltung hatten sich am Samstagmorgen in der Realschule an der Burg versammelt und waren dann grüppchenweise ausgeschwärmt, um sich vom Leerstand der Wohnungen zu überzeugen und Sperrposten zu beziehen.
Auf dem Schulhof der Realschule kam der neue Einsatzleitwagen der Feuerwehr erstmals zum Einsatz. Peter Gawron, stellvertretender Feuerwehrchef, behielt von dort aus den Überblick über alle zur Verfügung stehenden Transport- und Löschfahrzeuge von DRK, ASB und eben Feuerwehr. Am Nachmittag konnte er Bilanz ziehen: 58 kranke oder gehunfähige Menschen hatten im Rahmen der Evakuierung Hilfe zum Verlassen der Gefahrenzone geordert, eine Person wurde in Begleitung des Notarztes ins Krankenhaus gebracht. Reibungslos verlief auch das Räumen des DRK-Altenhilfezentrums an der Bergmannstraße. Der Malteser Hilfsdienst kümmerte sich in der Sporthalle im Sportpark Wanne-Süd um rund 50 Personen, die sich für die Zeit der Sperrung dort eingefunden hatten. Mit prall gefüllten Verpflegungsbeuteln für alle Helfer bewies auch das THW ein gutes Gespür in Sachen Betreuung.
In nur 40 Minuten schafften es Firzlaff und Pawlowski, das große Ungetüm aus dem Zweiten Weltkrieg (Länge 2 Meter, Durchmesser 75 cm) unschädlich zu machen. Der Schlagbolzen am kritischen Zünder, der durch den Aufprall schon ins Innere der Bombe vorgeprescht war, konnte ohne Probleme mit der Kneifzange herausgezogen werden. Anschließend schraubte das kampfmittelerprobte Team den Zünder heraus und Firzlaff machte sich an die kniffelige Aufgabe, den Detonator zum Vorschein zu bringen. 20 Minuten pro Zünder hatte er ursprünglich gerechnet - er blieb unter der Zeit und stellte sich schneller als erwartet wieder der Presse, die ihn vor und nach der Entschärfung zumindest mit Fragen bombardierten. Was ihm von Angesicht zu Angesicht mit der noch scharfen Mine durch den Kopf gehe, wollte etwa jemand wissen. "Mir geht die Funktionsweise der Zünder durch den Kopf", antwortete der Profi, der sich durch Nichts - auch nicht durch die noch zahlreichen Wünsche von Fotografen und Kameramann kurz vor Beginn der Maßnahme - aus der Ruhe bringen ließ. "Geduld ist ganz wichtig", hatte der Feuerwerker von jeher betont. Dass er darin wahrlich meisterhaft geschult ist, bewies er am Samstag.
Lob an die Bevölkerung
Die Ruhe bewahrten allerdings viele Menschen mehr während der Großaktion. Karl-Wilhelm Schulte-Halm vom städtischen Fachbereich Öffentliche Ordnung, ebenfalls ein erprobter Mann in Sachen Bomben und Evakuierung, lobte die Bevölkerung in Röhlinghausen: "Ich möchte mich bei den Bewohnern bedanken, sie waren alle sehr vernünftig und haben ihre Häuser rechtzeitig verlassen." Nur in zwei Fällen hätte die Polizei, die übrigens mit 150 Beamten vor Ort war, die überzeugenden Argumente für das Befolgen der Anweisungen der Stadt liefern müssen. Insgesamt mussten an die 11.000 Menschen den Gefahrenbereich verlassen bzw. Kellerräume aufsuchen. 120 Mitarbeiter der Verwaltung hatten sich am Samstagmorgen in der Realschule an der Burg versammelt und waren dann grüppchenweise ausgeschwärmt, um sich vom Leerstand der Wohnungen zu überzeugen und Sperrposten zu beziehen.
Auf dem Schulhof der Realschule kam der neue Einsatzleitwagen der Feuerwehr erstmals zum Einsatz. Peter Gawron, stellvertretender Feuerwehrchef, behielt von dort aus den Überblick über alle zur Verfügung stehenden Transport- und Löschfahrzeuge von DRK, ASB und eben Feuerwehr. Am Nachmittag konnte er Bilanz ziehen: 58 kranke oder gehunfähige Menschen hatten im Rahmen der Evakuierung Hilfe zum Verlassen der Gefahrenzone geordert, eine Person wurde in Begleitung des Notarztes ins Krankenhaus gebracht. Reibungslos verlief auch das Räumen des DRK-Altenhilfezentrums an der Bergmannstraße. Der Malteser Hilfsdienst kümmerte sich in der Sporthalle im Sportpark Wanne-Süd um rund 50 Personen, die sich für die Zeit der Sperrung dort eingefunden hatten. Mit prall gefüllten Verpflegungsbeuteln für alle Helfer bewies auch das THW ein gutes Gespür in Sachen Betreuung.
Eine auto- und (fast) menschenleere Wakefieldstraße - nur die Polizisten durften hier Stellung beziehen.
Die "HC 4000" ist bereit für den Transport nach Büren. Die beiden Räumarbeiter Roland Masur (li.) und Uwe Pawlowski legen letzte Hand an.
Hülle der "Litfasssäule" kommt zurück nach Herne
Bei der Bergung der entschärften Luftmine spielte das THW ebenfalls eine tragende Rolle: Ein Spezialfahrzeug des Hilfswerks holte die "Litfasssäule", im Krieg als so genannter "Wohnblock-Knacker" eingesetzt, aus dem Erdreich und beförderte sie zu dem LKW vom Kampfmittelräumdienst. Mit viel Gefühl wurde der 1.800-kg-Koloss verladen und für die Fahrt nach Büren gut gesichert. Dort wird das Fundstück aus Röhlinghausen nun in einem Munitionslager aufgeschnitten, der Sprengstoff herausgenommen und verbrannt. Die Hülle kommt dann wieder zurück nach Herne - und wird den Flur des Fachbereichs Öffentliche Ordnung am Berliner Platz schmücken.
Bei der Bergung der entschärften Luftmine spielte das THW ebenfalls eine tragende Rolle: Ein Spezialfahrzeug des Hilfswerks holte die "Litfasssäule", im Krieg als so genannter "Wohnblock-Knacker" eingesetzt, aus dem Erdreich und beförderte sie zu dem LKW vom Kampfmittelräumdienst. Mit viel Gefühl wurde der 1.800-kg-Koloss verladen und für die Fahrt nach Büren gut gesichert. Dort wird das Fundstück aus Röhlinghausen nun in einem Munitionslager aufgeschnitten, der Sprengstoff herausgenommen und verbrannt. Die Hülle kommt dann wieder zurück nach Herne - und wird den Flur des Fachbereichs Öffentliche Ordnung am Berliner Platz schmücken.




