Belgorod - erster Partner aus Osteuropa
Als Herne am 19. Februar 1990 die Partnerschaft mit dem damals noch zur Sowjetunion gehörenden Belgorod schloss, knüpfte die Stadt erstmals freundschaftliche Bande mit einer Kommune Osteuropas. Von einem "neuen Kapitel im Buch unserer Städtepartnerschaften" sprach damals Hernes Oberbürgermeister Willi Pohlmann.
Die weißen Felsen
Belgorod liegt am Oberlauf des Donez, im Süden Russlands und 695 Kilometer von Moskau entfernt. Die Stadt auf dem "Weißen Berg" erhielt ihren Namen von den Kalk- und Kreidefelsen, an denen sie gebaut ist. Über 300.000 Menschen bevölkern heute die Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks an der Grenze zu Weißrussland und der Ukraine. Die Wurzeln der Metropole reichen bis auf ein Wehrdorf zurück, das gegen die Eroberer aus Asien errichtet wurde. Eine Festung bildete hier das militärische Zentrum des Erdwalls an der Südgrenze, an dem das Tatarenheer Dschinghis Khans aufgehalten wurde. Der Bau der Eisenbahnlinie Kursk-Charkow-Losowaja (1869) beflügelte dann auch die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt deutlich.
Vor der Oktoberrevolution prägten 14 Kirchen und zwei Klöster das Stadtbild. Gläubige von weither pilgerten zu den Reliquien des "heiligen Josef", eines ehemaligen Abtes. Früher als in anderen Städten des Kursker
Gouvernements gründete sich in Belgorod der Arbeiter- und Soldatenrat am 12. März 1917. Die ersten Fünfjahrespläne leiteten die Industrialisierung ein.
Schwere Panzerschlachten
Während des Zweiten Weltkriegs tobten am "Kursker Bogen" schwere Panzerschlachten, die Tausenden von Menschen das Leben kosteten und die Stadt weitgehend zerstörten. Zweimal eroberte die Deutsche Wehrmacht Belgorod. Am 5. August 1943 drängte die Sowjetarmee die Invasoren endgültig zurück - dieser Tag wird heute in Belgorod als Gedenktag begangen. Die Stadt begann mit dem Wiederaufbau, denn die halbe Stadt lag in Schutt und Asche. Über 5.000 Menschen arbeiteten in Baubrigaden. Und schon 1948/49 überschritt die Produktion der Industriebetriebe das Vorkriegsniveau.
Belgorod entwickelte sich zu einem Mittelpunkt der Konserven-, Bekleidungs- und Baustoffindustrie, der Metallkonstruktionsbau und das Kesselbauwerk erlangten landesweites Renommee. Kalkstein- und Zementfabriken nutzen die nahegelegenen "weißen Felsen" als Rohstoffquelle.
Belgorod liegt im Zentrum eines Eisenerzbeckens. Das Kombinat Starej-Oskol - eines der größten Abbaugebiete Europas - verhüttet für den Eigenbedarf und exportiert den Rest. An Gemüse und Obst herrscht in Belgorod kein Mangel, liegt die Stadt doch inmitten der fruchtbaren Schwarzerde-Zone.
In der Umgebung erstrecken sich neben Kiefernwäldern, Steppe und Heide auch riesige Äcker, auf denen Getreide, Kartoffeln, Zwiebeln, Äpfel und Birnen prächtig gedeihen.
Die "Perestroika" hat zunächst einmal die Lebensverhältnisse verschlechtert: Rasante Preiserhöhungen, niedrige Löhne und eine hohe Inflationsrate waren die Folge. Doch die Belgoroder ließen sich nicht entmutigen: Sie gründeten Privatunternehmen, Privatbanken, Genossenschaften. Die Privaten spezialisierten sich auf die Produktion von Schweißgeräten, Möbeln, Massenbedarfsartikeln
usw.
An vier Hochschulen studieren junge Frauen und Männer Pädagogik, Technologie, Wirtschaftswissenschaften und Landwirtschaft. Unter anderem gibt es auch eine Fachschule für Bau- und Industrietechnik sowie ein Musiktechnikum. Trotz Einführung von Studiengebühren erhöht sich die Zahl der Studierenden ständig.
Kultur in Belgorod
Belgorod ist eine großflächige Stadt mit breit angelegten Straßen und Parks, die sich bis in die Innenstadt ziehen. Im Zentrum liegt der Platz der Revolution, umsäumt vom Dramatischen Theater, dem Hochzeitspalast, dem Hotel "Belgorod" und dem Gebäude der Gebietsverwaltung. Das Schepkin-Theater spielt sowohl europäische Klassiker als auch Stücke zeitgenössischer russischer Autoren. Für kulturelle Vielfalt sorgen außerdem die Staatsphilharmonie, ein bekanntes Puppentheater, das Volkskundemuseum, die Angebote in den Kulturpalästen sowie Chöre, Orchester und Volkstanzgruppen.
Sehenswertes
- Diarama / Kriegsmuseum: Eine riesige gemalte und plastische Darstellung (67 Meter lang, 15 Meter hoch) erinnert an die Schlacht am "Kursker Bogen".
- Schepkin-Theater
- Staatliche Philharmonie
- Volkskundemuseum
- Christi-Verklärungs-Kirche
- Lenin-Park
- Platz der Revolution mit Theater, Hochzeitspalast, Gebäude der Gebietsverwaltung (ehemalige KGB-Residenz) und Hotel Belgorod