Die Schar der Oberbürgermeister und Kämmerer war gegen 10 Uhr mit Transparenten und unter Beobachtung der Medien in das Landtagsgebäude eingezogen. Auf den Tag genau vor einem Jahr hatten die Städte in Oberhausen ihr viertes Memorandum zur bedrückenden Situation der Gemeindefinanzen vorgelegt. Nachhaltige Reaktionen erhielten sie auf Bestandsaufnahme und Handlungsvorschläge nicht, weshalb vor einigen Monaten parteiübergreifend das Aktionsbündnis „Raus aus den Schulden“ gegründet wurde. Der heutige Protest in Düsseldorf ist als Beginn einer Reihe von Aktionen zu sehen: Das Aktionsbündnis fordert schnelles und konzertiertes Handeln zum Erhalt der Lebensqualität in den strukturschwachen Kommunen. „Wir müssen der Bevölkerung eine Perspektive aufzeigen, die Menschen müssen wissen, warum sie sparen“, erläuterte der Wuppertaler Oberbürgermeister Peter Jung.
Finanzminister Linssen bestätigte in der anschließenden Pressekonferenz, dass die
NRW-Städte besonders betroffen sind: „
NRW hält quasi die Hälfte der Kassenkredite in Deutschland.“ Allein auf die Aktionsbündnis-Städte entfallen 32,9 % der bundesweit aufgenommenen kommunalen Kassenkredite, wobei sie nur 5,9 % der Einwohner in den Flächenländern repräsentieren. Linssen zeigte daher „viel Verständnis für die Kommunen, dass sie mit der Idee eines Entschuldungsfonds auf uns zukommen“. Er versprach eine „Gesprächsreihe, die wir jetzt beginnen werden“, und das Aufarbeiten der Thematik in den nächsten Wochen und Monaten.
Ausdrücklich wiesen die Stadtvertreter heute erneut den Vorwurf zurück, ihre Finanznot sei allein hausgemacht und Folge schlechter Stadtpolitik. Sie berufen sich dabei unter anderem auch auf eine Einschätzung des bundesweit renommierten Finanzwissenschaftlers Professor Martin Junkernheinrich, der die öffentlichen Finanzen speziell der
NRW-Städte seit Jahren intensiv beobachtet. Danach hätten in der Vergangenheit vor Ort getroffene kommunalpolitische Fehlentscheidungen gegenüber dem riesigen Schuldenberg auf Grund bundes- und landespolitischer Gesetze in der Gesamtheit nur untergeordnete Bedeutung.
„Wir brauchen die Unterstützung des Landes, wenn wir uns entschulden wollen“, erklärte die Mülheimer Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld zu Beginn der Pressekonferenz im Landtag. „Wir sind mit dem Kopf unter Wasser“, unterstrich ihr Kollege Jung.