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Titel des Buches Nahtstellen, fühlbar, hier...

Gedächtnis und Auseinandersetzung... Ein Buch zur Geschichte der Juden in Herne und Wanne-Eickel


Nahtstellen. Jüdisches Leben im Zentrum von Herne und Wanne-Eickel. Selbstbewusste Gemeinden im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Verfolgung und Vertreibung während des Nationalsozialismus. Überlebende und Rückkehrer. Ein neuer Anfang nach 1945. Die ungewisse Gegenwart.
Fühlbar. Die Leere im Zentrum der Stadt. Trauer und Verlust in den Erinnerungen der Überlebenden. Unbehagen und Befangenheit der Betrachtenden. Wie wird das begreifbar, was nicht mehr ist?
Hier. Ein Platz im Zentrum der Stadt: 1942 der Ausgangsort der Deportationen. Umgeben von Tätern, Profiteuren und Zuschauern. Versuche der Rekonstruktion: Historische Analysen, Erinnerungen und Gespräche. Ein Buch über die Geschichte der Juden in Herne und Wanne-Eickel - als Beispiel.

„Nahtstellen, fühlbar, hier“ - ein Zitat aus einem Gedicht Paul Celans - scheint ein befremdlicher Titel für ein Buch zur Geschichte der Juden in Herne und Wanne-Eickel zu sein. Aber allein der Titel verweist auf Kontinuitäten und Brüche des deutsch-jüdischen Lebens, die bis heute vorhanden sind und zu kritischer Auseinandersetzung Anlass geben.

Das Buch beginnt mit der Darstellung der Entwicklung der lokalen jüdischen Gemeinden vom Kaiserreich bis heute. Jüdische Menschen waren dabei Handelnde, Subjekte der Geschichte und führten selbst unter der Bedrängnis des NS-Systems ein eigenes Leben, das allerdings zunehmend von den antisemitischen Repressionen zerstört wurde. Dabei wird die Rolle der Täter und Profiteure nicht ausgeklammert, und der Frage, wie Ausgrenzung und „Arisierung“ vor Ort funktionierten, nachgegangen. Auch nach 1945 gab es jüdisches Leben in Herne und Wanne-Eickel, das allerdings unter anderen Vorzeichen stand: Wie gelang es den Überlebenden mit den traumatischen Erfahrungen der Shoah im „Land der Täter“ umzugehen?

Der abschließende Teil ist mit autobiographischen Erzählungen, Interviews und Porträts den Erinnerungen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen verpflichtet, in denen die Intensität der persönlichen Erfahrungen spürbar bleibt. Dabei präsentiert das Gedächtnisbuch keine Geschichte, die es erlauben würde, einen bequemen Sicherheitsabstand zu den Geschehnissen einzunehmen.

Ralf Piorr (Hrsg.): "Nahtstellen, fühlbar, hier... – Zur Geschichte der Juden in Herne und Wanne-Eickel", Klartext Verlag, Essen 2002

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