Am 28. Mai 2010 ist das Dortmunder U eröffnet worden. Und weil herne.de auch mal über den Tellerrand schaut, haben wir uns in Dortmunds neuem Vorzeige-, Ausstellungs- und Kreativstandort umgesehen.
Fotos: Thomas Schmidt, Text: Christoph Hüsken
Ein Neubau ist einfacher
Fertig ist anders, langweilig aber auch. Baustaub liegt in der Luft und wirklich ist das große Gebäude am Dortmunder Königswall, einem Teil des Innenstadtrings, noch eine Riesenbaustelle. Das ehemalige Kellereihochhaus der Union-Brauerei, gebaut 1926/27, stand seit 2004 einsam und verlassen an exponierter Stelle der größten Stadt des Ruhrgebiets. Das weithin sichtbare U in 56 Metern Höhe erhielt es erst 1968 und wurde somit vom Bierbau zum Wahrzeichen – und jetzt wird es als Dortmunder U zum Zentrum für Kunst und Kreativität. Seit Januar 2008 laufen die Arbeiten, bei denen die alte Bausubstanz erhalten wird. „Das ist viel schwerer als einfach einen Neubau hinzusetzen“, wie einer der kundigen Baustellenführer beim Presserundgang zu erläutern weiß.
Symphonie in Staub und Licht
Fast gewinnt man den Eindruck, der momentane Zustand des künftigen Kulturkomplexes sei schon ein Kunstwerk an sich. Denn während Dortmunds OB Ullrich Sierau, RUHR.2010-Vorsitzender Fritz Pleitgen und NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff sich in einem provisorisch hergerichteten Saal den Fragen der Medienvertreter stellen, dringt aus den umliegenden Räumen Baulärm herein und Staubschwaden ziehen durch das weiße Licht der Neonröhren. Im Foyer treffen Kunst und Handwerk noch massiver aufeinander. Adolf Winkelmann, Dortmunder Filmemacher, erläutert seine fertige Installation mit Bildern aus dem Revier, die durch elf Videoprojektoren über den Köpfen der Besucher sichtbar wird, während im Hintergrund Maler die Wände weißen.
Gerüstlärm und Stimmengewirr
Dort, wo die Besucher bald nach oben in eine der sieben Etagen gelangen, sieht es noch wüster aus. Die Rolltreppen sind abgedeckt, Kabel baumeln aus der Decke und Gerüstbauer bauen lärmend ihre Konstruktion ab. Anweisungen schallen durch den Bau und unwillkürlich fühlt man sich an den biblischen Turmbau zu Babel erinnert. Immerhin herrscht auch auf der Baustelle ein Stimmengewirr, und wir befinden uns in einem Turm.
Der alte Dreiklang des Reviers
Richtig fertig werden soll die neue Kulturanlaufstelle erst im Oktober. Bis dahin werden noch einige Arbeitsstunden zu leisten sein, eines jedoch wird bei allem Baustellen-Charme bereits jetzt erkennbar. Das U hat das Potenzial, ein Magnet zu werden. Wie Zollverein für Kohle, der Landschaftspark Duisburg Nord für Stahl steht, so soll es nach den Wünschen von Dortmunds OB Sierau für das Bier stehen und damit den alten Revier-Dreiklang vervollständigen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wird die Eröffnung des Museums am Ostwall sein, das im September von der namensgebenden Straße ins für rund 48 Millionen Euro umgebaute U zieht. Einen Besuch lohnt der Kulturkomplex aber schon jetzt – und von Herne ist er praktisch mit dem Zug zu erreichen, denn der Dortmunder Hauptbahnhof liegt praktisch nebenan.