THORAXCHIRURGIE
Thoraxchirurgie boomt
Zunehmende Zahl der Lungenerkrankungen führt zur Spezialisierung am EvK
Die Zahlen sprechen für sich: Mit 56 Lungenoperationen im Jahr fing es 1982 an. 1992 waren es 200 Fälle und 2002 belief sich die Zahl der Patienten auf 1.000. Die Thoraxchirurgie am Evangelischen Krankenhaus (
EvK) Wanne-Eickel unter der Leitung von Chefarzt
Dr. Baldur Totzeck
boomt.
Angefangen hat alles im Jahr 1982, als
Dr. Baldur Totzeck zum
EvK Wanne-Eickel kam. Mit der ersten großen Lungenoberlappenresektion trat er den Beweis an, dass Thoraxchirurgie auch an einem Krankenhaus kleinerer Größenordnung möglich ist, sofern es eine gut ausgestattete chirurgische Abteilung hat. Inzwischen ist aus der Abteilung ein eigenständiges Thoraxzentrum erwachsen, das weit über die Stadtgrenzen Hernes hinaus Bedeutung besitzt. Denn das
EvK verfügt heute nicht nur über eine der größten thoraxchirurgischen Kliniken des Ruhrgebietes, sondern gehört auch zu den bedeutendsten Spezialeinrichtungen dieser Art in ganz Deutschland.
Diese Entwicklung ist darauf zurückzuführen, dass am
EvK Wanne-Eickel die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannt wurden und man entgegen eines allgemeinen Trends eine ganz eigene Linie verfolgte.
Zeichen der Zeit erkannt
Denn noch vor wenigen Jahren war es üblich, dass der Thoraxchirurgie sowohl an den Universitäten als auch in der medizinischen Praxis nur sehr wenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Nach wie vor beklagen Fachleute, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern der Europäischen Union und den
USA deutliche Defizite aufzuweisen hat.
Dabei steht diese Entwicklung im krassen Gegensatz zur Krankheitenstatistik. Zehn Prozent der Todesfälle in Deutschland gehen momentan auf Erkrankungen der Atmungsorgane zurück. Mehr als ein Drittel aller mit Entschädigungen verbundenen Berufskrankheiten entfällt auf Lungenerkrankungen mit ungünstiger Prognose. Bronchialkarzinome, chronische Lungenerkrankungen und Allergien werden bei anhaltendem Tabakkonsum weiter zunehmen. Insgesamt rechnet man mit einem Anstieg der pulmologischen Volkskrankheiten um 25 Prozent bis zum Jahr 2010, bei den malignen Lungenerkrankungen mit einem Anstieg um 30 Prozent. Umso mehr Bedeutung kommt einem Thoraxzentrum zu, wie es das
EvK beherbergt.
Theoretisch könnte sich die Chirurgische Abteilung der Klinik damit ausschließlich auf Thorax-Eingriffe konzentrieren. Doch das ist nicht im Sinne von
Dr. Totzeck. “Spezialistentum ist sicherlich eine gute Sache. Aber die allgemeine Chirurgie ist das Standardhandwerk, das ein Thoraxchirurg auch weiterhin beherrschen und ausüben sollte”, so der Chefarzt.
Nur in der Kombination dieser beiden Fachrichtungen könne seiner Meinung nach die Qualität gehalten werden, der das Thoraxzentrum am
EvK Wanne-Eickel seinen Ruf zu verdanken habe.
Aus sämtlichen umliegenden Städten kommen die Patienten zu dem Spezialistenteam um Chefarzt
Dr. Baldur Totzeck.
Doch trotz konstant weiter steigender Patientenzahlen will der Chefarzt auf keinen Fall, dass es zu Wartelisten für die Betroffenen kommt. “Gerade das hat uns immer von den Großkliniken in Deutschland unterschieden, die ausschließlich Thoraxchirurgie betreiben”, stellt
Dr. Totzeck fest. “Für mich ist wichtig, dass Patienten und niedergelassene Ärzte in uns sofort kompetente Ansprechpartner finden. Wartelisten halte ich in Hinblick auf die psychische Belastung der Betroffenen für nicht tragbar.”
Das Wohl des Patienten hat absoluten Vorrang für den langjährigen Chefarzt des
EvK. Deshalb ist ihm auch an einer guten Zusammenarbeit mit den anderen Kliniken der Umgebung und den niedergelassenen Ärzten gelegen. So könne den Erkrankten oft genug auf unbürokratisch-kollegialem Wege rasch geholfen werden.
PULMOLOGIE / SCHLAFMEDIZIN
Mehr Luft zum Atmen
Zentrum bietet komplette Lungenfunktionsdiagnostik
Patienten mit Atemwegserkrankungen sind Menschen, denen diese Tatsache ständig bewusst ist. Umfassende Hilfe erhalten sie im Pulmologischen Zentrum des Evangelischen Krankenhauses Wanne-Eickel von dem engagierten Medizinerteam um Chefarzt
Dr. Dietmar Voß und Oberarzt Josef Wiemann. Schon immer gab es im
EvK einen Behandlungsschwerpunkt Lungen und Bronchialheilkunde. Doch mit der stetigen Optimierung der apparativen Ausstattung ist aus der Inneren Medizin
des Hauses inzwischen ein offizielles Lungenzentrum hervor gegangen, in dem die komplette Lungenfunktionsdiagnostik möglich ist.
Hohe Qualität
Neben einer Bodyplethysmographie, mit der Lungenvolumina und Atemwegswiderstände bestimmt werden können, besteht die Möglichkeit der Spiroergometrie. Mit Hilfe dieses Verfahrens kann neben der Bestimmung des Schweregrades einer cardiopulmonalen Erkrankung eine Abgrenzung der (cardialen) Herzerkrankungen von (pulmonalen) Lungenerkrankungen erfolgen. Überdies besteht die Möglichkeit der Ergometrien und Farbdoppleruntersuchungen, Echocardiographien, Stressechocardiographien und transösophagealen Echocardiographien durchzuführen. Weitere diagnostische Prozeduren und Maßnahmen erweitern das klinische Bild und machen eine komplette Diagnostik der Lungenerkrankungen möglich.
Besonders zu erwähnen sind die Möglichkeiten zur Spiegelung der oberen Atemwege (Bronchoskopie), Spiegelung des Brustkorbes (videoassistierte Thoraskopie) und der damit gegebenen Möglichkeit zur Gewebeprobeentnahme an Bronchien, Lunge und Rippenfell.
Neben der Diagnostik der Lungenerkrankungen erfolgt auch eine differenzierte Therapie der Atemwegerkrankungen, die neben den medizinischen Maßnahmen auch Atemübungen unter krankengymnastischer Anleitung umfasst. Im Rahmen von theoretischen und praktischen Schulungen erhalten Patienten und ihre Angehörige ausführliche Informationen zu Erkrankungen wie chronischer Bronchitis und Asthma bronchiale.
Da insbesondere die chronische Bronchitis eine Folgeerkrankung des Rauchens ist, wird durch die Innere Medizin ein Präventionsprogramm betrieben. Seit mehreren Jahren besteht das “Netzwerk Nichtrauchen” in Zusammenarbeit mit dem Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Herne, dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium in Gelsenkirchen und der Willy-Brandt-Gesamtschule in Marl. Im Rahmen der Kooperation mit dem Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Herne wird zusätzlich eine Lehrerfortbildung durchgeführt, um lungenkranken Schülern eine regelmäßige Teilnahme am Schulsport zu ermöglichen. Zur Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit auch außerhalb eines klinischen Aufenthaltes unterstützt das
EvK Wanne-Eickel verschiedene Asthmasportgruppen durch Betreuung und Schulungen.
Eine wichtige Einrichtung innerhalb der Inneren Medizin des
EvK ist das Institut für Schlafmedizin. Das Hauptarbeitsgebiet umfasst schlafbezogene Atemregulationsstörungen und Hypoventilationssyndrome (Erkrankungen, die zu verminderten Gasaustausch führen). Hier sind besonders das obstruktive Schlafapnoesyndrom, das Schnarchen und eine Erschöpfung der Atemmuskulatur zu nennen.
Wichtige Einrichtung innerhalb der Abteilung
Durch die stationären Polysomnographieplätze, die mobil einsetzbaren Screeninggeräte, die Videometrie und die verschiedenen Testverfahren können alle Schlafstörungen diagnostiziert werden. In Zusammenarbeit mit der neurologischen und psychiatrischen Klinik der Krankenhausgemeinschaft erfolgen die Therapien der neurologischen Erkrankungen. Zur Verbesserung der Patienteninformation wurde die Gründung einer Patientenselbsthilfegruppe unterstützt. Mit der Selbsthilfegruppe werden regelmäßige Informationsveranstaltungen durchgeführt.
Das
EvK Wanne-Eickel und das
EvK Herne sind ein gutes Beispiel dafür, dass durch ihren Verbund sowohl eine ortsnahe Akut-Versorgung als auch Hochleistungsmedizin möglich ist.
ENDOKRINOLOGIE
Hormone,
die zentralen Schaltstellen im Körper
Hormone erreichen jedes Organ im Körper und können so überall ihre Wirkung entfalten. Daher wirken sich bereits diskrete Störungen des Hormonhaushaltes gravierend auf andere Organsysteme aus.
Priv.-Doz. Dr. Friedrich Jockenhövel, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin am Evangelischen Krankenhaus Herne, ist Spezialist für dieses feine Netzwerk der Körpersteuerung. Als Hormonforscher hat er sich auch bundesweit einen Namen gemacht.
Die Endokrinologie stellt seit Jahren einen der großen Schwerpunkte des
EvK dar. Mit
Dr. Jockenhövel steht ein besonders kompetenter Mediziner an der Spitze des Schilddrüsenzentrums. So fand er in einer groß angelegten Studie heraus, dass in Nordrhein-Westfalen über 40 Prozent der vermeintlich Gesunden ein Schilddrüsenproblem haben. Im hauseigenen, hochspezialisierten Hormonlabor spielt die Hormondiagnostik eine wichtige Rolle bei der Untersuchung und Therapie von Schilddrüsenfehlfunktionen. Die Zuordnung von Schilddrüsenüber- und unterfunktionen zur Bestimmung und die genaue Erkennung der zugrunde liegenden Störung stehen im Mittelpunkt der Diagnostik. Besonders häufige Fragestellungen betreffen die gutartige Schilddrüsenvergrößerung wie die einfache Struma (Kropf) und auch die Knotenstruma. Falls erforderlich können sofort Feinnadelpunktionen verdächtiger Knoten der Schilddrüse vorgenommen werden, so dass bei unklaren Befunden rasch Klarheit verschafft werden kann. Auch die selteneren Schilddrüsen-Malignome werden im Schilddrüsenzentrum kompetent betreut.
In umfangreichen Forschungen während seiner zweijährigen Tätigkeit an der
University of California in
Los Angeles befasste sich
Dr. Jockenhövel schwerpunktmäßig mit einem Thema, das auch in Deutschland immer mehr Interesse gewinnt: Hormonersatztherapie. Zu einer Zeit, da jeder zwar alt aber nicht älter werden möchte, gibt es viele Menschen, die nach dem Wundermittel rufen, das ihnen so lange wie möglich ein strahlendes Äußeres und unbegrenzte Dynamik sowie Gesundheit verspricht. Aber gerade in den letzten Jahren ist die früher so hoch gelobte Östrogentherapie für Frauen in und nach den Wechseljahren in die Kritik geraten.
Exakte Erfassung des Risikoprofils
"Für jeden seriösen Mediziner gilt, dass er Hormone erst dann verabreichen sollte, wenn eine präzise Diagnose vorliegt. Es besteht überhaupt kein Anlass, sämtlichen Frauen bei Eintritt in die Wechseljahre Östrogene zu geben, wenn es gar nicht erforderlich ist. Auf der anderen Seite ist es aber auch nicht in Ordnung, die Gabe von Hormonen grundsätzlich zu verteufeln", so
Dr. Jockenhövel. Es ist ihm ein besonderes Anliegen, sich in seiner Hormonsprechstunde speziell um Frauen nach den Wechseljahren zu kümmern. Ihnen bietet er eine ganz individuelle Hormontherapie an. Im Mittelpunkt steht hier die exakte Erfassung des Risikoprofils
u.a. bezüglich der Osteoporose. Das geschieht mit Hilfe von Ernährungsanamnesen, Röntgenbildern und vor allem durch die Knochendichtemessung mit dem Dexa-Gerät (Dual-Photonen-Absorptiometrie). Dieses Gerät kann an der Wirbelsäule, aber auch am Oberschenkelhals, den Hüften und weiteren Knochen die Dichte messen.
Die Hormonsprechstunde profitiert in großem Maße von der Tatsache, dass
Dr. Friedrich Jockenhövel Vorsitzender der regionalen Expertenkommission Osteoporose (Ruhrgebiet, Westfalen-Lippe) ist. So fließt das gesamte Wissen aus der Expertenkommission unmittelbar in die Hormonsprechstunde ein. Entsprechend stehen modernste Therapieverfahren, einschließlich Infusionstherapien von Biphosphonaten, die Therapie mit selektiven Östrogenrezeptormodulatoren (SERMS) sowie die spezielle Elektrolyt- und Spurenelementtherapie (Calcium, Fluoride) und Vitamintherapie zur Verfügung.
Doch nicht nur weibliche, sondern auch männliche Patienten finden in
Dr. Friedrich Jockenhövel einen kompetenten Ansprechpartner für ihre Hormonprobleme. Etwa 7 bis 10 Prozent aller Männer leiden unter Hodenfunktionsstörungen, wobei am häufigsten Störungen der Samenproduktion auftreten. Dies führt mitunter zu einem unerfüllten Kinderwunsch. Ebenfalls häufig sind angeborene oder erworbene Störungen der Hormonproduktion, insbesondere des männlichen Hormons Testosteron. Neben Störungen der Fruchtbarkeit können hieraus Störungen der Potenz, aber auch eine Osteoporose, mangelnde Leistungsfähigkeit und chronische Müdigkeit resultieren. Nicht zuletzt werden auch zahlreiche Stoffwechselfunktionen durch Testosteron beeinflusst.
Moderne Testosterontherapie
In der Hormonsprechstunde können die Hodenfunktionsstörungen detailliert diagnostiziert und mit speziellen Hormonuntersuchungen sowie Hormontests auf ihre Ursache zurückgeführt werden. Als Spezialzentrum arbeitet das Team um
Dr. Jockenhövel nicht nur mit den allgemein herkömmlichen und gebräuchlichen Formen der Hormonersatztherapie beim Mann (Testosterontabletten, 3-Wochen-Spritze), sondern wendet auch sehr moderne und individuelle Testosterontherapien an, wie zum Besipiel das Testosteron-Gel und die 3-Monats-Spritze.
Dass auch Männer unter Wechseljahrsbeschwerden leiden können, wird von vielen Vertretern des starken Geschlechts gern noch ignoriert. Dabei können auch sie vom Wissen des Hormonspezialisten profitieren.