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Waffeleisen

Waffeleisen


Eine Krippenszene: Maria und Josef sind in die Betrachtung des Jesuskindes versunken. Von links beäugt neugierig der Esel die Szene. Im Hintergrund gewahrt der Betrachter eine Wand des Stalles mit zwei Fenstern. Die Szene ist in einen Kreis und dieser wiederum in ein Quadrat gesetzt, dessen Ecken mit sonnenartigen Motiven gefüllt sind.

Diese Krippenszene ist das zentrale Motiv des ältesten Waffeleisens, das das Emschertal-Museum Herne aufbewahrt. Auf zwei lange eiserne Griffstangen sind zwei fast quadratische bronzene Backplatten angenietet. Die eine Platte trägt, sorgfältig graviert, die beschriebene Krippenszene, die Gegenplatte ist mit gleichfalls gravierter floraler Ornamentik versehen. An den Enden der Griffe befindet sich ein Zuhaltering.

Diese Form des Waffeleisen wird als Zangenwaffeleisen bezeichnet. Es ist das Gerät, das vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein zum Backen des weitaus bekanntesten Festtagsgebäcks auf dem europäischen Kontinent verwendet wurde: der Waffel.

Klemmwaffeleisen sind in Westfalen spätestens seit dem 14. Jahrhundert in Gebrauch. Sie gehen auf die ältesten, im 9. Jahrhundert in Frankreich, Belgien und der Schweiz benutzten Waffeleisen zurück, wo sie zeitgleich mit den Hostieneisen im profanen Umfeld zu finden waren.

In Anlehnung an das Material der Zangeneisen wurden die damit gebackenen Waffeln im norddeutschen Raum „Iserkauken“ oder „Eiserkuchen“ genannt. Für deren Herstellung rührte man einen Teig aus Roggen- oder Gersten-, in späterer Zeit Weizenmehl und Wasser an. Verfeinern konnte man – je nach Geschmack und Geldbeutel – mit Eiern, Honig, Zucker, Butter, Wein und den aus den Kolonien bezogenen Gewürzen wie Anis, Zimt, Muskat, Kardamom, Nelke, Ingwer oder Vanille. Dieser Teig wurde sparsam auf eine der beiden mit einer Speckschwarte eingefetteten Backflächen gegeben, diese zusammengepresst und vorsichtig über dem offenen Herdfeuer gebacken. So entstanden sehr dünne, knusprige Fladen, die man zusammenrollte oder zu einem Hörnchen formte und ab dem späten 19. Jahrhundert mit Sahne oder Creme füllte.

Waffeln oder Eiserkuchen waren ein Festtagsgebäck, das in Nordwestdeutschland in der Zeit zwischen dem Jahreswechsel und dem Dreikönigstag, dem „Bauernneujahr“, gebacken wurde. Dieser zeitlichen Festlegung verdanken die Eiserkuchen auch ihren Namen „Neujährchen“. Die Waffeleisen, mit denen sie gebacken wurden, trugen die Namen ihrer Besitzer. Da es sich meist um Hochzeitsgeschenke handelte, weisen sie die Namen der Brautleute, das Hochzeitsdatum und charakteristische Liebessymbole, wie Herzen oder Taubenpaare auf.

Neujährchen verschenkte man an Verwandte, Freunde und alle Besucher, die in der Zeit zwischen Neujahr und Dreikönigstag auf einem bäuerlichen Hof erschienen. Da man sich beim Geben großzügig zeigen wollte, wurde in den einzelnen Haushalten nicht selten ein Vorrat von mehreren hundert Waffeln gebacken. Mit Neujährchen trieb man auch Schabernack: Besonders beliebt war das Einbacken eines Leinenläppchens in den letzten Eiserkuchen, um mit gespannter Aufmerksamkeit die Reaktion des „Finders“ zu beobachten.

Berücksichtigt man, dass Waffeln ein Neujahrsgebäck waren, gehören das eingangs vorgestellte Zangeneisen und die damit gebackenen Waffeln vom Motiv her ganz und gar nicht in den beschriebenen Brauchtumszusammenhang eines zumeist bäuerlichen Umfeldes. Bei diesem Eisen handelt es sich vielmehr um ein Backgerät, das in einem städtischen oder kirchlichen Haushalt Verwendung fand. Hier waren die finanziellen Mittel gegeben, an den hohen kirchlichen Festtagen die Luxusware Gebäck mit eigens dafür angefertigten Backgeräten herzustellen. Die Familie oder die Gemeinschaft, die dieses Waffeleisen in Benutzung hatte, hob sich deutlich aus der Masse der Bevölkerung jener Zeit heraus und gönnte sich mit dem Waffelgebäck wahrhaft „Frohe Weihnachten“.

Waffeleisen
Münsterland, um 1600
Bronze, Eisen.
Graviert.
Backflächen 15 mal 13,5 cm.
Grifflänge mit Platten 79 cm.


© Stadt Herne, Emschertal-Museum, Dr. Gabriele Wand-Seyer
 
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