Meldung vom 04. Oktober 2019

Geduld der Stadt strapaziert – Fertigstellung des Shoah-Mahnmals verzögert sich weiter

Nachdem sich Anfang August beim Shoah-Mahnmal eine leichte Verzögerung bei der Fertigstellung der künstlerischen Erweiterung durch eine Schutzhülle abzeichnete, hat die Stadt Herne nun eine enttäuschende Nachricht erhalten. Im Herbst ist nicht mehr mit einer Fertigstellung zu rechnen. Damit wird das Mahnmal sicher nicht zum Jahrestag der Pogromnacht vom 9. November 1938 in neuer Form zu sehen sein. Ursprünglich war eine Einweihung im Spätsommer anvisiert worden.

„Diese Mitteilung stellt für alle Beteiligten in der Verwaltung, aber auch für die Hernerinnen und Herner, die sich für das Gedenken an die Shoah in unserer Stadt einsetzen, eine Enttäuschung dar. Wir wissen, dass es sich bei der Schutzhülle um eine Einzelanfertigung handelt, deren Planung, Fertigung und Montage aufwändig ist und zeitliche Risiken birgt. Daher haben wir viel Verständnis für den bisherigen Zeitaufwand gezeigt und sind sehr enttäuscht. Unsere Erwartungshaltung ist klar: Das Mahnmal muss zum Shoah-Gedenktag am 27. Januar fertig gestellt sein“, sagt Christoph Hüsken, Pressesprecher der Stadt Herne. Die Verwaltung wird nun in Gesprächen mit den Unternehmen noch einmal mit Nachdruck auf eine beschleunigte Fertigstellung drängen.

Das Mahnmal, dessen Einweihung im Januar 2010 erfolgte, war im Frühjahr 2014 bei mehreren Anschlägen, unter anderem durch Besudeln mit Kunstharz, geschändet und beschädigt worden. Nach einer aufwändigen Reinigung und Sanierung ist es im Oktober 2014 mit einer provisorischen Schutzhülle versehen worden. Diese verbirgt jedoch die Tafel mit den gläsernen Okularen, in denen die Namen der 400 in der Shoah ermordeten Juden aus Herne und Wanne-Eickel eingefasst sind. Die Einhausung wird nur zu besonderen Anlässen entfernt. Dazu gehören die alljährlichen Gedenkveranstaltungen zum 9. November und zum 27. Januar sowie Besuche von Nachfahren der Opfer.

Nach politischen Beratungen hatte der Rat der Stadt Herne im März 2017 als Konsequenz aus den Anschlägen beschlossen, die Stele mit einer aufschiebbaren Hülle aus Baubronze zu schützen. Die Hülle soll täglich geöffnet werden und so die Bedeutung des Mahnmals als zentraler Herner Gedenkstätte unterstreichen. Durch die Darstellung der Orte des Erinnerungsprojekts „Nahtstellen“ auf den Bronzeplatten stellt dieser Schutz eine künstlerische Erweiterung der Künstler Gabriele Graffunder und Winfried Venne dar. Sie hatten das Shoah-Mahnmal im Jahr 2008 entworfen.