Meldung vom 10. Januar 2020

Herne erschließt Zechenbrache für Mensch und Natur

Ein Areal so groß wie 40 Fußballfelder, ein IC-Bahnhof in unmittelbarer Nähe, zwei Autobahnen einen Steinwurf entfernt – das alles im Herzen des Ruhrgebiets. Das Gelände der ehemaligen Zeche General Blumenthal in Herne ist eine der spannendsten Industriebrachen, die die Metropolregion derzeit zu bieten hat. Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda stellte am 9. Januar 2020 eine erste Projektskizze für das Areal vor.

„Ja, unsere Ziele sind ambitioniert“, sagte Dr. Frank Dudda, und der Oberbürgermeister ergänzte: „Herne und das Ruhrgebiet sind bereit dafür.“ Grund für diesen Optimismus bieten die Ansiedlungen von Unternehmen in Herne. Der Schweizer Bahnkonzern Stadler errichtet ein Instandsetzungswerk, mit der Firma Mosolf kehrt die Automobilproduktion zurück ins Ruhrgebiet.

Der nächste Schritt soll jetzt auf dem Blumenthal-Gelände erfolgen. In einer zukunftsorientierten Verbindung sollen dort Hochschulforschung, technologische Entwicklung und industrielle Produktion zusammengebracht werden. Das über Jahrzehnte durch hohe Mauern abgeschottete Zechengelände öffnet sich zu den Stadtteilen und wird für Mensch und Natur ökologisch und ökonomisch erschlossen. Wenigstens die Hälfte des 30 Hektar großen Grundstücks wird als Grünfläche (Landschaft, Wald, Gründächer oder Wasserfläche) geplant.

In einer gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Stadtentwicklung sowie Umweltschutz und der Bezirksvertretung Eickel legt Architekt Prof. Wolfgang Krenz vom Büro Archwerk eine entsprechende Projektskizze für die „International Technology World Herne“ (ITW • H) vor. Die Stadt Herne sieht aufgrund verschiedener Förderprogramme gute Chancen für eine Finanzierung und Realisierung der wirtschaftlichen und ökologischen Zukunftsgestaltung. Die Besonderheit an der vorliegenden Projektskizze besteht im städtebaulichen Gesamtkonzept, das abschnittsweise realisiert werden kann.

Ein wichtiger Baustein für die Finanzierung ist das Strukturstärkungsgesetz, das bereits vom Bundeskabinett in Berlin verabschiedet ist und im Frühjahr 2020 vom Bundestag gemeinsam mit dem Kohleausstiegsgesetz in Gesetzesform gegossen werden soll. Es fördert mit Bundesmitteln Kommunen und Regionen, die durch den geplanten Ausstieg aus der Kohleverstromung besonders hart getroffen werden. Hierzu zählt Herne.

Außerdem gibt es seit dem 1. Januar 2020 ein gesamtdeutsches Fördersystem für strukturschwache Regionen. Die Bundesregierung organisiert die Regionalförderung neu und stellt damit Mittel nach Bedarf und nicht nach Himmelsrichtungen zur Verfügung. Das neue gesamtdeutsche Fördersystem umfasst insgesamt 22 Bundesprogramme aus sechs Bundesministerien. Diese werden exklusiv für Regionen wie das Ruhrgebiet aufgesetzt. Allein für die „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) stellen Bund und Länder jährlich 1,2 Mrd. Euro für Investitionen der gewerblichen Wirtschaft und Investitionen in die wirtschaftsnahe Infrastruktur strukturschwacher Regionen bereit. In diese neue Förderkulisse soll das Gelände General Blumenthal eingebettet werden.

„Wir haben lange auf die Umstellung der Fördersystematik warten müssen und verschwenden jetzt keine Zeit. Wir beschleunigen an dieser zentralen geografischen Stelle im Ruhrgebiet den wirtschaftlichen Aufholprozess des Reviers“, sagte Frank Dudda.

Wichtige gestalterische Elemente der Ideenskizze sind die Tech Hall mit Studiengebäuden, Gebäuden für Unternehmen und Start-Ups sowie Workshops, Institute, zentralen Mensen, Verwaltungen und ein Auditorium. Weit sichtbar sein könnte der Multi-Turm. Hier sind Kongress- und Co-Workingflächen, ein Shared-Service-Center, ein Boardinghouse, ein Hotel, Wohnungen sowie ein Skyclub mit Lounge denkbar.

Die sogenannte Passerelle – als drittes gestaltgebendes Hauptelement - ist multifunktionale Produktionsstätte für High-Tech-Technologien. Auf einer Breite von rund 40 Metern und einer Länge von rund 600 Metern erstreckt sich dieser multifunktionale Komplex als sechsgeschossige Gebäudeanlage. In einem von Bestandsgebäuden geprägten Bereich wird lokales und regionales Handwerk Platz finden.

Alle diese Elemente befinden sich eingebettet in einer großen und von Wasserflächen durchzogenen parkähnlichen Landschaft. Eine weitere Idee ist eine Seilbahn, die das Areal klimafreundlich mit dem Hauptbahnhof Wanne-Eickel und dem ÖPNV in Herne verbindet.

Dieser gestalterische Masterplan für die Zechenbrache soll die „International Technology World Herne“ (ITW • H) unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten zur ersten Adresse für Wirtschaft 4.0 im Ruhrgebiet machen.

Informationen über um dieses Projekt erhalten Sie unter www.herne.de/blumenthal