Meldung vom 27. Januar 2020

Shoah-Gedenkfeier im Kulturzentrum

Zur Gedenkfeier für die Shoah-Opfer aus Herne und Wanne-Eickel kamen am Montag, 27. Januar 2020 Bürger, Mitglieder der jüdischen Gemeinde, Vertreter der Politik in das Kulturzentrum. Zu Beginn spielte die Band der Gesamtschule Wanne-Eickel, die Titelmusik des Films „Schindlers Liste“. Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda unterstrich in seiner Rede die Wichtigkeit der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen und das Gedanken an die Opfer aufrecht zu erhalten.

„Die Stadt Herne hat es sich vor vielen Jahren zur Aufgabe gemacht, die Ursachen und Folgen der NS-Diktatur nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Jetzt müssen wir aktiver denn je daran arbeiten, dass fundamentale menschliche Werte nicht mit Füßen getreten werden. In dieser Stadt ist kein Platz für Gewalt, Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung und Antisemitismus. Herne ist eine weltoffene Stadt. Wir tragen die Verantwortung für ein friedliches Zusammenleben aller Kulturen und Glaubensgemeinschaften.“

Ein Ort namens Auschwitz

Schülerinnen und Schüler der Gymnasien Wanne und Eickel und der Gesamtschule Wanne-Eickel erinnerten mit ihrer Präsentation „Ein Ort namens Auschwitz“ an die unvorstellbaren Gräuel im Vernichtungslager. An der Gedenkfeier nahmen, neben vielen Schülerinnen und Schülern, der Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Stephan Holthoff-Pförtner und der Regierungspräsident von Arnsberg, Hans-Josef Vogel, teil. Holthoff-Pförtner rief die Anwesenden dazu auf, in Erinnerung zu behalten, „dass wir eine wehrhafte Demokratie bleiben müssen um die Rechte unserer Nächsten schützen zu können.“ Regierungspräsident Vogel würdigte das Engagement der Schülerinnen und Schüler. „Dadurch, dass heute die Namen der Holocaust-Opfer genannt wurden, sind die Nazis mit ihrem Vorhaben, nicht nur die Menschen, sondern auch ihre Namen und somit die Erinnerung an sie auszulöschen, gescheitert.“

Shoah-Mahnmal ohne Schutzhülle

Nach der Gedenkfeier im Kulturzentrum begaben sich die Teilnehmenden zum Shoah-Mahnmal auf dem Willi-Pohlmann-Platz. Das Mahnmal war am Montag zum ersten Mal wieder ohne seine Schutzhülle für die Öffentlichkeit zu sehen. Hier beteten die Vertreter der unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften mit den Anwesenden: Aaron Naor, der Vorbeter der jüdischen Gemeinde Bochum – Herne –Hattingen, Superintendent Rainer Rimkus des Evangelischen Kirchenkreises Herne und der Dechant des Dekanats Emschertal, Norbert-Johannes Walter. Minister Holthoff-Pförtner und Regierungspräsident Vogel hielten kurze Reden. Der Leiter der Musikschule Herne, Christian Ribbe, begleitete die Wiedereröffnung des Mahnmals musikalisch auf der Posaune.

Holocaust-Überlebende Hanneke Schmitz

Hanna (Hanneke) Schmitz wurde 1942 in Amsterdam geboren. Ihre Eltern waren Fritz und Gerda Günzburger, die 1933 vor dem NS-Regime nach Holland geflohen waren. 1942 begann auch in Holland die Deportation der jüdischen Bevölkerung in die Lager des Ostens. Aus Angst davor entschlossen sich Fritz und Gerda Günzburger, in den Untergrund zu gehen.Mit einem Kleinkind ein hoffnungsloses Unterfangen, gleichzeitig drohte permanent die Entdeckung und die Deportation. So wurde Hanneke Schmitz von ihren Eltern mit falschen Personenangaben in einem holländischen Kinderheim versteckt. Die Familie überlebte die Shoah und kam 1946 wieder nach Herne.

Schmitz sprach am Shoah-Mahnmal und erinnerte unter anderem an die Beschädigungen des Mahnmals. „Dieses Shoah-Denkmal ist auf den Tag genau vor zehn Jahren eingeweiht worden. Es blieb nur vier Jahre unbeschädigt. Im Frühjahr 2014 wurde es mehrmals mit Farbkomponenten beschmiert und Okulare wurden zerstört. Für uns waren diese Übergriffe der Gipfel der Respektlosigkeit. Die Opfer des radikalsten Völkermords der Menschheitsgeschichte wurden so ein zweites Mal symbolisch ausgelöscht. Der Rat der Stadt Herne hat lange um eine Entscheidung zum Schutz des Denkmals gerungen. Letzten Endes hat er beschlossen, den Standort im Zentrum unserer Stadt beizubehalten. Wir danken allen Verantwortlichen für diese Entscheidung, den einmal eingeschlagenen Weg der Erinnerung in Form des Projekts „Nahtstellen, fühlbar, hier…“ in Herne konsequent fortzusetzen.“

Am Ende der Gedenkfeier bat Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda alle Teilnehmenden um eine Schweigeminute, nach der viele Anwesende sich das Mahnmal samt der Erweiterung ansahen und die Okulare mit den Namen der Opfer der Shoah aus Herne und Wanne-Eickel betrachteten.