Meldung vom 29. Mai 2020

Herne schließt sich der „Gevelsberger Erklärung“ an

Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda hat sich für die Stadt Herne der so genannten Gevelsberger Erklärung angeschlossen, in welcher der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) seine Sorge um die Existenz von Gastronomiebetrieben angesichts der Corona-Pandemie zum Ausdruck bringt.

„Eine Großstadt wie Herne braucht eine lebendige Gastronomieszene. Kneipen, Cafés, Restaurants und Hotels sind Bestandteil unserer Urbanität. Ohne sie verliert eine Stadt an Attraktivität. Deswegen lohnt es sich, dafür zu kämpfen, dass in der Krise kein Betrieb auf der Strecke bleibt“, begründet Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda seine Unterstützung für die Gevelsberger Erklärung. Andere Städte der Region, beispielsweise Hattingen, hatten sie ebenfalls befürwortet.

In der „Gevelsberger Erklärung“ hatte der Gevelsberger Bürgermeister, gemeinsam mit dem örtlichen Wirteverein und dem DEHOGA weitere finanzielle Hilfen und Solidarität für das Gastgewerbe gefordert.

Als Begründung für die Notwendigkeit dieser Unterstützung heißt es in der Erklärung: „Die absolut notwendigen Hygiene- und Präventionsvorschriften, die zur Eindämmung und Überwindung der Pandemie besonders intensiv für diese Branche bestehen, dürfen von niemandem in Frage gestellt werden und müssen kompromisslos eingehalten werden.

Gleichwohl belasten und hemmen sie die Umsatzentwicklung des Gastronomiegewerbes immens, und das, obwohl die Inhaber seit Wiedereröffnung ihrer Betriebe vor wenigen Tagen, gemeinsam mit ihrem Personal unglaubliche Anstrengung unternehmen, um unter schwierigsten Bedingungen Gastlichkeit, Service und Präventionsvorschriften unter einen Hut zu bringen.“

Nach Aussagen des DEHOGA betrug der Umsatz der Gastronomiebetriebe in der ersten Woche nach Lockerung der Beschränkungen für die Branche für mehr als 75 Pronzent der Betriebe weniger als 50 Prozent einer normalen Mai-Woche. Bei mehr als 40 Prozent der Betriebe lagen die Umsatzverluste

im Vergleich zum Vorjahr sogar bei über 75 Prozent. „Neben den Abstandsgeboten und Kontaktbeschränkungen macht vielen Betrieben auch das Veranstaltungsverbot zu schaffen“, so Heinz Bruns, Vizepräsident des DEHOGA Westfalen. „Nicht wenige Gastronomen und auch Hoteliers generieren einen großen Teil ihres Umsatzes über Feiern und Veranstaltungen – diese Umsätze sind seit März komplett weggebrochen und auch auf Sicht nicht zu erwarten“, so Bruns. Von ähnlichen Erfahrungen berichtet auch Lars Martin, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Westfalen: „Die meisten unserer Gastronomen können im Moment einen Umsatz erwirtschaften, der bei 25 bis 35 Prozent des Üblichen liegt – bei fast gleichen Kosten bedeutet das für viele Unternehmerinnen und Unternehmer in Kürze den sicheren Ruin!“

Die auf Herne angepasste Gevelsberger Erklärung im Wortlaut:

Gevelsberger Erklärung

Gastronomie braucht Zukunft – Wir brauchen Gastronomie!

Zweiter Rettungsschirm und bundesweite Solidarität jetzt!

Wir, die Unterzeichner dieser „Gevelsberger Erklärung“, möchten gemeinsam mit all unseren Unterstützerinnen und Unterstützern unserer brennenden Sorge Ausdruck verleihen, dass die Zukunft unserer örtlichen Gaststätten, Hotels und Gastronomiebetriebe aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie existenziell gefährdet ist.

Als lokales Bündnis fordern wir die Landes- und Bundespolitik sowie alle gesellschaftlich relevanten Kräfte dazu auf, einen zweiten wirkungsvollen Rettungsschirm speziell für das Gastgewerbe sowie bundesweite Solidarität mit ihm ins Leben zu rufen. Die absolut notwendigen Hygiene- und Präventionsvorschriften, die zur Eindämmung und Überwindung der Pandemie besonders intensiv in dieser Branche erlassen, dürfen von niemandem in Frage gestellt werden und müssen kompromisslos eingehalten werden. Gleichwohl belasten und hemmen sie die Umsatzentwicklung des Gastronomiegewerbes immens, und dass, obwohl die Inhaber, seit Wiedereröffnung ihrer Betriebe vor wenigen Tagen, gemeinsam mit ihrem Personal unglaubliche Anstrengungen unternehmen, um unter schwierigsten Bedingungen Gastlichkeit, Service und Präventionsvorschriften unter einen Hut zu bringen.

Für uns, die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner, sind Gaststätten und Gastronomiebetriebe absolut systemrelevant! Sie sind, in Herne wie in hunderten anderen vergleichbaren Städten, nicht nur Arbeitgeber, sondern prägender Bestandteil unseres Zusammenlebens: Sie sind für uns die Wohnzimmer der lokalen Gemeinschaft! Als Begegnungsräume in unseren Stadtteilen, als Vereinslokale, Tagungsorte und Räumlichkeit für gesellschaftliche Anlässe im beruflichen und privaten machen sie unsere Innenstädte und Ortsteile erst zu dem, was sie sind. Gastronomien, in Herne wie andernorts, sind für unsere soziale Wirklichkeit und unser Lebensgefühl unverzichtbar.

Wir möchten hier und heute ein wirkungsvolles und bundesweit hörbares Signal senden, dass eine für unser aller Zusammenleben unverzichtbare Branche in Gefahr ist, die in ihrer empfindlichen Struktur - einmal zerstört - auf Jahre nicht wiederaufgebaut werden kann. „Nachholeffekte“ wird es nicht geben, der frische Salat, das Schnitzel, das gepflegte Bier, das heute nicht verzehrt wird, wird in den nächsten Wochen bestimmt nicht doppelt konsumiert werden!

Wir fordern daher die Politik auf Bundes- und Landesebene dazu auf, kurzfristig und in enger Absprache mit den Interessensvertretern der Branche, alles Notwendige zu unternehmen, damit ein gastfreundliches Deutschland in Herne, Nordrhein-Westfalen und bundesweit überleben kann.