Meldung vom 19. Juni 2020

Ausbilden für die Zeit nach Corona

„Die Wirtschaft in Herne ist durch Corona mit Wucht erwischt worden. Wir haben zu kämpfen, wir setzen aber ein eindeutiges Signal, dass sich Herne erholen wird“, betont Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda am Mittwoch, 17. Juni 2020.

„Unsere Stärke war immer, dass wir ein starkes Fachkräfteangebot hatten. Deswegen werden wir Jugendliche nicht alleine lassen.“ Denn obwohl die Corona-Krise vielen Unternehmen zusetzt, ist es wichtig, weiterhin auszubilden, so Dr. Dudda. Auch Frank Neukirchen-Füsers, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bochum/Herne ermutigt Unternehmen, in die Zukunft zu schauen und vorzusorgen: „Wir wollen Signale der Hoffnung setzen. Das Gute ist, dass wir in Herne bis Februar eine deutlich positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt hatten. Jetzt zögern viele Unternehmen, Auszubildende einzustellen, weil sie unsicher sind. Aber der Fachkräftebedarf und der demografische Wandel sind nicht zurück gegangen. Wir brauchen Jugendliche in der Ausbildung, um in der Zukunft Fachkräfte zu haben.“

Das Handwerk braucht in Zukunft Fachkräfte

Davon ist auch Gerwin Schweppe überzeugt. Der Geschäftsführer von Wärmetechnik Leickel weiß: „Tropfende Wasserhähne wird es auch in Zukunft geben. Gerade weil wir Gebäude für den Klimawandel fit machen, mit Wärmetechnik und Klimaanlagen, werden wir in Zukunft gebraucht.“ Er selbst hat Anfang des Jahres fünf Auszubildende erfolgreich auf ihre Abschlussprüfung vorbereitet und alle fünf übernommen. Jetzt sind noch acht Auszubildende im Betrieb, vier weitere haben schon ihre Ausbildungsverträge unterschrieben, ein Platz ist noch frei. „Es hängt sehr von der Branche ab, wie stark die Corona-Krise einen Betrieb trifft. Im Handwerk ist es meistens eine Delle, aber nicht das Ende der Betriebe.“ Deswegen möchte er seine Fachkräfte für die Zukunft ausbilden.

Viele Unternehmen zögern noch

Nachdem Herne Anfang des Jahres zum ersten Mal seit langer Zeit wieder eine Arbeitslosenquote von unter zehn Prozent hatte, steigt die Arbeitslosigkeit während der Corona-Krise wieder an. Das liegt allerdings nicht daran, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter entlassen würden, weiß Neukirchen-Füsers. Statt dessen würden viele Unternehmen gerade zögern, neue Mitarbeitende einzustellen. Deswegen würden Menschen, die unter normalen Umständen schnell einen Job gefunden hätten, derzeit länger suchen.

Förderung für Unternehmen, die Ausbilden

Um herauszufinden, wie es Herner Unternehmen geht, hat die Agentur für Arbeit Firmen, die insgesamt 270 Ausbildungsstellen anbieten, kontaktiert. 80 Prozent von ihnen wollen die gleiche Anzahl Auszubildender einstellen, wie sonst auch. 16 Prozent seien unsicher, lediglich vier Prozent wollen tatsächlich wegen Corona weniger ausbilden. „Wir brauchen Jugendliche in der Ausbildung. Die Bundesregierung berät derzeit über ein Konjunkturpaket, das kleine und mittelständische Unternehmen bei der Ausbildung fördert.“ Außerdem sind Hilfen für Unternehmen geplant, die Azubis aus insolventen Betrieben weiter ausbilden und Erleichterungen für Unternehmen, die im Auftrag für andere Firmen ausbilden. Zusätzlich laufen die bisherigen Förderungen weiter.

Azubi-Speed-Dating im September

Unternehmen, die noch Auszubildende suchen, können sich bei der Agentur für Arbeit unter 0800/ 4 55 55 20 oder unter herne.arbeitgeber@arbeitsagentur.de melden. Oder sie kommen am 24. September 2020 zum Azubi-Speed-Dating. Das erfolgreiche Format, um Bewerber und Firmen zusammen zu bringen, wird in diesem Jahr unter besonderen Schutzmaßnahmen durchgeführt, erklärt Eva Neweling, von der Stabsstelle Arbeitsmarkt der Stadt Herne. „Die Unternehmen wollten es gerne und auch den Schulen ist es wichtig, dass junge Menschen sich hier persönlich in einem kurzen Gespräch bei möglichen Arbeitgebern vorstellen können. Und auch die Arbeitgeber sehen, ob die Bewerber zu ihnen passen.“ Denn sie werden die dringend benötigten Fachkräfte von morgen.