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Meldung vom 06. November 2020

Der Ausbildungsmarkt geht in die Verlängerung.

Jedes Jahr im Oktober zieht die Agentur für Arbeit gemeinsam mit den Paktpartnern zum Ausbildungsmarkt Bilanz zum Verlauf über das Berufsberatungsjahr. Sie analysiert die Entwicklung und gibt erste Prognosen und Vorhaben für das kommende Jahr bekannt. So auch 2020. Und das, obwohl Corona alles in diesem Jahr auf den Kopf gestellt hat.

Die Pandemie hat das Geschehen auf dem Ausbildungsmarkt um rund zwei Monate nach hinten verschoben. Die Bilanz solle aber jedes Jahr zur gleichen Zeit erläutert werden, so die Stimmen der Paktpartner auf dem Ausbildungsmarkt. Dazu gehören: Dr. Frank Dudda (Oberbürgermeister der Stadt Herne), Eric Weik (Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet), Dirk W. Erlhöfer (Hauptgeschäftsführer der  Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen), Hans-Joachim Draht (Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Herne/Castrop-Rauxel/Wanne-Eickel) Stefan Marx (Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes Ruhr-Mark) und Frank Neukirchen-Füsers (Vorsitzender Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bochum).

Ausbildungsbeginn ist im August oder September. Traditionell starten dann die dualen Ausbildungen in den Betrieben. Gleichwohl gibt es jedes Jahr die Möglichkeit, zu einem späteren Termin in die Ausbildung einzusteigen. Die Rede ist vom 5. Quartal auf dem Ausbildungsmarkt.

Gemeinsame Nachvermittlungsaktionen der Agentur für Arbeit und der Kammern sollen über den Ausbildungsstart hinaus suchende Bewerber und Unternehmen zusammenbringen. Jedes Jahr aufs Neue werden in dieser Periode auch in letzter Minute noch neue berufliche Startchancen für Jugendliche geebnet und somit auch eine bessere Fachkräfteversorgung für die Unternehmen erzielt. In diesem Jahr kommt diesem 5. Quartal eine besondere Rolle zu.

Die Coronapandemie hat viele Prozesse, so auch auf dem Ausbildungsmarkt, nach hinten verschoben. Die Abschlussprüfungen der Schulen fanden teilweise später statt und neue Formate für die Bewerbungsverfahren mussten entwickelt werden. Unternehmen sahen sich durch die Pandemie häufig gezwungen andere Prioritäten zu setzen. Die Entscheidung zur Besetzung freier Ausbildungsstellen wurde daher vielerorts erst einmal verschoben und auch die Schulschließungen führten zu vielen neuen Herausforderungen. Um die Jugendlichen trotz der pandemiebedingten Einschränkungen gut zu beraten und beim Finden der passenden Ausbildung zu unterstützen, wurden viele neue Wege gesucht und der Ausbildungsmarkt geht in die Verlängerung. Neben der klassischen Telefonie steht nach wie vor die Videokommunikation oder auch mal ein gemeinsamer Beratungsspaziergang an der frischen Luft mit den Jugendlichen auf der Agenda der Berufsberatung. Die Vermittlungen sind noch lange nicht abgeschlossen und die Meldungen der noch unbesetzten Ausbildungsstellen und unversorgten Bewerber hoch.

Insgesamt haben sich seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober 2019 bis zum Bilanzschluss Ende September 1.587 Bewerber auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Das sind gegenüber dem Vorjahr 140 Jugendliche oder 8,1 Prozent weniger - die demografiebedingt sinkende Zahl der Schüler in den Abschlussklassen zeigt sich demnach von Jahr zu Jahr deutlicher. Gegenüber den gemeldeten Bewerbern stehen derzeit 732 betriebliche Ausbildungsstellen. Im Vergleich zum letzten Berufsausbildungsjahr ist das ein Rückgang um 173 Ausbildungsstellen oder 19,1 Prozent. Rein rechnerisch kommen damit derzeit in Herne auf 100 Bewerber 46 Ausbildungsstellen. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor waren es 52 Stellen. Derzeit gibt es noch immer 105 unbesetzte Ausbildungsstellen. Verglichen mit dem Vorjahr sind das 25 Stellen oder 19,2 Prozent mehr unbesetzte Stellen. Die Anzahl der unversorgten Bewerber ist mit 158 Bewerbern um 17 Personen oder 12,1 Prozent höher als im Vorjahr.

Frank Neukirchen-Füsers, Vorsitzender Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, betont, dass das Ende der Fahnenstange auf dem Ausbildungsmarkt auch in Herne noch nicht erreicht sei und sagt: „In Herne hat sich in den letzten Jahren sehr viel Positives bewegt. Der Ausbildungsmarkt war jedoch von jeher immer eine besondere Herausforderung, die es auch jetzt unbedingt zu nehmen gilt. Es ist sehr wichtig, dass wir das 5. Quartal verstärkt nutzen, um die Situation auf dem Ausbildungsmarkt zu verbessern. Der Vermittlungs- und Entscheidungsprozess ist in diesem Jahr deutlich verspätet. Mindestens zwei Monate. Darüber hinaus brauchen wir in Herne noch mehr bereitwillige Ausbildungsbetriebe. Das Gute ist allerdings, dass in der Tat auch jetzt noch weitere Ausbildungsplätze für dieses Jahr gemeldet werden und es heißt: Es gibt noch Chancen auf dem Ausbildungsmarkt und jeder sollte seine Chancen jetzt noch nutzen. Junge Menschen brauchen berufliche Perspektiven und die Unternehmen – trotz Corona – gute Fachkräfte.“

Ausbildungsverträge für das laufende Jahr können noch bis Ende Januar 2021 abgeschlossen werden. Arbeitgeber werden derzeit dahingehend beraten und die Berufskollegs sind vom Schulministerium aufgefordert, sich organisatorisch, pädagogisch und didaktisch auf einen späteren Ausbildungsbeginn einzustellen.

Auch Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda betont die gute Entwicklung der letzten Jahre auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt und sagt, wie wichtig es gerade jetzt sei, sich weiter stark für Ausbildung zu machen. Er sagt: „Auf dem Ausbildungsmarkt in Herne hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Wir haben viele neue Chancen für junge Menschen geschaffen. Trotzdem fehlen immer noch Ausbildungsplätze und Corona hat viele Unternehmen hart getroffen. Deswegen dürfen wir nicht nachlassen. Gerade jetzt ist es wichtig, für die Zukunft vorzusorgen und die eigenen Fachkräfte auszubilden. Denn der Fachkräftemangel wird nach der Krise nicht verschwunden sein. Unternehmen, die sich fit machen wollen, für die Zukunft, sollten unbedingt ausbilden, schon im eigenen Interesse. Für die jungen Menschen gilt gerade jetzt: Wer eine abgeschlossene Ausbildung hat, verliert seltener seinen Job. Junge Menschen sollten unbedingt ihre Zukunftschancen nutzen und eine Ausbildung machen.“

Dirk W. Erlhöfer, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen, unterstreicht die Herausforderungen der Pandemie, betont aber auch das hohe Engagement der Betriebe: „In diesem Jahr ist nur sehr wenig so, wie wir es aus den vergangenen Jahren kennen. Das gilt auch für die Ausbildung. Und doch haben sich die allermeisten Unternehmen der Region zur eigenen Ausbildung bekannt und bilden auch in diesen - gerade auch für industriell geprägte Unternehmen - sehr schwierigen Zeiten aus. Das ist ein gutes Zeichen, denn die Pandemie wird uns nicht ewig im Griff haben. Der Auszubildende von heute ist die Fachkraft von morgen. Der Fachkräftebedarf - in manchen Berufen, Regionen oder Unternehmen auch bereits ein regelrechter Fachkräftemangel - hat sich durch die coronabedingten Einschränkungen nicht erledigt, ist durch Kurzarbeit und Restrukturierungsbedarf allenfalls aufgeschoben. Damit unsere Wirtschaft morgen wieder durchstarten kann, ist das Engagement der Ausbildungsbetriebe jetzt und in diesem Jahr besonders wichtig.“

Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet, Eric Weik, freut sich über einen Anstieg bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen und wendet sich an die Jugendlichen mit einem Appell: „Herne hat auch in diesem so ungewöhnlichen und schwierigen Jahr seinen Aufwärtstrend in Sachen Ausbildung fortgesetzt. Ein weiteres Mal ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in IHK-Berufen gestiegen - mit einem Plus von 8,5 Prozent (435 statt 401) zum 31. Oktober nimmt Herne im IHK-Bezirk eine positive Sonderrolle ein. Es freut mich auch, dass sich trotz Corona die Zahl der Herner Firmen, die ausbilden, leicht erhöht hat. Meine Botschaft an die bislang noch unversorgten Jugendlichen kann nur lauten: Es gibt noch mehr als 100 freie Stellen in Herne - Ihr könnt also noch was machen, Ihr könnt auch jetzt noch mit einer Ausbildung beginnen, aber Ihr müsst Euch auch kümmern.“

Stefan Marx vom Deutschen Gewerkschaftsbund gibt zu bedenken: „Die Coronapandemie hat den Zugang zum Ausbildungsmarkt insbesondere in Herne erheblich erschwert. Nachdem es in den letzten Jahren eine stetige Verbesserung der Ausbildungsplatzversorgung gegeben hat, auch wenn diese noch nicht ausreichte, so ist die Relation jetzt wieder auf einen katastrophalen Wert gefallen. Ein Minus von 173 Ausbildungsstellen im dualen System muss alarmierend für alle wirken. Sicherlich ist die Situation für alle verantwortlichen Personen schwierig und neu gewesen. Perspektivisch muss es nun darum gehen, aus dem Erlebten des ersten Lockdowns die richtigen Schlüsse zu ziehen und sich so aufzustellen, dass die Zahl der Ausbildungsstellen wieder steigt. Besonderer Augenmerk muss dabei auf die Firmen gelegt werden, welche durch die Pandemie ihr Angebot abgesenkt haben. Es geht hier um die Zukunft des Standortes Herne für junge Menschen und für die Unternehmen.“

Hans-Joachim Draht, Kreishandswerksmeister der Kreishandwerkerschaft Herne/Castrop-Rauxel/Wanne-Eickel, muss einen coronabedingten Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverträge feststellen. Er sagt aber auch, dass die Attraktivität des Handwerks steigt: „Für die Kreishandwerkerschaft in Herne müssen wir leider feststellen, dass wir gegenüber dem Vorjahr einen negativen Trend bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen verzeichnen müssen. Dies ist in diesem Jahr sicherlich der Coronapandemie geschuldet. Die handwerklichen Berufe, wie z. B. Friseure, haben häufig direkt mit Menschen zu tun und wurden durch die Krise stark ausgebremst. Bei den Lebensmittelhandwerken ist ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen, da auch hier die Umsätze der Unternehmen eingebrochen sind. Das Bau- und Ausbauhandwerk sowie das Kraftfahrzeug- und Elektrohandwerk haben in diesem Jahr gute Zahlen. Diese Betriebe sind weniger von der Pandemie betroffen sind. Grundsätzlich ist zu verzeichnen, dass das Image des Handwerks in der Bevölkerung zunimmt und somit auch immer mehr junge Leute sich für einen Handwerksberuf entscheiden. Ich bin sicher, dass das Handwerk die Pandemie gut überstehen wird und vereint dafür sorgt, dass das hohe Ausbildungsniveau gehalten werden kann.“

Mehr Zahlen zum Ausbildungsmarkt finden Sie auch im Internet unter: https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/bochum/startseite

Wer noch sucht, kann sich melden unter:

Für Jugendliche:

Berufsberater stehen jederzeit telefonisch unter 0800 4 5555 00 oder über die Anwahl des persönlichen Beraters zur Verfügung. Auch möglich ist, www.arbeitsagentur.de/beratungswunsch oder Herne.Berufsberatung@arbeitsagentur.de.

Für Arbeitgeber:

Auch eine kurzfristige Bewerbersuche kann unter 0800 4 5555 20 oder über ihren persönlichen Betreuer im Arbeitgeber-Service durchgegeben werden sowie unter Herne.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de.

Details der Meldungen
2017-04-26