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Meldung vom 20. November 2020

Stadt Herne unterstützt Kindertrauerbegleitung

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, deren nahe Angehörige am Lebensende durch das Palliativ-Netzwerk Herne, Wanne-Eickel, Castrop-Rauxel betreut werden, können in Herne ab sofort eine professionelle Trauerbegleitung in Anspruch nehmen. Diese Begleitung gilt über den Tod des Angehörigen hinaus und ist für die Trauernden kostenfrei.

Die ersten Trauerbegleitungen haben bereits stattgefunden. Die Stadt Herne unterstützt das Projekt. Erarbeitet wurde das Konzept von der Arbeitsgruppe „Junge Familien“ des Palliativ-Netzwerkes. Die AG nimmt über die Gratis-Hotline des Netzwerkes unter 0800 / 900 91 91 täglich von 9 bis 17 Uhr Anfragen entgegennehmen und koordiniert den Kontakt.

In der Herner Stadtgesellschaft findet das Projekt breites Interesse. "Gerade Kinder und Jugendliche benötigen in der schweren Phase des Abschiednehmens und der Trauer um einen geliebten Menschen unsere besondere Aufmerksamkeit,“ sagt Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda. „Die professionelle Kindertrauerbegleitung des Palliativnetzwerks ist eine wichtige Hilfe für diese jungen Menschen und deren Familien. Deswegen unterstützen wir als Stadt Herne dieses Angebot."

Kinder trauern „auf Raten“

Grundsätzlich reagiert jedes Kind auf ganz individuelle Weise auf das Sterben eines Elternteils, Geschwisterkindes oder einer nahestehenden Bezugsperson. Gemeinsam ist fast allen Kindern, dass ihre Trauer keine kontinuierliche ist, wie man sie von Erwachsenen kennt. Kinder trauern „auf Raten“, um sich vor einer Überforderung zu schützen. „Diese Art des Trauerns ist Erwachsenen oft fremd und sie verstehen die Kinder nicht immer. Kindertrauer kann sich ganz unterschiedlich äußern. Sie kann beispielweise durch Weinen, Abwehr, Protest, stille Trauer, Unauffälligkeit oder Überangepasstheit ihren Ausdruck finden. Andere Kinder machen viel Quatsch, blödeln herum oder verhalten sich so, als sei nichts geschehen. Vielfach versuchen sie auch, erwachsene Familienmitglieder zu schützen, die mit ihrem eigenen Trauerprozess beschäftigt sind,“ sagt Karola Rehrmann, Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes und Mitglied der AG „Junge Familie“.

Belastete Familien entlasten

Eine qualifizierte Kindertrauerbegleitung in Einzel- oder Gruppensitzungen hilft ihnen dabei, ihren

ganz persönlichen Weg der Trauer zu finden und zu gehen. Dazu benötigen sie Bezugspersonen, die ihnen das Trauern zutrauen. Positive Erinnerungen zu schaffen ist dabei von entscheidender Bedeutung für die Zukunft der Familien. „Ziel der Begleitung ist es auch, belastete Familiensysteme zu entlasten. Deshalb werden Eltern bewusst in den Prozess integriert,“ betont Heidi Skrzypczak, Koordinatorin beim Palliativärztlichen Konsiliardienst (PKD) und Mitglied der AG „Junge Familie“. Das Vermitteln wesentlicher Informationen an die Eltern schützt vor unbedachten Worten und Heimlichkeiten. Das Vertrauen der Kinder in ihre Bezugspersonen wird gestärkt.

Ein Netzwerk professioneller Trauerbegleiterinnen

Die Begleitung der Kinder und Jugendlichen selbst liegt in den Händen professioneller Trauerbegleiterinnen. Dazu zählen u.a. das Team von Mechthild Schroeter-Rupieper (Lavia e.V.) aus Gelsenkirchen sowie Martina Hosse-Dolega (Trauerbegleitung Vergissmeinnicht) aus Castrop-Rauxel. Weitere ausgebildete Kooperationspartner werden das Netz erweitern.

Lions Club Wanne-Eickel machte Projektstart möglich

Durch die Kindertrauerbegleitung entstehen den Teilnehmenden keine Kosten. Diese trägt das Palliativ-Netzwerk aus Eigenmitteln und Spenden. Die ersten Trauerbegleitungen in Herne ermöglichte eine großzügige Spende des Lions Clubs Wanne-Eickel aus dem Charity-Programm „20 in 2020“.

Weiterer Baustein gemäß der „Charta zur Betreuung Sterbender“

Das Angebot der Kindertrauerarbeit ist ein weiterer Baustein der „Charta zur Betreuung sterbender und schwerstkranker Menschen in Deutschland“, die im November 2019 aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des Palliativ-Netzwerkes von den Städten Herne und Castrop-Rauxel gemeinschaftlich unterzeichnet wurde. Karin Leutbecher, Koordinatorin beim Ambulanten Hospizdienst Herne und Vorsitzende des Palliativ-Netzwerkes: „„Wir haben uns verpflichtet, zusammen für die Verbesserung der Situation schwerstkranker und sterbender Menschen, ihrer Familien und der ihnen nahestehenden Menschen einzutreten. Das neue Projekt ergänzt sinnvoll die bereits bestehende Zusammenarbeit bei den ,Letzte Hilfe‘-Kursen und beim Herner Weg zur gesundheitlichen Versorgungsplanung, wo wir im intensiven Austausch sind.“

Details der Meldungen
2017-04-26