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Meldung vom 27. Januar 2021

27. Januar 2021 – Gedenktag an die Euthanasie-Opfer im Nationalsozialismus

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten das Vernichtungslager Ausschwitz im besetzten Polen. Seit 1996 wird an dem durch Proklamation des früheren Bundespräsidenten Roman Herzog (Amtszeit von 1994 bis 1999) eingeführten Gedenktages bundesweit in Deutschland der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

Der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ soll an die unzähligen persönlichen Schicksale eines beispiellosen totalitären und menschenverachtenden Regimes während der Zeit des Nationalsozialismus erinnern.

Zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ wurde der 27. Januar von den Vereinten Nationen im Jahr 2005 erklärt. Inzwischen wird der Gedenktag auch in vielen weiteren Staaten Europas begangen und an öffentlichen Gebäuden Trauerbeflaggung gesetzt.

Gedacht wird der Millionen gequälter und ermordeter Menschen, wie beispielsweise der europäischen Juden, der Sinti und Roma, der Zeugen Jehovas, der verschleppten Slawen, der Zwangsarbeiter*innen, der Homosexuellen, der politischen Gefangenen, der Menschen im Widerstand, der Kranken und der Menschen mit Behinderungen und all derer, die von den Nationalsozialisten zu Feindinnen und Feinden erklärt und verfolgt wurden.

An Kranken und Menschen mit Behinderung wurden von den Nationalsozialisten verabscheuungswürdige Verbrechen begangen. Das im Jahr 1934 erlassene „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ ermöglichte dem Nazi-Regime die Zwangssterilisierung vermeintlicher „Erbkranker“ und Alkoholiker, im Sinne der sogenannten „Rassehygiene“. Darunter verstanden die Nationalsozialisten die „Auslese gesunder und vermeintlich hochwertiger Erbanlagen“ und die Beseitigung „minderwertiger oder vermeintlich kranker Erbanlagen“.

Seit dem Jahr ihrer Machtübernahme führten die Nationalsozialisten in zwölf Jahren schätzungsweise 400.000 Zwangssterilisationen an Kranken oder Menschen mit Behinderungen durch.

Die Bezeichnung „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ ist damals zu einem Schlagwort der Nationalsozialisten geworden und diente diesen zur Legitimation der Ermordung von schätzungsweise bis zu 300.000 Kranken oder Menschen mit Behinderungen in der Zeit von 1940 bis 1945.

Unter der Bezeichnung „Aktion T4“ versteht man heute die systematische Ermordung von mehr als 70.000 Menschen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen in Deutschland in der Zeit von 1940 bis 1941 unter Leitung der „Zentraldienststelle T4“.

Die „Zentraldienststelle T4“ war die Bezeichnung einer Tarnorganisation der Kanzlei des Führers (KdF), die in jener Zeit mit der Durchführung der Morde an Kranken und Menschen mit Behinderungen beauftragt war und die ihren Sitz in der Berliner Tiergartenstraße 4 hatte.

In Anbetracht dieser verabscheuungswürdigen Verbrechen während der Zeit des Nationalsozialismus, aber auch als Mahnung an die künftigen Generationen gerichtet, führte Roman Herzog zudem in seiner Proklamation aus:

„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

Die Generation der damaligen Opfer, wie auch der Täter*innen stirbt allmählich aus.

Es bleiben immer weniger Überlebende übrig, die ihre Erfahrungen und Erlebnisse teilen oder weitergeben können.

Damit die Erinnerung lebendig gehalten wird und sich die Taten, die vor mehr als 70 Jahren begangen wurden, nicht wiederholen, sind Gedenktage wie der 27. Januar so wichtig, um allen Menschen - unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder Religion - eine vollumfängliche und gleichberechtigte Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen zu ermöglichen und jedwede Form von Diskriminierung oder Ausgrenzung zu verhindern.

Anlässlich dieses Gedenktages werden bundesweit in Deutschland mit zahlreichen Veranstaltungen wie beispielsweise Lesungen, Theateraufführungen oder Gottesdienste die Erinnerungen an die Verbrechen der Nationalsozialisten wachgehalten.

Da aufgrund der Corona-Pandemie viele dieser Veranstaltungen nicht in gewohnter Form durchgeführt werden können, gibt es im Jahr 2021 auch zahlreiche Online-Veranstaltungen wie folgende Veranstaltung der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen:
„Gedenken an die Opfer der „Euthanasie“-Verbrechen im Nationalsozialismus“
Salon im Kleisthaus mit Claudia Roth und Igor Levit“
Alle Details zu dieser Veranstaltung finden Sie auf der Homepage des Behindertenbeauftragten .

Auch das städtische Inklusionsbüro möchte mit diesem Artikel einen aktiven Beitrag zum Gedenken an die Opfer der Euthanasie-Verbrechen des Nationalsozialismus leisten.

Unter www.gedenkort-t4.eu sind zahlreiche Biografien und Fotos von Opfern der NS-Euthanasie-Verbrechen veröffentlicht, die den persönlichen Schicksalen ein Gesicht geben.

Das staatliche Museum Auschwitz-Birkenau erinnert auf seiner Internet-Seite an den 76. Jahrestag der Befreiung und widmet sich in diesem Jahr mit eindrucksvollen Fotodokumenten dem besonderen Schicksal der dort inhaftierten Kinder.

Die Stadt Herne hat in Zusammenarbeit mit dem Emschertal-Museum einen Kurzfilm „Erinnern und Erkenntnis“ produziert.

Details der Meldungen
2017-04-26