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Meldung vom 20. Juli 2021

Herner Kinder bekommen Extra-Zeit zum Lernen

Erst- und Zweitklässler von fünf Herner Schulen haben in den Sommerferien zwei Wochen „Extra-Zeit zum Lernen“ bekommen. So heißt das Landesprogramm, an dem die Stadt Herne teilnimmt. Damit fördert das Land Projekte, in denen Schülerinnen und Schüler aufholen können, was sie wegen der Schulschließungen während des Lockdowns verpasst haben.

Dabei geht es nicht darum, die Noten in den einzelnen Fächern zu verbessern. Stattdessen üben die Kinder Basiskompetenzen, damit ihnen das Lernen leichter fällt. Denn während des Lockdown haben sie nicht nur fachliche Inhalte verpasst, sondern konnten auch viele soziale Erfahrungen nicht machen und ihre motorischen Fähigkeiten weniger trainieren.

Kinder lernen spielerisch

Das Programm, das die Schulen gemeinsam mit dem Kommunalen Integrationszentrum (KI) umgesetzt haben, fühlt sich für die Kinder gar nicht nach Arbeit an: Bei Ausflügen, zum Beispiel in die Zoom Erlebniswelt, haben sie ihren Wortschatz erweitert. Bei Sport, Spielen und Basteln ihre motorischen Fähigkeiten trainiert. In der Gruppe und beim gemeinsamen Essen ihre Sozialkompetenzen gefestigt. Und nebenbei gab es noch Mathe und Deutsch.

„Das ist die erste Extra-Zeit zum Lernen. In den nächsten ein bis vier Jahren werden wir innerhalb einer Projektstruktur die Fördergelder des Landes abrufen. Zuerst schauen wir gemeinsam mit den Schulen, welche Defizite die Schülerinnen und Schüler überhaupt mitbringen. Dann fördern wir punktuell, da, wo es nötig ist“, erklärt Andreas Merkendorf, Leiter des Fachbereichs Schule und Weiterbildung und zukünftiger Dezernent unter anderem für Bildung, der Stadt Herne.

Viele erleben Schule zum ersten Mal

Viele Kinder, die während der Pandemie eingeschult wurden, hatten bisher kaum Unterricht in ihrer Schule. Sie mussten zuhause in den neuen Lebensabschnitt starten. So zum Beispiel Silvana, Ibrahim, Viktoria und Leyla von der Freiherr-vom-Stein-Schule. „Zuerst wollte ich lieber Ferien machen, aber dann hat es Spaß gemacht. Wir haben gelernt und ganz viel gebastelt“, verrät Leyla. „Wir haben Mathe, Deutsch und Lesen geübt“, ergänzt Ibrahim. Und Silvana zeigt, welche Kunstwerke dabei entstanden sind.

Das Konzept haben Schulen und KI gemeinsam entwickelt: „Es liegt uns am Herzen, den Kindern ein Gut-angekommen-Gefühl zu geben. Gerade Kindern, die unter belastenden Umständen leben, geben wir einen geschützten Raum zum Lernen“, sagt Regina Osladil, vom KI, die das Projekt begleitet hat. „Wir haben unsere Erfahrung aus dem Förderprogramm „Fit in Deutsch“ eingebracht, um die Defizite, die sich während Corona angehäuft haben, abfangen zu können“, erklärt Claudia Heinrich, die das KI leitet. Sie plant in den Herbstferien bis zu elf Schulen zu begleiten und zu unterstützen.

Die Bildungskatastrophe aufzufangen hat oberste Priorität

„Der Lockdown war die größte Bildungskatastrophe, die uns ereilen konnte und es ist unsere Verantwortung, dass die Kinder keinen Schaden davontragen, weder motorisch noch psychisch“, so Andreas Merkendorf. Nach und nach sollen alle Schulformen und die Kitas einbezogen werden. Den Anfang haben die Michaelschule, die Horstschule, die Grundschule Jürgens Hof, die Freiherr-vom-Stein-Schule und die Grundschule Kunterbunt gemacht.

Zusätzlich zu den Fördergeldern des Landes bringt die Stadt einen Eigenanteil auf, um die Extra-Zeit zu finanzieren. „Der Oberbürgermeister, der Kämmerer und alle Fachbereiche haben einen Blick auf die Kinder und Jugendlichen. Der Eigenanteil der Stadt von 20 Prozent ist zwar nicht viel, aber es ist aufwändig umzusetzen, weil der laufende Haushalt schon lange geplant ist. Warum fördert das Land nicht zu 100 Prozent?“, wundert sich Merkendorf. Trotz dem Aufwand, den Stadt und Schulen in das Projekt stecken, ist für ihn klar: „Der Aufholprozess der Kinder dauert Jahre und er hat für uns oberste Priorität.“

Details der Meldungen
2017-04-26