Meldung vom 28. Januar 2019

Gedenkstunde am Shoah-Mahnmal

Bei unangenehmen Temperaturen von nur drei Grad und Dauernieselregen gedachte die Stadt Herne am Shoah-Mahnmal der Opfer des Nationalsozialismus und der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945.

Allerdings ließ das Publikum sich nicht vom schlechten Wetter abhalten: Über den Willi-Pohlmann spannte sich ein Dach aus Regenschirmen, was allerdings nicht verhinderte, dass die Zuschauer – unter ihnen auch viele Schüler – nach einer halben Stunde durchgefroren und durchnässt den Platz verließen. Allerdings mit der Gewissheit, für eine gute Sache eingestanden zu haben.

Zeremonie nur draußen

Die komplette Gedenkzeremonie fand am Shoah-Mahnmal statt – auf den Part im Kulturzentrum wurde in diesem Jahr verzichtet. Der gesetzlich verankerte Feiertag wäre der Sonntag, 27. Januar 2019 gewesen, aber in Herne ist es üblich, die Gedenkstunde zu verlegen, wenn der Tag auf ein Wochenende fällt. Was auch den Charme hat, dass Schüler und Lehrer im Rahmen von Schulveranstaltungen mit Beiträgen daran teilnehmen. Weil aber das 80. Jahr nach der Pogromnacht am 9. November 2018 mit einem umfangreichen Programmteil glänzte – Schülerbeiträge, Vortrag einer Antisemitismus-Expertin und eine Nachbearbeitung für Pädagogen -, wurde der Auschwitz-Gedenktag kürzer gefasst. Was aber ab dem nächsten Jahr wieder im gewohnten Umfang ablaufen soll.

Schutz für Shoah Denkmal sollte nicht notwendig sein

Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda erinnerte daran, dass es „in absehbarer Zeit keine Zeitzeugen mehr geben wird, die uns mit ihren bewegenden Berichten so oft aufgewühlt haben. Dann bleiben uns nur noch ihre Aufzeichnungen und Erinnerungsorte wie dieses Mahnmal, um uns die grausamen Verbrechen der Nationalsozialisten zu vergegenwärtigen.“ Dudda warnte vor rechtem Populismus. „Leider schauen viele Menschen einfach weg. Und richtig gefährlich wird es, wenn Menschen nationalistischen und rassistischen Vorstellungen blind folgen. Ich möchte an dieser Stelle ganz klar Stellung beziehen: Es kann nicht angehen, dass sich unsere jüdischen Mitmenschen nicht mehr sicher fühlen und Erinnerungsorte wie das Shoah-Mahnmal eines besonderen Schutzes bedürfen.“ Der Oberbürgermeister bestätigte dann, dass die Herstellung des Schutzkonstruktes für das Mahnmal nach Plan verläuft. Im Frühjahr kann es pünktlich installiert werden. Zwei Erinnerungstafeln sollen aber noch in diesem Jahr aufgestellt werden. Eine Tafel soll an die Familie Frank erinnern und in der Nähe der Mont-Cenis-Gesamtschule einen Platz finden. Die Tafel für die Familie Wertheim kommt wohl an die Heinrichstraße.

Christian Ribbe umrahmte die Veranstaltung mit einem Musikstück, dann wurden die Gebete gesprochen: Aaron Naor für die Jüdische Gemeinde Bochum-Herne-Hattingen, Superintendent Reiner Rimkus für den Evangelischen Kirchenkreis Herne und Dechant Norbert-Johannes Walter für das Katholische Dekanat Emschertal. Anschließend bat Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda um eine Gedenkminute für die Opfer der Shoah aus Herne und Wanne-Eickel.