Meldung vom 12. März 2019

Woche der Ausbildung macht bei Heitkamp Station

Einen Bagger steuern, eine Walze lenken oder Schalungen für Betonbauwerke aufstellen, das konnten 17 Bewerber von sechs Herner Schulen bei der Woche der Ausbildung ausprobieren. Die Jugendlichen waren am Montag, 11. März 2019, bei der Firma Heitkamp eingeladen, um Bauberufe von Kanalbau über Straßenbau bis zum Baugeräteführer kennen zu lernen.

Geschicklichkeits-Spiele mit dem Bagger

Trotz Regen und Kälte hatten die Jugendlichen Spaß daran, mit einer Baggerschaufel einen Tennisball auf die Spitze eines Absperrhütchens zu balancieren oder Schalungsplatten aufzubauen, die gebraucht werden, um Betonteile für Häuser oder Brücken zu gießen. Das hat zum Beispiel Ibrahim Marouf ausprobiert. Der 20-Jährige hat die Fachoberschulreife mit Qualifikation und möchte nun Beton- und Stahlbetonbauer werden. „Es gefällt mir sehr, der Beruf hat viel mit Technik zu tun. Ich habe mich schon vor zwei Wochen beworben und die Firma wollte, dass ich heute einen Eindruck von dem Beruf bekomme.“ Nun ist seine Begeisterung für den Beruf erst recht geweckt.

Leuchtende Augen und erfolgreiche Bewerbungen

„Ich habe schon die einen oder anderen funkelnden Augen gesehen“, sagt auch Alper Kurt von der Agentur für Arbeit. Er unterstützt Arbeitgeber, passende Mitarbeiter und Auszubildende zu finden. Im vorigen Jahr hat das gut geklappt: Leon Wieczorrek zum Beispiel hat im vergangenen Jahr in der Woche der Ausbildung erste Erfahrungen mit einem Bagger gesammelt – und einen Ausbildungsplatz als Baugeräteführer bekommen. „Es war ein schulisches Angebot, zum Bewerbertag bei Heitkamp zu kommen. Eine Lehrerin hat uns davon erzählt. Ich habe gedacht: Warum nicht? Es war im vorigen Jahr ziemlich kalt, aber ich habe Minibagger und Großbagger ausprobieren können und gemerkt, das ist etwas für mich.“ Das war auch den Ausbildern aufgefallen und mit nur einer Bewerbung hatte Wieczorrek seinen Ausbildungsplatz sicher.

Betonbaumeister von Herzen

Erich Mikus ist, so sagt er, „Betonbaumeister von Herzen“. Er bildet junge Menschen aus und findet: „Der neue Kollege macht sich hervorragend.“ Seit er selbst den Beruf gelernt hat, habe sich einiges verändert: „Der Beruf ist technischer geworden. Wir sind bemüht, durch Hebetechnik die körperlichen Belastungen in Grenzen zu halten.“ Vieles, was früher noch mit dem Spaten gemacht wurde, wird nun mit Maschinen erledigt. Trotzdem ist körperliche Fitness notwendig.

15 freie Ausbildungsplätze in acht Berufen

Derzeit lernen 27 Auszubildende bei Heitkamp, 14 davon werden Baugeräteführer. Drei Jahre dauert die Ausbildung im Ausbildungszentrum, auf dem Bauhof, in Berufsschule und auf Baustellen. Haben sie ausgelernt, können die Fachkräfte 16 bis 22 Euro in der Stunde verdienen. Für dieses Jahr sind in dem Ausbildungsgang noch vier bis fünf Plätze zu vergeben, insgesamt sucht die Firma 15 Azubis für acht Berufe.

Unternehmen müssen gute Mitarbeiter ausbilden

„Wir sollten den Studienwahn durchbrechen, die duale Ausbildung hat einen guten Stellenwert“, findet Dieter Groß, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Bochum / Herne. Aber nicht nur die Jugendlichen sind gefragt, auch die Firmen müssen für Ausbildungsplätze sorgen: „Wichtig für die Zukunft ist, dass sich Unternehmen auf die veränderte Situation einstellen, auf den demografischen Wandel und die Digitalisierung, die erhöhte Anforderungen an Beschäftigte stellt. Unternehmen müssen deswegen ausbilden, weil das dem Standort dient und für dafür sorgt, dass sie gute Mitarbeiter haben.“

Für das Ausbildungsjahr 2019 / 2020 rechnet die Agentur für Arbeit mit 1450 jugendlichen Bewerbern in Herne. Sieben Jahre zuvor waren es noch 2136. Obwohl es weniger junge Menschen gibt, werden trotzdem dringend zusätzliche Ausbildungsstellen gesucht. 616 freie Plätze sind der Agentur für Arbeit derzeit gemeldet, aber doppelt so viele junge Menschen, nämlich 1226, suchen einen Platz.

Ausbildung schützt vor Arbeitslosigkeit

„Nach wie vor gilt, dass Menschen ohne Ausbildung stärker von Arbeitslosigkeit bedroht sind als Menschen mit abgeschlossener Ausbildung. Insofern ist Ausbildung der Schlüssel zum selbstbestimmten Leben“, weiß Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda. „Gerade im Handwerk ist das große Problem, dass das Interesse wegbricht. Dabei haben wir eine gute Auftragslage im Handwerk“, sagte Dr. Dudda. Um für die betriebliche Ausbildung in Handwerksbetrieben zu werben, wird er am Donnerstag, 14. März 2019, zusammen mit Dr. Regine Schmalhorst, der Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Bochum / Herne, und Herner Jugendlichen drei Handwerksunternehmen besuchen.

Organisiert wurde die Aktion von der Agentur für Arbeit, unterstützt von der Stadt Herne und dem Projekt KAoA – Kein Abschluss ohne Anschluss.