Meldung vom 29. Juli 2019

Den Kopf frei fürs Deutsch lernen

Eine große Chance, vor allem für neuzugewanderte Frauen, bieten Sprachkurse mit Kinderbetreuung. „Wenn die Kinderbetreuung fehlt, ist das vor allem für Mütter ein Hindernis bei der Integration“, weiß Stefanie Jordan, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend, Familie.

Deswegen hat ihr Fachbereich gemeinsam mit der Volkshochschule (VHS), dem Kommunalen Integrationszentrum (KI), dem Projektbüro Integration, der Bobeq und der AWO nun eine Kinderbetreuung während der Sprachkurse organisiert.

Mütter wissen ihre Kinder gut aufgehoben

Im Gebäude der ehemaligen Janoschschule in der Bismarckstraße 82 lernen die Mütter in zwei unterschiedlichen Kursen nun Lesen und Schreiben oder vertiefen ihre Kenntnisse über Land und Sprache. In der Zeit spielen ihre Kinder in den extra eingerichteten Räumen im Erdgeschoss. „Die Mütter sollen ihre Kinder gut aufgehoben wissen, dann haben sie den Kopf frei zum Lernen“, erklärt Natella Schüpp von der VHS.

Nur als Gemeinschaftsprojekt möglich

Was einfach klingt, war in der Organisation eine Herausforderung. „Die Förderung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge beinhaltet Unwägbarkeiten und ist nicht sehr praktikabel“, kritisiert Jordan. „Wir brauchen eine andere Verbindung von Sprachkursen und Kinderbetreuung.“ Zunächst wollte kein Träger in der Umgebung solche Kurse anbieten. Schließlich koordinierte die Stadt Herne zwei Projekte, die sie in einem Haus unterbringen konnte: Die Sprachkurse und die Kinderbetreuung als sogenanntes Brückenprojekt für Kinder, die keinen Betreuungsplatz haben. Das Gebäude stellte der städtische Fachbereich Schule kostenfrei zur Verfügung.

Begehrte Plätze im Sprachkurs

Bis zu 20 Teilnehmende kommen in einen Kurs, für sie stehen elf Betreuungsplätze zur Verfügung. „Die Nachfrage ist so groß, dass wir für den nächsten Kurs im November schon 37 Anmeldungen haben“, weiß Natalia Weidenbach vom KI, wo die Anmeldungen aufgenommen werden. „Bisher mussten die Frauen warten, bis die Kinder drei Jahre alt waren und einen Kita-Platz hatten. Jetzt können sie schon vorher Deutsch lernen und sind glücklich“, beobachtet Schüpp.

Die Chance hat unter anderem die 22-jährige Amal genutzt. Sie kommt aus Marokko und lebt seit ihrer Heirat mit einem Deutschen vor vier Jahren in Herne. „Ich spreche im Bus Frauen an und bitte sie, mit mir Deutsch zu sprechen, damit ich es lerne“, erklärt sie. Dennoch braucht sie den Sprachkurs, um sich auf die Prüfung für das B1-Zertifikat vorzubereiten. Denn Sprachkenntnisse auf diesem Niveau sind die Voraussetzung für einen deutschen Pass.

Integration für Eltern und Kinder

Auch ihre beiden Kinder integrieren sich in der Betreuung gut. Jana Schlüter von der AWO erzählt: „Die meisten Kinder sprechen kein Deutsch, verständigen sich aber problemlos miteinander, manchmal in einer Fantasiesprache. Die Betreuer sprechen nur Deutsch mit ihnen und verständigen sich notfalls mit Gesten. Inzwischen haben sich ein kurdisches und ein arabisches Kind miteinander angefreundet.“ Demnächst bietet der Stadtsportbund auch ein Bewegungsprogramm für die Kinder an, die sich dann richtig austoben können.