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Auszug - Lärmbelästigung durch Fahrgeräusche der Straßenbahn Linie 306 - Anfrage des Bezirksverordneten Barzik vom 30.11.2012 -  

der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Eickel
TOP: Ö 2
Gremium: Bezirksvertretung Eickel Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Do, 13.12.2012 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 17:00 - 18:43 Anlass: Sitzung
Raum: Eickeler Markt 1
Ort: Bürgersaal des Sud- und Treberhauses
2012/0795 Lärmbelästigung durch Fahrgeräusche der Straßenbahn Linie 306
- Anfrage des Bezirksverordneten Barzik vom 30.11.2012 -
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Anfrage CDU
Verfasser:BVO Barzik, Andreas
Federführend:FB 53 - Tiefbau und Verkehr Bearbeiter/-in: Lübeck-Messmacher, Elke
 
Beschluss


Bereits im Februar dieses Jahres hat sich die Bezirksvertretung Eickel mit der Lärmbelästigung durch die Straßenbahn Linie 306 beschäftigt.

Aus diesem Anlass hat die Verwaltung Mitte Februar von einem Ingenieurbüro in Zusammenarbeit mit der Bogestra Messungen durchführen lassen.

Im Mai gab die Verwaltung einen Zwischenbericht über die gewonnenen Erkenntnisse aus diesen Messung ab.

Seit nunmehr sieben Monaten sind keinerlei Maßnahmen erfolgt, die die unzumutbare Lärmbelästigung der Anwohner verbessert hätten.

Es handelt sich bei den Fahrgeräuschen der Straßenbahn in den bekannten Kurven auf der Eickeler Straße/Rainerstraße/Richard-Wagner-Straße nicht um „Schönheitsfehler“ bei dem Betrieb der Linie 306, sondern bei Schallpegeln von gemessenen 85 dB(A) um Geräuschbelästigungen, die sicherlich schon im Schädigungsbereich liegen.

Es ist für alle Betroffenen unverständlich, dass seitens der Stadt Herne nicht mit hoher Priorität eine dauerhafte Lösung von der Bogestra gefordert wird, da nach Aussage der Bogestra eine technische Möglichkeit zur Vermeidung der Quietschgeräusche gefunden wurde.

 

Ich bitte die Verwaltung um Beantwortung folgender Fragen:

1.   Wird die bisher bevorzugte Lösung – mittels mit Frostschutzmittel versetztem Wasser die Lärmbelästigung zu reduzieren – weiterverfolgt oder wurde dieser Ansatz verworfen?

2.   Welche weiteren Lösungsmöglichkeiten zur Behebung dieses Mangels werden geprüft?

3.   Hat der Fachbereich Tiefbau und Verkehr in Verbindung mit der seh den Einsatz von Frostschutzmittel geprüft und freigegeben oder welche Bedenken bestehen dagegen?

4.   Hat die Stadt Herne Informationen angefordert, ob und wann die zuständige Aufsichtsbehörde (Bezirksregierung Düsseldorf) die bautechnische Zulassung erteilt und welche sind diese?

5.   Hat die Verwaltung die Bogestra eindringlich zur Abhilfe aufgefordert und mit welcher Fristsetzung?

6.   Wann werden die Straßenbahnen mit Wassertanks ausgerüstet und in Betrieb genommen?

7.   Unterliegt die Stadt Herne, insbesondere in dem oben genannten Bereich, der EU-Umgebungslärmrichtlinie (Richtlinie 202/49/EG) oder erarbeitet die Stadt Herne von sich aus einen Lärmaktionsplan mit möglichen Maßnahmen zur Lärmminderung im Schienenverkehr?

    

 

Herr Nobert gibt folgende Antworten:

 

Zu Frage 1:

Die Versuche, mit Wasser, dem im Winter ein Frostschutzmittel zugesetzt werden soll, die Schienen zu benetzen, waren erfolgreich. Es hat sich gezeigt, dass, sobald die Schienen in Kurvenbereichen mit Wasser benetzt werden, die beanstandeten Quitschgeräusche nahezu verschwunden sind. Diese Lösung ist daher weiter verfolgt worden.

 

 

Zu Frage 2:

Die Prüfung weiterer Möglichkeiten zur Abhilfe war damit nicht erforderlich.

 

 

Zu Frage 3:

Der Fachbereich Tiefbau und Verkehr hat in Abstimmung mit der Stadtentwässerung Herne den Einsatz des Frostschutzmittels geprüft und freigegeben.

 

 

Zu Frage 4:

Der Fachbereich Umwelt stand während der Umbauten des Prototyps mit der BOGESTRA in Kontakt. Nach Mitteilung der BOGESTRA ist die Erteilung einer straßenverkehrsrechtlichen Zulassung durch die Bezirksregierung Düsseldorf nicht erforderlich und daher auch nicht vorgesehen. Die BOGESTRA hat den umgebauten Prototyp aber der Bezirksregierung Düsseldorf als technische Aufsichtsbehörde vorgestellt. Seitens dieser Behörde bestehen demnach keine Bedenken gegen den Umbau.

 

 

 

Zu Frage 5:

Die Stadt Herne hat keine Handhabe, ordnungsrechtlich gegenüber der BOGESTRA tätig zu werden. Technische Aufsichtsbehörde ist die Bezirksregierung Düsseldorf, die von der Stadt Herne frühzeitig über die Problematik informiert worden war.

 

 

Zu Frage 6:

In der 49. Woche 2012 ist eine Straßenbahn vom Typ Variobahn (Niederflurstraßenbahn) auf dem Betriebshof der BOGESTRA in Bochum umgebaut worden.

 

Die Straßenbahn ist mit Wassertanks ausgerüstet worden, in denen das Wasser, ggf. mit einem Frostschutzmittel vermischt, bevorratet wird. In Kurvenbereichen können dann bei trockener Witterung die Schienen benetzt und damit die lästigen Quitschgeräusche verhindert werden.

 

Der Umbau der Bahnen gestaltete sich nach Angaben der BOGESTRA schwierig. Jeweils die beiden Vorderräder (links und rechts) sind mit einem Tank ausgerüstet worden. Da es sich um Zweirichtungsbahnen handelt, verfügt die Bahn daher jetzt über insgesamt 4 Wassertanks, in denen zusammen ca. 100 Liter Wasser untergebracht sind. Die 4 Tanks mussten unter dem jeweiligen Führerstand im Fahrwerk integriert wer-den. Wegen der dort sehr beengten Platzverhältnisse waren weitere Umbauten im Fahrwerksbereich erforderlich. Insbesondere darin ist die Verzögerung bei der ange-kündigten Realisierung des Projektes begründet.

 

Der Prototyp der umgebauten Straßenbahn ist seit Montag, dem 10.12.2012 auf der Linie 306 unterwegs. Die Testphase wird ca. 3 bis 4 Monate dauern. Bei dieser Bahn soll die Bedüsung der Schienen in Kurvenbereichen zunächst manuell durch den Fahrer mittels eines Tasters erfolgen. Später soll diese Bedüsung GPS – gesteuert automatisch in Kurven ausgelöst werden.

 

Nach erfolgreichem Einsatz des Prototyps sollen bis Ende 2013 weitere 35 Nieder-flurstraßenbahnen der BOGESTRA, die im Verkehrsverbund zum Einsatz kommen, umgebaut werden. Die Fahrer der BOGESTRA sind angewiesen worden, in der Übergangszeit bis zur endgültigen Umrüstung der Fahrzeuge in den betroffenen Kurvenbereichen langsam zu fahren, was nach stichprobenhaften Feststellungen auch beachtet wird.

 

Die BOGESTRA hat angekündigt, die Ergebnisse des Versuchsbetriebes in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung Eickel am 21. März 2013 in einem größeren Rahmen vorzustellen.

 

 

Zu Frage 7:

Die Frage wird vom zuständigen FB Tiefbau und Verkehr wie folgt beantwortet: Die Stadt Herne unterliegt den gesetzlichen Anforderungen der EU-Umgebungslärmrichtlinie und wird bei Bedarf einen Lärmaktionsplan für die jeweils relevanten Lärmquellen erarbeiten.