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Auszug - Anfragen der Ausschussmitglieder  

des Ausschusses für Umweltschutz
TOP: Ö 18
Gremium: Ausschuss für Umweltschutz Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Mi, 17.09.2014 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 18:45 Anlass: Sitzung
Raum: kleiner Sitzungssaal (Raum 214)
Ort: Rathaus Herne
 
Beschluss


18.2.1.

Herr Nobert vom Fachbereich 54 / Umwelt beantwortet den von Herrn Krüger von der Grünen Fraktion eingereichten Fragenkatalog bezüglich der Trinkwasserqualität in Herne mit einer kleinen Einführung folgendermaßen:

 

Frau Kurzawa hat der GELSENWASSER AG, die zum einen als technische Betriebsführerin der Wasserversorgung Herne GmbH das Trinkwasserversorgungsnetz im Stadtgebiet Herne betreibt und zum anderen die Wasserversorgung Herne GmbH mit Trinkwasser beliefert, den Fragenkatalog der Grünen Fraktion zur Beantwortung weitergeleitet. Hintergrund der Anfrage ist der Bericht zur Trinkwasserqualität - insbesondere die Abschätzung zum Vorkommen von Arzneimittelrückständen anhand des Elements „Gadolinium“ - in der Septemberausgabe                    des Magazins „Ökotest“.

 

Zunächst einige allgemeine Informationen:


Gadolinium ist ein chemisches (Grund-) Element, das zu den sogenannten „seltenen Erden“ gehört. Es ist ein natürlicher Inhaltsstoff in unseren Gewässern. In welcher Konzentration und in welcher Verbindungsform die Substanz vorkommt, ist von den jeweiligen geogenen Gegebenheiten abhängig. Ein Eintrag in die Gewässer ist auch durch Abwassereinleitungen gegeben, denn in komplex gebundener Form ist Gadolinium Bestandteil von Kontrastmitteln für die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT), bei der es zur Verbesserung der Bildqualität eingesetzt wird. In dieser gebundenen Form wird Gadolinium nicht vom menschlichen Körper aufgenommen, sondern unverändert wieder ausgeschieden.

 

Für das Trinkwasser sind für Gadolinium keine Grenz- oder Vorsorgewerte hinterlegt, auch gibt es keine Untersuchungsverpflichtungen. Der Parameter wird daher nicht routinemäßig im Zuge der Trinkwasserkontrolle erfasst. Deshalb liegen lediglich orientierende Messungen vor. Aufgrund fehlender anderer Bewertungsgrundlagen ist der allgemeine gesundheitliche Orientierungswert (GOW) für bislang nicht bewertete Spurenstoffe von 0,1 µg/l auch beim Gadolinium für eine Abschätzung der gesundheitlichen Relevanz geeignet. Zum Vergleich: Nach Trinkwasserverordnung liegen für bereits bewertete Metalle Grenzwerte in folgender Höhe vor: Quecksilber 1 µg/l, Cadmium 3 µg/l, Arsen 10 µg/l. Der GOW, der für Gadolinium zu beachten ist, liegt also weit darunter.

 

Und auch diese sehr niedrig gesetzte Schwelle von 0,1 µg/l wird in keiner Messung beim Trinkwasser erreicht: Die Gadoliniumgehalte liegen bei etwa 0,010 µg/l und damit deutlich unter diesem Vorsorgewert. Die Darstellung in „Ökotest“ mit der roten Unterlegung im Tabellenbereich suggeriert eine „gefährliche Belastung“, die die Werte in keiner Weise wiederspiegeln. Zudem wurden auch in solchen Trinkwässern „erhöhte Gadoliniumkonzentrationen“ ermittelt, wie z. B. in München, die nicht aus Oberflächenwasser gewonnen werden.

 

Festzuhalten bleibt: Das Herner Trinkwasser ist von guter Qualität, entspricht jederzeit allen Anforderungen der Trinkwasserverordnung und kann bedenkenlos für alle Verwendungszwecke im Haushalt genutzt werden.

 

 

Zu den Fragen:

 

1.    Welche Wirkstoffe werden im Einzelnen gemessen?

Der Stadtteil Wanne wird aus dem Wasserwerk Haltern, das übrige Stadtgebiet von Herne aus den Wasserwerken Haltern und Witten mit Trinkwasser versorgt. Das Trinkwasser beider Wasserwerke wird regelmäßig durch die  Westfälische Wasser- und Umweltanalytik GmbH (WWU) auf allgemeine Parameter (Härte, Leitfähigkeit, pH-Wert, Sauerstoff, Trübung, etc.), eine Reihe von Kationen (Ammonium, Eisen, Magnesium, etc.), eine Reihe von Anionen (Chlorid, Nitrat, Sulfat, etc.), anorganische Spurenelemente (Metalle, etc.), organische Spurenstoffe (aromatische Kohlenwasserstoffe, Trihalogenmethan, Lösemittel, Röntgenkontrastmittel, Arzneistoffe, etc.) und mikrobiologische Parameter (Koloniezahl, Bakterien, etc.) untersucht. Die Parameter im Einzelnen aufzuführen, ist zu umfangreich. Wir verweisen auf unseren zugehörigen Internet-Auftritt („Trinkwasseranalysen“), in dem wir detailliert über die Befundlage berichten.

 

2.    Wie hoch sind die gemessenen Konzentrationen?

Die Einzelergebnisse entnehmen Sie bitte den Detailanalysen des Trinkwassers aus dem Wasserwerk Haltern und aus dem Wasserwerk Witten, die Sie im Internetauftritt der GELSENWASSER AG finden.

 

3.    Wird für einzelne Substanzen der gesundheitliche Orientierungswert (GOW) von 0,1 µg/l überschritten?

Bei dem an die Stadt Herne abgegebene Trinkwasser werden alle nach der Trinkwasserverordnung einzuhaltenden Vorschriften und Grenzwerte eingehalten.

Für Spurenstoffe wie Arzneistoffe, Röntgenkontrastmittel und Gadolinium existieren keine Grenzwerte in der Trinkwasserverordnung. Deshalb gelten dafür gesundheitliche Orientierungswerte des Umweltbundesamtes. Für bisher nicht bewertete Stoffe gilt der allgemeine Vorsorgewert von 0,1 µg/l bzw. 0,01 µg/l für gentoxische Substanzen. Diese Werte sind so angelegt, dass bei einem lebenslangen Konsum des Wassers keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit zu besorgen sind. Die vorgenannten Orientierungs- bzw. Vorsorgewerte werden im Trinkwasser in Herne eingehalten und in den meisten Fällen sogar weit unterschritten.

4.    Gibt es für einzelne Substanzen im Jahresvergleich einen Anstieg der Konzentration?

Die Qualität des Trinkwassers hängt maßgeblich von der des Rohwassers, also des Grundwassers, Uferfiltrats oder Oberflächenwassers ab. Im Rohwasser können stoffspezifisch durchaus  jahreszeitliche, wöchentliche oder auch ansteigende Trends beobachtet werden. Im Grundwasser in Haltern gibt es bereichsweise einen ansteigenden Trend für Nitrat, im Oberflächenwasser der Stever, des Mühlenbachs und der Ruhr eher nicht. Bei den Pflanzenbehandlungsmitteln im Oberflächenwasser besteht ein Zusammenhang mit der Ausbringungszeit in der Landwirtschaft und möglichen Starkregenereignissen, die die Wirkstoffe von den Feldern in die Gewässer abspülen können. Für einzelne Pflanzenbehandlungsmittel erleben wir in Haltern derzeit einen steigenden Trend, für andere nicht. Die Röntgenkontrastmittel in der Ruhr zeigen einen ansteigenden Trend mit dem Ruhrverlauf. Für einzelne Arzneistoffe (Metoprolol, Betablocker) können in der Ruhr stellenweise ansteigende Werte beobachtet werden, für andere nicht.

 

Detaillierte Informationen zu den Stoffkonzentrationen in den Gewässern in Haltern enthält der jährliche Kooperationsbericht der Steverkooperation und in der Ruhr der Ruhrgütebericht. Beide können auf der Homepage der GELSENWASSER AG bzw. des Ruhrverbands eingesehen oder herunter geladen werden.

 

5.    Worin liegen die möglichen Ursachen für diese Rückstände?

Spurenstoffe wie beispielsweise Arzneimittelrückstände und Röntgenkontrastmittel gelangen über das Abwasser in den Wasserkreislauf und damit insbesondere bei aus Oberflächenwasser gewonnenen Trinkwässern, wie z. B. an der Ruhr oder in Haltern, in Spuren auch in das Trinkwasser.

 

6.    Welche Möglichkeiten werden gesehen, den Eintrag von Arzneimittelrückständen in die Umwelt und speziell ins Trinkwasser zu minimieren?

GELSENWASSER ist überzeugt, dass der beste Weg ist, den Eintrag von Schadstoffen bereits an der Quelle zu minimieren. Bezogen auf Arzneimittelrückstände bedeutet dies z .B. Medikamente nicht in der Toilette und im Ausguss zu entsorgen.

 

7.    Werden bei der Aufbereitung des Trinkwassers, das in Herne konsumiert wird, Verfahren wie Nanofiltration bzw. Umkehrosmose eingesetzt, um Rückstände von beispielsweise Arzneimitteln filtern zu können?

Im Wasserwerk Haltern und im Wasserwerk Witten der WWW GmbH werden Verfahren wie Nanofiltration bzw. Umkehrosmose nicht eingesetzt.

 

8.    Wenn nicht, für wann ist ggf. eine Nachrüstung der Anlagen geplant?

Als Vorsorgemaßnahme und zur weiteren Erhöhung der Sicherheit gegenüber nicht vorhersehbaren mikrobiologischen oder chemischen Verunreinigungen setzen die Wasserwerksbetreiber an der Ruhr ein umfangreiches Investitionsprogramm um. In vielen Ruhrwasserwerken wird die bisherige Wasseraufbereitung in den nächsten Jahren noch durch zusätzliche Verfahrensstufen ergänzt werden. Die Bezirksregierungen in Arnsberg und Düsseldorf haben mögliche Aufbereitungskombinationen vorgegeben. Speziell in Witten wird eine Kombination aus Flockungsfiltration und Aktivkohle-Adsorption zum Einsatz kommen.

 

Die Erweiterungen sind bis spätestens 2018 umgesetzt.

 

9.    Wie würde sich eine solche Verbesserung der Filtration auf den Trinkwasserpreis auswirken?

Die genauen Auswirkungen auf den Wasserpreis können erst zu einem späteren Zeitpunkt der Umsetzung der Maßnahme angegeben werden. Derzeit gehen wir von einer Erhöhung des Wasserpreises um 10 bis 20 Cent pro Kubikmeter Trinkwasser aus.

 

 

18.2.2

Anfragenbeantwortung aus einer  der vorangegangenen Sitzungen

 

Vom Fachbereich 53 / Tiefbau und Verkehr bezieht sich Herr Becker auf die Verkehrssituation im Landschaftsschutzgebiet Holthausen – Vorlage 2014/0235 und erläutert, dass der Ausschuss für Umweltschutz die Verwaltung in seiner Sitzung vom 26.rz .2014 damit beauftragt hat, geeignete Möglichkeiten zur Sperrung des Kreuzungsbereiches Lange Straße / Oestrichstraße / Beimbergstraße für den Durchgangsverkehr im Landschaftsschutzgebiet Holthausen zu prüfen.

 

Am 08. Mai 2014 fand dazu ergänzend ein Ortstermin mit Anwohnern und betroffenen Landwirten sowie mit Vertretern aus Politik und Verwaltung statt. Bei diesem Termin wurde ohne die Festlegung zeitlicher Prämissen das weitere Vorgehen abgestimmt.

 

Der aktuelle Sachstand stellt sich wie folgt dar:

 

Ein erster Planungsentwurf liegt vor. Aktuell werden die technische Gestaltung sowie die zu unterstellende Fahrzeuggeometrie mit den Landwirten abgestimmt.

 

Sobald erste Ergebnisse vorliegen wird die Verwaltung darüber in einer der nächsten Sitzungen informieren.