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Auszug - Bericht und Diskussion über die Beseitigung der Sturmschäden; - auf Vorschlag der Grüne-Fraktion vom 21.08.2014 -   

des Ausschusses für Umweltschutz
TOP: Ö 3
Gremium: Ausschuss für Umweltschutz Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Mi, 17.09.2014 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 18:45 Anlass: Sitzung
Raum: kleiner Sitzungssaal (Raum 214)
Ort: Rathaus Herne
2014/0580 Bericht und Diskussion über die Beseitigung der Sturmschäden;
- auf Vorschlag der Grüne-Fraktion vom 21.08.2014 -
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Vorschlag TOP
Verfasser:Pascal Krüger
Federführend:FB 55 - Stadtgrün Beteiligt:Büro Dezernat V
Bearbeiter/-in: Bensel, Heike   
 
Wortprotokoll
Beschluss

 

Herr Sengupta vom Fachbereich 55 / Stadtgrün und Sport berichtet wie folgt:

 

Ela macht Herne noch Jahre zu schaffen“, so die Überschrift einer Schadensbilanz der WAZ am 13.08.2014.

 

Ein so lokal, begrenztes Sturmereignis wie auf Pfingsten 2014 hat es in Herne und auch im gesamten Ruhrgebiet bislang noch nicht gegeben. Selbst das Unwetter Kyrill im Winter 2007 hat bundesweit nicht Schäden solchen Ausmaßes verursacht.

 

Im Unterschied zu Kyrill waren bei „Ela“ die Bäume belaubt, die Baumkronen boten dem Sturm größere Angriffsflächen als bei einem Wintersturm, was zur Folge hatte, dass wesentlich mehr Bäume umgestürzt und Kronen erheblich zerstört worden sind.

 

Öffentliche Flächen

Umstürzende und abbrechende Bäume haben teilweise erhebliche Schäden an Gebäuden, Straßen und Wegen, Fahrzeugen und Laternen, aber auch an Spielgeräten und Gräbern sowie Sporteinrichtungen und Kleingärten verursacht. 140 Mitarbeiter vom Fachbereich Stadtgrün und Sport sowie 30 Firmen aus dem gesamten Bundesgebiet mit durchschnittlich 3-5 Mitarbeiten sind seit Pfingsten ununterbrochen mit den Aufräumarbeiten befasst. Sofort nach Pfingsten wurden im Stadtgebiet 7 Holzlagerflächen auf Parkplätzen eingerichtet, wo das anfallende Holz gesammelt, geschreddert und abgefahren wurde. Zwischenzeitlich dient nur noch die große Platzfläche an der Forellstraße als zentrale Sammelstelle.

 

Erste Priorität zur Abwehr unmittelbarer Gefahren war die Beseitigung von Sturmschäden an Straßen, Wegen und Plätzen und in den Sommerferien an Schulen und Kindereinrichtungen. Insbesondere die stark geschädigten und zerstörten Baumkronen, in denen immer noch an- und abgebrochene Äste hängen, dessen Ausmaß von unten oftmals nicht erkennbar ist, machen in den nächsten Monaten intensive Baumkontrollen im Hinblick auf die Verkehrssicherheit erforderlich. Dabei wird sich herausstellen, wie viele Bäume auf Grund der starken Vorschäden noch gefällt werden müssen. Die genaue Anzahl der Bäume, die „Ela“ zum Opfer gefallen sind, wird voraussichtlich erst im nächsten Jahr feststehen, schätzungsweise werden dies insgesamt etwa 4000 Bäume sein.

 

Bisher fehlen etwa 2600 Bäume auf öffentlichen Grundstücken. Davon sind an Straßen (150) und in den größeren Parkanlagen wie Stadtgarten Herne (63), Schloßpark Strünkede(37), Stadtgarten Wanne (80), Franzanlage (80), Flora Marzina Park (50), Volksgarten Eickel (88), Sportpark Eickel (81) und insbesondere auf dem Wald- (450) und Südfriedhof (94) Bäume umgestürzt oder mussten unmittelbar nach dem Sturm entfernt werden.

 

Unberücksichtigt bleiben die zahlreichen Sturmschäden auf Privatgrundstücken, die nicht bekannt und erfasst sind.

 

In den ersten Wochen nach „Ela“ wurden bislang allein für die Fällung von Bäumen, Entfernung von an- und abgebrochenen Ästen und Kronenteilen, Beseitigung des angefallenen Stamm- und Kronenholzes, sowie Hub- und Kranwagenarbeiten zur Bergung von Bäumen auf Gebäuden und Fahrzeugen etwa 2,2Mio. Euro verausgabt. Defekte Zäune, Spielgeräte etc. sind hierbei noch nicht berücksichtigt.

 

Öffentliche Bereiche wie Straßen, Spiel- und Sportplätze, Schulen und Kindergärten sind zwischenzeitlich wieder uneingeschränkt nutzbar. Da das Ausmaß der Schäden immer noch nicht vollständig erfasst werden konnte, sind Parkanlagen und Grünwegeverbindungen sowie Kleingartenanlagen, Friedhöfe und Waldflächen auch weiterhin teilweise gesperrt und werden sukzessive über die Presse einzeln freigegeben.

 

 

Forstflächen

Der Fachbereich Stadtgrün und Sport hat in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb Wald und Forst die erforderlichen Aufräum- und Verkehrssicherungsmaßnahmen in den Herner Waldbereichen koordiniert. Aufgrund einer Prioritätenliste wurden die Hauptschwerpunkte zunächst auf den Volksparkwald und den Gysenberger Wald sowie das Unser-Fritz Wäldchen und den Waldbereich an der Hofstre gesetzt.

 

Generell fallen in den Herner Waldbereichen ca. 4.000 Festmeter Holz an. Diese Holzmenge entspricht ca. 1.200 bis 1.500 Waldbäume. Nicht mit eingerechnet sind Gefahrenbäume an Waldrändern zum Siedlungsbereich. Hierfür wurden Kosten in Höhe von ca. 100.000€ kalkuliert.

 

Die in den Waldbeständen durchzuführenden Forstmaßnahmen finanzieren sich durch sogenannte Selbstwerber überwiegend selbst. Hier wird voraussichtlich lediglich mit einem zusätzlichen Finanzaufwand von ca. 20.000 € gerechnet.

 

 

Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen

Frühestens Ende 2015 kann über Nachpflanzungen und Aufforstungen nachgedacht werden. Voraussetzung hierfür ist, dass die Anzahl und die Standorte der fehlenden Bäume bekannt und analysiert sind. Nicht jeder Baum wird ersetzt werden können, da auch sehr dichte Bestände stark geschädigt sind, in denen nicht eins zu eins nachgepflanzt werden kann. Straßenstandorte müssen auf vorhandene Leitungslagen und Baumartenverwendung überprüft werden. Als Empfehlung dient die aktuelle Straßenbaumliste der Gartenamtsleiterkonferenz (Galk), die unter Berücksichtigung unterschiedlichster Standortbedingungen geeignete Baumarten festlegt. Für die Nachpflanzung eines Straßenbaumes entstehen etwa 1000 Euro. Zusätzlich entstehen Kosten im Tiefbau für die Wiederherstellung der Baumscheibe und dessen Umfeld. Der Gesamtkostenaufwand für alle Nachpflanzungen steht zurzeit noch nicht fest.

 

 

Finanzierung

Weil der gesamte Stadtgrün-Etat seit „Ela“ in die Schadensbeseitigung geflossen ist, und längst nicht das gesamte Schadensausmaß feststeht ist eine weitere Mittelaufstockung im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten zwingend erforderlich.

 

Im Rahmen der Prüfung, in wieweit eine Inanspruchnahme des Europäischen Hilfsfonds für die Sturmschadenbeseitigung in Frage kommt, hat die Verwaltung entsprechende Informationen an das Ministerium für Inneres und Kommunales gemeldet.

Eine Rückmeldung liegt bisher nicht vor.

 

 

Ergänzungen

 

Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen

Erst wenn alle Schäden erfasst und beseitigt sind, kann, wie bereits erläutert, mit einem Konzept für Neupflanzung und Aufforstung begonnen werden. Wann mit der vollständigen Beseitigung aller Sturmschäden gerechnet werden kann, steht noch nicht fest. Die Arbeiten werden sicherlich bis in das Jahr 2015 andauern.

 

Finanzierung

Die Kosten für die Aufräumarbeiten liegen bereits höher als die angegebenen 2,2 Mio. Euro. Die Arbeiten wurden zwischenzeitlich bis zur Mittelbereitstellung durch den Rat der Stadt Herne am 26.08.2014 unterbrochen, werden mittlerweile aber wieder fortgesetzt. Das Land NRW wird, wie bereits in der Presse veröffentlicht, der Stadt Herne ca. 750.000 Euro zur Sturmschadenbeseitigung zur Verfügung stellen. Ob auch vom Bund Zuschüsse gewährt werden, ist zurzeit noch nicht bekannt.

 

Spenden für Baumpflanzungen, für die in der Presse geworben wird, sind bislang nur in geringer Höhe eingegangen, werden aber wöchentlich abgefragt.

 

Privatpersonen erhalten von der Stadt Herne keine finanzielle Unterstützung zur Schadenbeseitigung, weil Grundstücksbesitzer in der Regel eine eigene Gebäude- bzw. Grundstücksversicherung besitzen

 

Forstflächen

Laut einer aktuellen ordnungsbehördlichen Verordnung des Landesbetriebes Wald und Holz gilt das Betretungsverbot für Waldflächen bis zum 12.01.2015, da nicht absehbar ist, wann alle Gefahren beseitigt sind.

 

Öffentliche Flächen

Spiel- und Sportplätze sowie Grün- und Parkanlagen, Friedhöfe und alle Straßen im Herner Stadtgebiet sind über die Medien wieder freigegeben worden. Allerdings sind im gesamten Stadtgebiet immer noch kleinere Teilbereiche abgesperrt, wo noch Aufräumarbeiten erforderlich sind.

 

Der Waldfriedhof in Wanne bleibt allerdings bis auf weiteres auf Grund der flächendeckenden Zerstörungen geschlossen.

 

Zurzeit führt der Fachbereich Stadtgrün und Sport Sonderkontrollen an allen städtischen Bäumen im Hinblick auf weitere Schäden durch. Hierbei werden insbesondere abgebrochene Kronen, an- und abgebrochene Äste und Schäden im Wurzelbereich begutachtet. Diese Kontrollen werden voraussichtlich noch das gesamte nächste Jahr in Anspruch nehmen.

 

Ausblick

Ela war eine bislang für diese Region außergewöhnliche, bislang vom Ausmaß noch nicht gekannte Naturkatastrophe. Daher ist drei Monate nach diesem Ereignis eine abschließende Schadensbilanz nicht möglich. Die Auswirkungen und das eigentliche Schadensmaß sowie die tatsächliche entstandenen Kosten werden daher voraussichtlich erst Ende 2015 ermittelt werden können.

 

 

Herr Krüger von der Grünen Fraktion bittet die Verwaltung, wenn Anfang 2015 das Neuplanzungskonzept steht, dass dieses Konzept dann im Ausschuss für Umweltschutz vorgestellt wird.

 

r die Piraten-AL-Fraktion fragt Herr Nierstenhöfer, ob nicht der Holzwert in die Neuplanzungen mit eingebracht werden könne.

Lt. Verwaltung wurde der Holzwert gegen die Arbeitsvergütungen der Fremdfirmen aufgerechnet.

 

Von der SPD-Fraktion erkundigt sich Herr Gentilini, ob es eine Prioritätenliste bei den Aufräumarbeiten gibt.

Herr Sengupta bejaht: Straßen, Schulen, Kitas, Spielplätze, Friedhöfe, Waldfriedhof, Forstflächen. Bis weit in das Jahr 2015 wird noch aufzuarbeiten sein.