Ratsinformationssystem

Auszug - Anfrage: "KHaus", Kreativquartier Wanne, Karstadt-Immobilie  

der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Wanne
TOP: Ö 2
Gremium: Bezirksvertretung Wanne Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Di, 15.11.2016 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 17:27 Anlass: Sitzung
Raum: großer Sitzungssaal (Raum Nr. 30)
Ort: Rathaus Wanne
2016/0809 Anfrage: "KHaus", Kreativquartier Wanne, Karstadt-Immobilie
   
 
Status:öffentlichVorlage-Art:Anfrage_Formular
Verfasser:BVO Nierstenhöfer, Günter
Federführend:FB 32 - Kultur Bearbeiter/-in: Gresch, Norbert
 
Beschluss


Vor fast genau einem Jahr wurde bekannt, dass die ersten Ansätze zu dem geplanten sehr ambitionierten Kreativquartier „KHaus“ in dem ehemaligen Karstadtgebäude an der Hauptstraße in Wanne wegen des Eigentümerwechsels und den damit verbundenen untragbar hohen Miet- und Instandsetzungskosten nicht weitergeführt werden kann. Die schon eingezogenen Kreativen mussten wieder ausziehen.

Nach Aussagen der bisherigen beteiligten Träger (Stadt u. WFG) soll dieses Projekt weiterverfolgt werden.

 

Fragen:
 

1.Wie ist der Sachstand bei der Entwicklung des seinerzeit geplanten Kreativquartiers in Wanne?

2.Gibt es alternative Räumlichkeiten zum ehemaligen „KHaus“ z. B. im „Pekelsenhaus“ oder anderswo in Wanne?

3.Gibt es zu den seinerzeit im „KHaus“ ‚angesiedelten‘ Kreativen noch Kontakte?

­ Wenn ja, wie sind deren Vorstellungen zu möglichen Alternativen zum „KHaus“?

­ Wenn nein, warum nicht?

4.Welche finanziellen Hilfen stehen Kreativen zur Verfügung, falls sie Räume finden, die renoviert werden müssten und sie diese Kosten selbst nicht aufbringen können?

5.Wer bildet den „Runden Tisch Kreativ. Quartier Wanne“? (s, v. 27.11.2015)

6.Wie sieht das von Sekai Fenerci angedeutete Konzept aus? (s. WAZ v. 27.11.2015)

7.Wird das alte Karstadtgebäude weiter beobachtet hinsichtlich der Preisentwicklung?

 

 

Die Fragen werden von Herrn Gresch wie folgt beantwortet: 

 

 

Beim Projekt „Kreativquartier(e)“ handelt es sich grundsätzlich um Ansiedlungsvorhaben von kreativwirtschaftlich tätigen Unternehmen in geeigneten Immobilien. Der Begriff „Kreativwirtschaft“  ist dabei weit zu fassen und nicht eindeutig definiert, die Bandbreite reicht von bildenden Künstlern, Tanz- und Theatergruppen über Grafiker bis hin zu Computerspieleentwicklern und Künstleragenturen. Wichtig ist jedenfalls der Gesichtspunkt der Wirtschaft, also die Zielrichtung auf Erlöse und Arbeitsplätze, aber eben im Zusammenspiel mit Kunst und Kultur.

Insofern war in Herne als Projektentwickler für das K-Haus die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) verantwortlich.

Aufgrund der Immobiliensituation musste das ursprüngliche Konzept überarbeitet werden.

 

Mit dem KHAUS hatte das Kreativ.Quartier Wanne die benötigte Schlüsselimmobilie. Nach dem durch überzogene Vorstellungen des Eigentümers gescheiterten Versuch, die Immobilie Hauptstr. 272 (KHAUS) als Kreativ.Quartier zu entwickeln, hat die WFG lange Zeit eine Alternativimmobilie gesucht und mehrere Standorte geprüft.

Der Kontakt zu Eigentümern von Wanner Ladenlokalen wurde hergestellt. Hier zeigte sich, dass es in der Regel eine weite Kluft zwischen den Vorstellungen über die Höhe der Miete und dem Zustand der Immobilie gab. Es gab keine Bereitschaft zu finanziellen Zugeständnissen oder Zwischennutzungsmöglichkeiten. Um die Idee überhaupt aufrecht zu erhalten, kam nur die Anmietung einer kleineren Fläche in Frage.

Parallel dazu wurde über das Netzwerkmanagament (s.u.) eine Bedarfsanalyse bei der Kreativklientel selbst durchgeführt.

Ab dem 1. Dezember wird die WFG voraussichtlich das Ladenlokal Heinestraße 1 (ca. 70 qm) anmieten. Der Mietvertragsentwurf liegt vor.

 

 

Es besteht seitens des FB 32 Kontakt zu dem im Bereich der Kreativwirtschaft tätigen Musikproduzenten Sebastian Maier.

Dieser ist von Räumlichkeiten im K-Haus mittlerweile in das „O-Ort der Kultur“ (ehem. Overwegschule) gewechselt. Der bildende Künstler Tim Tomczyk hat weiterhin ein Atelier im K-Haus angemietet. Von Seiten der Kreativen gibt es Interesse, am Projekt KREATIV.QUARTIER Wanne in seiner jetzigen Form mitzuarbeiten.

 

Fördermöglichkeiten für Kreative ergeben sich durch das neue kürzlich vorgestellte ecce-Programm „Pilotraum Ruhr“. Eine Förderung ist jedoch nur über ein Projekt möglich. Einzelkünstler mit einem überzeugenden Projekt können über diese Förderung auch Anträge auf einen Zuschuss für Renovierungskosten stellen. Hierzu sollen in Kürze Gespräche mit ecce geführt werden.

 

 

Zu den Anforderungen von ecce an ein anerkanntes Kreativ.Quartier gehört es, die drei Komponenten (Kreativ-)Wirtschaft, Kultur und Stadtentwicklung zusammen zu bringen. Die Erfahrung zeigt, dass sich nur im erfolgreichen Zusammenwirken dieser sich ergänzenden Bausteine ein Kreativ.Quartier positiv entwickeln kann. Die Allianz umfasst somit die Partner Kultur, Stadtentwicklung, Wirtschaftsförderung und Kreative selbst, die sich am Runden Tisch treffen. In Herne sind dies

  • Kreative
  • Stadt Herne, FB Kultur
  • Stadt Herne, FB Stadtplanung
  • Wirtschaftsförderungsgesellschaft Herne mbH
  • STARTERCENTER NRW der WFG Herne

 

Diese Runde, zeitweise ergänzt durch den Vertreter der Immobilie, hat sich bis zum absehbaren Aus für das KHAUS regelmäßig getroffen und soll nun nach der Herrichtung des Ladenlokals in der Heinestraße wieder zusammengerufen werden, ergänzt um die Netzwerkmanagerin.

 

Durch die veränderte Immobiliensituation musste das ursprüngliche Konzept KHAUS (große Fläche mit Einheiten, die vermietet werden sollten, Gemeinschafts- und Veranstaltungsraum) abgeändert werden. Die Möglichkeiten durch die beschränkte Raumkapazität sind nun zwar bescheidener, aber der kleinere Ansatz war die einzige Möglichkeit, die Idee weiter zu verfolgen. Eine kleinflächige Immobilie bietet allerdings keine Lösung für die Vorstellungen an Raum der Kreativklientel pottporus, die Initiator für das KHAUS war.

 

Das angedachte überarbeitete Konzept sieht nun folgendermaßen aus: Der angemietete Raum dient als Projektbüro, Treffpunkt und Basis für ein Kreativnetzwerk. Von hier aus sollen weitere Projekte, z.B. über Kreativ.Quartiere Ruhr (ecce) gestartet werden. Das WFG-STARTERCENTER steht als Anlaufstelle für Start-ups zur Verfügung, berät und professionalisiert (Idee „CreativeLAB“).

 

Da die Fläche – im Vergleich zum KHAUS – gering ist, kann sie lediglich der Kern für das Kreativ.Quartier selbst sein. Wanne würde damit zum Kreativ.Quartier mit dezentral untergebrachten Kreativen und einer Anlaufstelle als Keimzelle für das Kreativ.Quartier.

Es wurden bereits Gespräche geführt, ob es im Rahmen von Stadtumbau Wanne-Süd möglich ist, Unterstützung bei der Suche nach bezahlbarem Raum zu erhalten, um Bedarfe an Raumkapazität zu befriedigen und um junge Kreativunternehmen über das Kreativ.Quartier in Wanne zu halten bzw. nach Wanne zu holen.

 

Eine professionelle Begleitung der Aufbauphase ist durch die WFG in Form eines Netzwerk-managements gewährleistet. Hierfür wurde eine Person gefunden, die als Netzwerkmanagerin kulturell gut vernetzt ist, Verständnis für wirtschaftliche Notwendigkeiten hat und bereit ist, Möglichkeiten für eine Förderung zu erschließen und zu begleiten. Das Projektbüro ist Teil des multifunktionalen Raumes in der Mieteinheit. Die Manager/in hat auch die Aufgabe, die kulturelle Szene einzubinden.

 

Für die Aufbauphase sollte man einen Zeitraum von zunächst drei Jahren einplanen. Die WFG wird ihr Engagement nach einem halben bzw. ganzen Jahr evaluieren.

 

Ein Kreativ.Quartier hat auf Dauer nur eine Perspektive, wenn die am Aufbau Beteiligten aus eigenem (wirtschaftlichen) Interesse handeln. Der Fokus liegt daher auf Kreativen, die sich mit ihrer Tätigkeit ihren Lebensunterhalt verdienen wollen.

Die WFG erhält zurzeit keinerlei finanzielle Unterstützung. Für Kreativ.Quartiere gibt es keine Fördermöglichkeiten für den Aufbau von Strukturen (Managementaufgaben). Sowohl das Netzwerkmanagement als auch die Kosten für Anmietung und Instandsetzung der Immobilie werden allein von der WFG getragen.

 

 

Die WFG steht in Kontakt zum Verwalter der Immobilie. Der Eigentümer will die Immobilie noch immer verkaufen. Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass der Preis sich noch weiter nach unten bewegt. Eher ist anzunehmen, dass der jetzige Eigentümer das Haus als Teil eines Gesamtpakets verkauft und dann mindestens den bisher angesetzten Preis halten kann.

 

Die Preisentwicklung wird dennoch beobachtet.

 

Generell ist es für eine Wirtschaftsförderung schwierig, den Immobilienpart bei der Entwicklung eines Kreativ.Quartiers zu übernehmen. In anderen Kommunen, z.B. Mülheim/Ruhr, die erst in diesem Jahr die „Creative Factory“ gegründet haben, übernimmt diesen Part komplett eine städtische Gesellschaft, so dass sich die Wirtschaftsförderung vor Ort konzentriert um Inhalte und Organisation kümmern kann.