Ratsinformationssystem

Auszug - Mitteilungen der Vorsitzenden und der Verwaltung  

des Ausschusses für Umweltschutz
TOP: Ö 4
Gremium: Ausschuss für Umweltschutz Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Di, 30.01.2018 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 18:55 Anlass: Sitzung
Raum: kleiner Sitzungssaal (Raum 214)
Ort: Rathaus Herne
 
Beschluss


 

4.1.  Herr Stadrat Friedrichs stellt Herrn Daniel Wirbals als neuen Leiter der Abteilung 4 – Klima- und Immissionsschutz, Abfallwirtschaft  des Fachbereiches 51 /  Umwelt und                   Stadtplanung vor.

 

 

4.2.  Anschließend bezieht sich Herr Wirbals beim Sachstandsbericht City Tree auf den von Herrn Eilebrecht zur Verfügung gestellten Testbericht.

 

Einführend teilt er mit, dass in vielen deutschen Städten der Einsatz eines City Tree im vergangenen Jahr Thema in den bürgerschaftlichen Gremien war. In der Berichterstattung über die Forderung nach der Aufstellung eines City Tree tritt häufig eine hohe Erwartungshaltung an die Reinigungsleistung dieser Mooswände zu Tage.

 

Erfahrungen mit den City Trees liegen aus Nachbarstädten vor. In Castrop Rauxel wurde September 2017 ein City Tree aufgestellt. Nach ca. vier Wochen zeigte sich eine Braunfärbung bei dem eingesetzten Moos. In Essen wurden Ende letzten Jahres die beiden Mooswände am Hauptbahnhof wieder abgebaut. Bei der in der Bahnhofshalle aufgestellten Mooswand vertrocknete das Moos immer wieder, zudem hatten sich dort Schädlinge (Spinnmilben) eingenistet.

 

Nach Angaben der Entwickler soll ein City Tree der Reinigungsleistung von 275 Bäumen entsprechen. Angegeben wird eine Reinigungsleistung von

 

- ca. 105 kg CO2 pro Jahr

- ca. 70 kg Feinstaub pro Jahr

- Minderungswirkung bei NOx (nicht quantifiziert)

 

Zudem entsteht durch die Wasserverdunstung eine kühlende Wirkung auf die Umgebungsluft.

 

In der Diskussion um die City Trees wird die grundsätzliche Reinigungswirkung von Mooswänden nicht in Frage gestellt. Zweifel bestehen aber hinsichtlich der tatsächlichen Reinigungsleistung eines City Tree. Als limitierend wird der Wirkradius angesehen, da die verschmutze Luft zu der Wand transportiert werden muss. Um die Wirksamkeit und die Größe der Reinigungsleistung nachzuweisen, hat die Fa. Green City Solution eine zweijährige Messaktion an sechs City Trees in Italien beauftragt. Mit den Messungen wurde nach Firmenangaben im Mai 2017 begonnen.

 

 

Anmerkung zu dem von Herrn Eilebrecht zur Verfügung gestellten Testbericht:

 

Der Testbericht (Efficiency Test of Moss Filters, Bericht vom 12. April 2017) bezieht sich auf Messungen über den Filterwirkungsgrad von Moos in Anlehnung an die Prüfnorm ISO 16890. Die ISO 16890 dient zur Filterprüfung und –klassifizierung von Luftfiltern für die allgemeine Raumlufttechnik. Geprüft wird die Abscheideleistung der Filtermaterialien gegenüber Feinstaub. Normalerweise bestehen die Filtermaterialien bei den Luftfiltern für raumlufttechnische Anlagen aus synthetischen Fasern oder Glasfasern.

 

Geprüft wurden drei verschiedene Moose (Bezeichnung Moos 1 bis 3) und ein Äst/Blätter-gemisch von Laubbäumen. Im Ergebnis zeigte die Prüfung für Moos 1 eine hohe Abscheideleistung. Bezogen auf die Korngröße PM10 betrug die Abscheideleistung zwischen 84 und 97 %. Demgegenüber zeigte das Moos 2 bei der Korngröße PM10 nur eine Abscheideleistung von 56 %, beim Moos 3 lag die Abscheideleistung für PM10 bei 85 %. Für das Ast/Blätter-gemisch konnte keine Staubabscheidung festgestellt werden.

 

Der Test entsprechend der Prüfnorm ISO 16890 bewertet die Abscheideleistung des geprüften Filtermaterials, dabei wird die Luft aktiv durch den Filter gedrückt. Das ist bei einem City Tree nicht der Fall, hier erfolgt die Anströmung diffus mit dem Wind. Der Test belegt die Eignung von Moos zur Abscheidung von Feinstaub, sagt aber nichts über die tatsächliche Reinigungsleistung eines City Tree aus.

 

Drängendes Problem der Luftreinhaltung in den Städten ist die Minderung der NOx-Belastung. Angaben darüber, in welchem Umfang ein City Tree zur NOx-Minderung beitragen kann, konnten nicht ermittelt werden.

 

 

Sachstand Mooswand in Stuttgart:

 

Im Rahmen einer Pilotstudie untersucht die Stadt Stuttgart die Effizienz von Moosen zur Ab-scheidung von Feinstaubpartikeln unter realen Atmosphärenbedingungen. Hierzu wurde im März 2017 eine rund 100 m lange und 300 m² große Mooswand entlang der Canstatter Stra-ße errichtet. Der Pilotversuch ist zunächst auf zwei Jahre angelegt.

 

Auch an der Mooswand traten in 2017 Probleme auf, durch die lange Trockenheit im Sommer und im Frühherbst ist das Moos an manchen Stellen abgestorben. An anderen Stellen haben Algen die Moose überlagert und geschwächt. Nach Angaben der Stadt Stuttgart ist etwa ein Drittel der Moose abgestorben, die Stadt hat das abgestorbene Moos Ende letzten Jahres ersetzen lassen.

 

Die Auswertung des Pilotversuchs soll nach Beendigung dieser Feinstaubsaison (Ende April 2018) erfolgen. Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse wird im Juni / Juli 2018 gerechnet.

 

Dieser Endbericht steht dann erst nach der Sommerpause zur Verfügung.