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Auszug - Anfragen der Ausschussmitglieder  

des Ausschusses für Umweltschutz
TOP: Ö 14
Gremium: Ausschuss für Umweltschutz Beschlussart: zur Kenntnis genommen
Datum: Mi, 21.11.2018 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 16:00 - 19:27 Anlass: Sitzung
Raum: großer Sitzungssaal (Raum 312)
Ort: Rathaus Herne
 
Beschluss


 

Herr Stadtrat Friedrichs teilt mit, dass die Beantwortung der „Mündlichen Anfrage“ der AfD-Ratsgruppe zu den Grünflächen der Emschergenossenschaft am Emscherhauptlauf zur erst mit der Niederschrift beantwortet werden kann.

 

 

Anmerkung der Schriftführung:

Herr Dr. Sommerhäuser, Abteilungsleiter vom Flussgebietsmanagement der Emschergenossenschaft, gibt folgende Beantwortung zur Niederschrift:

 

In Beantwortung der uns durch Sie zugeleiteten Anfrage der AfD-Ratsgruppe können wir Nachstehendes zu den dort geäußerten Fragen rund um die Flächen an den Böschungen der Emscher vor dem Hintergrund „Insektenschutz" mitteilen.

 

Grundsätzlich stehen die Emschergenossenschaft und auch der Lippeverband (EGLV) als Flächeneigner dem Thema „Maßnahmen gegen das Insektensterben" sehr aufgeschlossen gegenüber. EGLV haben dazu im Sommer 2018 das Programm "Kein stummer Frühling": Emschergenossenschaft und Lippeverband aktiv gegen das Insektensterben - insektenfreundliche Landschaftsgestaltung durch alternative Deichbegrünung und Extensivierung der Pflege auf unseren Flächen" beschlossen.

Das Programm sieht vor, nach erforderlicher Prüfung für den jeweiligen Standort (Machbarkeit, Kosten-Nutzen) bevorzugt blütenreiche, insektenfreundliche und heimische Saatmischungen (Regiosaaten) an geeigneten Flächen zur Begrünung zu verwenden. Solche Flächen können eigene Liegenschaften wie die Hofflächen entlang der Emscher sein, die vorrangig der Öffentlichkeitsarbeit dienen, Bauhöfe des Betriebs, Kläranlagen und sonstige Flächen.

 

Auch bei den Deichen an Emscher und Lippe sollen geeignete Abschnitte ermittelt werden, auf denen eine extensive Pflege genehmigungsfähig ist. Die Einsaat der Deiche mit Regiosaatgut erfolgt im Rahmen der                                     Gewässer-Umbauprojekte oder von Reinvestmaßnahmen.

Ein weiteres Projekt entlang der Emscher mit positiver Wirkung für alle auf Blütenpflanzen angewiesenen Insektenarten ist die Ausweitung der bereits erfolgreichen Kooperation mit den Imkern der Region. Viele Imker im Emschergebiet nutzen bereits Flächen von EGLV an unseren großen Höfen, aber auch auf Bauhöfen, als Stellplätze für ihre Kästen.

 

 

Zu den Fragen im Einzelnen:

 

1. Warum werden diese Flächen ohne Rücksichtnahme auf den Blütenstand der Wildblumen unnötig oft gemäht?

 

Diese Frage bezieht sich auf Böschungs- und Deichflächen entlang der Emscher mit Schwerpunkt in der Stadt Herne. Hierzu ist festzustellen, dass eine alternative Deichbegrünung, d. h. die Verwendung von Regiosaatmischungen mit einem hohen Blühanteil anstelle einer Landschaftsrasenmischung, aufgrund von Normen zur Begrünung von Deichen im Rahmen der Standortsicherheit bislang leider i. d. R. nicht möglich ist.

 

Aufgrund der Anforderungen an den Hochwasserschutz ist kurz gehaltener Landschaftsrasen die Vorgabe. Die dafür erforderliche mehrfache Mahd im Jahr (ca. 6- bis 7-mal) erlaubt es, das Mahdgut auf den Deichen zu belassen, da dieses keine Gefährdung bei Hochwasser verursacht.

 

 

2. Gibt es Pläne zur ökologischen Entwicklung der Flächen?

 

Die ökologische Entwicklung der Deich- und sonstigen eigenen Flächen ist EGLV sehr wichtig und steht im Kontext mit dem Gesamtprojekt Emscher-Umbau .

 

Ein Pilotprojekt zur alternativen Deichbegrünung wurde bereits 2011 im Zuge der sukzessiven Erneuerung der Emscherdeiche durchgeführt. Hierbei wurden die Deiche anstelle der artenarmen Emschersaatmischung mit Regiosaatmischungen mit unterschiedlichen Blühanteilen eingesät. In einem Monitoring wurde eine praktikable Saatmischung mit heimischen Arten gefunden, die artenreicher ist und einen hohen Blütenanteil aufweist, aber auch die Deichsicherheit über das ganze Jahr gewährleistet. Dieses Konzept soll sukzessive auf möglichst vielen geeigneten Flächen umgesetzt werden, sofern die Genehmigungslage dem nicht wiederspricht. Die Behörden sind bei dem Thema alternative Deichbegrünung bislang je nach Regierungsbezirk aus den genannten Gründen noch zurückhaltend, während diese z. B. in den Niederlanden bereits verbreiteter ist.

 

 

3. Welcher Plan liegt den Mähmaßnahmen zugrunde und welche Kosten verursachen die Mähmaßnahmen?

 

Im Stadtgebiet von Herne sind die Emscher und die meisten Nebengewässer zzt. noch als Schmutzwasserläufe ausgebaut. Um eine Ansammlung von Grobstoffen bei Hochwässernzu verhindern und den Hochwasserschutz sicher zu stellen, werden diese Flächen noch als Kurzschnittrasen gepflegt und entsprechend mehrfach im Jahr gemäht.

 

Zu den Kosten: Die Pflege von Flächen mit blütenreichen Regiosaaten ist aufwändiger und kostenintensiver als beim Kurzschnittrasen, da das Mähgut nicht als Mulch verbleiben kann, sondern ein- bis zweimal jährlich abgetragen und entsorgt werden muss. Der Mehraufwand ist besonders hoch bei geneigten Fällen wie Deichen oder Böschungen. Die Kosten hierfür variieren sehr stark und hängen von Faktoren wie Standort und Böschungsneigung ab. In Ausschreibungen hat sich gezeigt, dass die Extensivierung zzt. noch mindestens das Doppelte der Kosten gegenüber der herkömmlichen Pflege (Kurzschnittrasen) verursacht.

 

Hinzu kommt, dass Biogasanlagen den Grasschnitt der blütenreichen Regiosaaten mit teilweise verholzten Arten noch nicht optimal verarbeiten können. Nach Weiterentwicklung der Biogasanlagen kann eine Verwertung der Mahd zur Energiegewinnung und damit zur Wirtschaftlichkeit beitragen (Förderung bei gewissen Quoten). Wir sehen also einer weiteren Verwendung von blütenreichen Regiosaaten auch in dieser Hinsicht positiv entgegen.

 

 

4. Kann sich unsere Kommune mit der Emschergenossenschaft über eine naturnahe Nutzung einigen, die hilft, den Lebensraum für heimische Insekten zu erhalten?

 

Die Emschergenossenschaft ist sehr interessiert daran, mit den Emscherkommunen die Entwicklung von ökologisch wertvollen blaugrünen Gewässerkorridoren voran zu treiben. Mit dem weiteren Emscher-Umbau werden auch in Herne eine Reihe von ökologischen             Gewässerumbaumaßnahmen und Flächenentwicklungen stattfinden, bei denen artenreiche Saatmischungen zum Einsatz kommen werden und eine extensive Pflege stattfinden soll.

 

In Herne sind außerdem als Bestandteil der interkommunalen Kooperation Emscherland 2020, die im Kontext des Emscher-Umbaus erfolgt, der Landschaftspark ,Streuobstwiese' und der Grünzug von Schloss Strünkede zur Emscher vorgesehen. Bei diesen beiden Grünanlagen werden in Kürze insektenfreundliche Staudenpflanzungen und Blütensaaten zum Einsatz kommen. Dies ist bereits mit dem Grünflächenamt der Stadt Herne abgestimmt.

 

Ob insektenfreundliche Blütensaaten auch an den Böschungen und Deichflächen der                   Emscher auf Hemer Stadtgebiet möglich sind, hängt von der jeweiligen örtlichen Situation und der Genehmigungslage ab.

 

 

Im Fazit engagieren sich die Emschergenossenschaft und auch der Lippeverband (EGLV) im Rahmen eines eigenen Programmes aktiv gegen das Insektensterben, setzen zunehmend blütenreiche Regiosaaten auf eigenen Flächen ein und koope­ rieren in dieser Hinsicht mit den Kommunen und den Imkern. Bei Deichen stehen diese grundsätzlich ebenfalls anzustrebenden Maßnahmen unter dem Vorbehalt der Flächeneignung und der Genehmigung.